Interview mit Daniela Frischkorn

Der Artikel „INTERVIEW MIT DANIELA FRISCHKORN – „Egal wo du herkommst, es zählt, was du bist!“ erschien in der EN-Aktuell 02/17. In der Zeitschrift ist nur ein gekürzter Teil des Interviews zu lesen. Das komplette, ungekürzte Interview finden Sie hier – zum Anhören oder Lesen.

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Interview mit Daniela Frischkorn

„Egal wo du herkommst, es zählt, was du bist!“

Nachdem uns die dramatische Geschichte der beiden Flüchtlinge Amadou Keita und Kennedy Uwoghiren zu Ohren gekommen ist, haben wir die Chefin der beiden zum Interview eingeladen. Daniela Frischkorn gehört zur Geschäftsführung der Unternehmensgruppe Frischkorn GmbH aus Ennepetal, ein Familienbetieb, der 1977 von Daniela Frischkorns Vater gegründet wurde und auf Lackierungen, Instandsetzungen von Karosserien und Industrielackierungen spezialisiert ist.

Frau Frischkorn, es geht um zwei ihrer Azubis: Amadou Keita und Kennedy Uwoghiren. Wollen Sie uns kurz erzählen was genau passiert ist?

Das kann ich gerne machen. Herr Keita ist über die SIHK Hagen zu uns gekommen, er hat 2015 das Programm absolviert, das die SIHK (Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen) ins Leben gerufen hatte um ausgewählte, engagierte Flüchtlinge erst mit achtmonatiger Ausbildung in Lehrwerkstätten und dann in der SIHK selbst auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, und sie dann zu vermitteln. Herr Uwoghiren kam über unsere eigene Initiative zu uns , die wir beim großen Fachkräftemangel 2014/2015 gestartet haben. Als dann die große Flüchtlingswelle kam und auch der Appell an den Mittelstand gerichtet worden ist, Leute einzustellen bzw. Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, haben wir selber die Initiative ergriffen und sind auf die Stadt Ennepetal zugegangen. So sind die beiden Herren zu uns gekommen . Und jetzt waren sie schon in der Ausbildung und es läuft auch alles soweit ganz gut. Herr Keita macht sich vorbildhaft, Herr Uwoghiren wurde im Januar sogar von der Belegschaft als bester Auszubildender 2016 gewählt. Anfang Februar saß dann zunächst Herr Keita auf einmal bei mir und hatte einen Abschiebebescheid in der Hand und keine fünf Tage später saß dann Herr Uwoghiren bei mir im Büro, auch ziemlich fix und fertig, und hatte auch den Abschiebebescheid in der Hand. Das war dann doch sehr dramatisch, vor allem weil Herr Keita eine vierwöchige Frist gesetzt bekommen hat, um zurück nach Mali auszureisen. Herr Uwoghiren, der erstmalig Asyl in Italien beantragt hat, hat sogar nur eine siebentägige Frist gehabt, um innerhalb von sieben Tagen wieder zurück nach Italien zu reisen, weil dieses das Erstaufnahmeland war. Das war für uns alle natürlich ein immenser Schock, und es musste sehr schnell und kompetent gehandelt werden. Da habe ich dann erst einmal geschaut, wie wir uns rechtlichen Rat einholen.

Als sie die beiden eingestellt haben, wussten sie da um das Risiko, dass der Asylantrag abgelehnt werde kann und sie die beiden demnach jederzeit als Azubis wieder verlieren können?

Klar, ein gewisses Risiko ist immer damit verbunden. Wir haben ja auch schon öfters Flüchtlinge eingestellt und ich habe leider auch schon einmal zwei verloren, die jetzt nicht als Auszubildende bei uns waren, sondern die in einem festen Arbeitsverhältnis standen. Das war in der Situation als der Kosovo 2016 als sicheres Herkunftsland eingestuft wurde und dann entsprechend die Leute ausgewiesen worden sind. Also mit festen Arbeitnehmern hatten wir schon Erfahrungen, was diese Situation angeht, allerdings sind Auszubildende ja eigentlich gesondert geschützt durch das Ausbildungsverhältnis. Und da war von Seiten der IHK, von unserer Seite und auch von Seiten der Stadt Ennepetal schon eine ziemlich hohe Gewissheit vorhanden, dass dort nicht das Risiko einer Abschiebung besteht.

Wie lange dauert die Bearbeitung eines Asylantrags? Wäre es nicht einfacher unter den Personen nach Arbeitskräften zu suchen, deren Antrag bereits genehmigt ist?

Da haben Sie vollkommen recht, das wäre viel einfacher. Man muss aber erklären: Es gibt verschiedene Prozesse, es gibt verschiedene Aufenthaltsstatus. die man haben kann, von der Aufenthaltsgestattung bis zu einer Duldung. Und die Duldung ist dann das, worauf wir jetzt hinauswollen. Wir wollen, dass eine Duldung besteht aufgrund des Ausbildungsverhältnisses. Als wir die Herren damals eingestellt hatten, lief das Asylverfahren noch, und da bestand noch der Status einer Aufenthaltsgestattung. Normalerweise kann man aufgrund des Ausbildungsverhältnisses relativ schnell eine Duldung erlangen. Aus irgendwelchen Gründen sind diese Informationen aber auf den verschiedenen Ebenen – so ein Asylverfahren läuft ja auf verschiedenen Ebenen, erst auf Bezirksebene, dann auf Landesebene usw. – irgendwie nicht weitergereicht worden. Die Information, dass die Herren sich bereits in einem Ausbildungsverhältnis befinden, kam nicht an, so dass dadurch dann relativ schnell Anfang 2017 der Abschiebebescheid kam. Weil auch von der Politik richtigerweise ein gewisser Druck ausgeübt worden ist, zu schauen, welche Leute jetzt ausgewiesen werden sollen, wurde das Asylverfahren komplett beschleunigt. Herr Uwoghiren und Herr Keita gehörten nun einmal zu denen, die den Abschiebungsbescheid bekamen.

Haben Sie etwas über die Geschichte der beiden Männer erfahren? Eine Flucht aus Afrika nach Europa ist schließlich kein Spaß, sondern lebensgefährlich. Diesen riskanten Weg beschreitet ein junger Mensch doch sicherlich nicht ohne triftigen Grund.

Ich kenne zumindest Herrn Keitas Hintergrund relativ ausführlich, weil er sehr dramatisch, auch schon öfters unter Tränen, seine Geschichte erzählt hat. In Mali wurde er von seinem Stamm verfolgt, sein Bruder wurde schon ermordet. Was da genau passierte, weiß ich jetzt nicht, obwohl sein Deutsch schon relativ gut ist. Allerdings ist es Fakt, dass er weiterhin in Mali von seinem Stamm verfolgt wird und auf ihn auch sozusagen die Todesstrafe steht. Und das ist genau das, warum er damals geflohen ist. Bei Herr Uwoghiren ist es so, dass eine politische Sache dahintersteckt. Eine politische Gruppierung hat sich gegen seine Familie gestellt und es wurde eine Verfolgung ausgesprochen. Deshalb ist er erst aus Afrika und dann auch aus Italien vor dieser politischen Organisation geflohen, die wohl auch in Italien zugegen ist, weil ihm von dieser Gruppe Verfolgung und Misshandlung droht und er, wie er selber formuliert, ich weiß jetzt nicht ob es stimmt, ihm auch in Italien der Tod erwarten würde.

Wie kann es zu einer Abschiebung kommen, wenn jemand so massiv bedroht wird und Angst um sein Leben hat? Kontrollieren das die deutschen Behörden nicht?

Das kann man jetzt so pauschal nicht sagen. Von unserer Seite her kann ich nicht sagen, woran das jetzt liegt. Ich mache mir sehr viel Arbeit und versuche mit allen Parteien darüber zu sprechen. Und darum kommuniziere ich das auch so viel, als Sprachrohr des Handwerks sozusagen. Das Asylrecht ist recht undurchsichtig, das muss man einfach sagen. Man muss sich als Arbeitgeber da einlesen und man muss sehr engagiert sein. Fakt ist auf jeden Fall: Ihnen steht aufgrund ihres Ausbildungsverhältnisses die Duldung zu und aus irgendwelchen Gründen, die ich wirklich nicht weiß, sind zwischen den einzelnen Instanzen, die über ein Asylverfahren entscheiden, diese Informationen nicht weitergereicht worden. Dadurch kam es zu dieser Abschiebung.

Und wo befinden sich die beiden jetzt, mussten sie bereits Deutschland verlassen?

Nein, mussten sie nicht, weil wir Klage eingereicht haben. Das ist ein gesondertes Verfahren, wodurch eine aufschiebende Wirkung der aktuellen Situation erwirkt worden ist. In dem Sinne ist jetzt alles sozusagen auf Eis gelegt und eine Zweitprüfung von uns beantragt worden . Die Prozesse laufen jetzt noch und aufgrund der Situation, dass tatsächlich ein Ausbildungsverhältnis besteht und die Herren auch sozial gesichert sind, stehen die Chancen sehr gut. Warum wir uns dafür einsetzen ist ganz klar: Wir haben einen ganz akuten Fachkräftemangel im Handwerk. Herr Keita wird Fahrzeuglackierer und Herr Uwohghiren wird Verfahrensmechaniker für Beschichtung. Das sind zwei Lehrberufe, die ich schon seit Jahren extrem schlecht besetzt bekomme, weil das Interesse der deutschen Schüler was das Handwerk oder Berufe mit körperlicher Betätigung angeht, mittlerweile sehr gering ausfällt. Gleichzeitig habe ich aber in meinem Unternehmen ein Umsatzwachstum und daher nicht nur den demographischen Wandel, wo mich ältere Mitarbeiter verlassen, sondern auch die Problematik, dass jüngere Mitarbeiter nicht vernünftig nachziehen. Daher bin ich im Endeffekt darauf angewiesen, dass so Herren wie Herr Keita und Herr Uwoghiren diese fehlenden Personen, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht zu finden sind, ersetzen. Beide legen eine enorme Motivation an den Tag, sie sind extrem fleißig, extrem vorbildhaft, was das Verhalten, die Pflichten und die Motivation angeht, so dass es wirklich eine ganz tolle Bereicherung ist mit diesen beiden Herren hier im Unternehmen zu arbeiten.

Diese Abschiebung ist nicht nur für die beiden Männer katastrophal, sondern sicherlich ist es auch für Ihren Betrieb schädigend, wenn kurzfristig zwei Arbeitskräfte wegfallen.

Ja, das würde natürlich einen Schaden verursachen. Ich habe natürlich auch meine Kunden, die ihre Aufträge bei uns platziert haben, die ich gerne erfüllen möchte. Und natürlich werde ich das irgendwie ausbügeln können und nicht viele Kunden wegen zwei Auszubildenden verlieren. Aber es kostet mich sehr viel Zeit, Mühe und Geld, um wieder Ersatz zu finden und auch diesen dementsprechend zu schulen und einzuarbeiten und auf den gleichen Wissens- und fachlichen Stand zu bringen wie Herrn Uwoghiren und Herrn Keita. Dementsprechend wäre das in dieser Hinsicht für uns schon sehr schade, gerade weil Herr Keita und Herr Uwoghiren eine extrem hohe Motivation, einen extrem hohen Fleiß und Wissensdurst hier an den Tag legen, die man leider Gottes auf dem deutschen Arbeitsmarkt bei den Schülern doch oft vermisst. Dementsprechend wäre es auch für unseren Teamgeist sehr schade, wenn die beiden Herren uns verlassen müssten.

Auf der einen Seite machen Sie „Werbung“ dafür, dass man keine Angst haben muss, einen Flüchtling einzustellen, der aus einem anderen Kulturkreis kommt, vielleicht unsere Sprache noch nicht spricht, oder noch nicht so gut spricht, und machen den Unternehmern Mut, sich zu trauen Flüchtlinge einzustellen. Auf der anderen Seite, wenn kurzfristig Asylanträge abgelehnt werden und die Arbeitskräfte Deutschland plötzlich verlassen müssen, hat das natürlich die gegenteilige Wirkung. Was ist denn Ihre Forderung an die deutsche Politik und die Regierung? Was muss sich ändern, damit so eine dramatische Geschichte wie mit Amadou Keita und Kennedy Uwoghiren sich nicht wiederholt?

Sie sagen, ich mache Werbung für diese Sache. Das möchte ich gerne etwas korrigieren. Wir haben auch Schwierigkeiten, Flüchtlinge zu integrieren. Wir haben versucht sieben Flüchtlinge bei uns zu integrieren und davon sind drei übrig geblieben. Diese drei sind wirklich hervorragend, da hat sich die Mühe gelohnt. Natürlich gibt es sehr viele Schwierigkeiten, die man überwinden muss, es kostet sehr viel Zeit und Geld. Das heißt, ich muss mich im Asylrecht einlesen, ich muss mich oft mit den Herren um Dokumente kümmern, ich muss teilweise mit ihnen zum Amt fahren, weil die deutsche Sprachbarriere da ist. Ich habe selber eine Deutschlehrerin für die Samstage engagiert, die nicht nur Deutsch lehrt, sondern auch Mathematik und Sozialkompetenz. Und sie bearbeitet auch die von Ihnen angesprochenen kulturellen Unterschiede im Unterricht. Das heißt, es handelt sich also um einen enormer zeitlichen und finanziellen Aufwand für mich als kleines Handwerksunternehmen, die Herren wirklich vernünftig zu integrieren. Das muss einem wirklich bewusst sein! Also ich möchte hier nicht Werbung dafür machen, ich möchte einfach nur klarmachen, dass es zumindest für Betriebe wie uns unumgänglich ist, diese neuen kreativen Wege zu gehen, damit wir auch in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich adäquate Mitarbeiter finden können. Mir bleibt im Endeffekt nichts anderes übrig als diese Maßnahmen zu ergreifen, die finanziell und zeitlich einen enormen Aufwand bedeuten, damit die Zukunft vom Unternehmen und damit die vorhandenen Arbeitsplätze, das betone ich ganz deutlich, gesichert werden können. Das ist sehr wichtig! Das heißt, ich gehe diesen Weg bewusst, um die vorhandenen Arbeitsplätze und die Fachkompetenz, die im Unternehmen ist, zu behalten. Und man muss auch aufpassen, dass es nicht zu viele Flüchtlinge werden. Ich habe jetzt im Augenblick drei Flüchtlinge bei mir bei insgesamt 110 Mitarbeitern. Das ist das Verhältnis. Das ist auch das, was man schafft, weil auch die Qualität, die Fachkompetenz und das Image des Unternehmens natürlich nicht darunter leiden dürfen. Wir sind kein Unternehmen, das nur Flüchtlinge beschäftigt, sondern wir geben jedem eine Chance, da ist uns im Endeffekt egal wo er herkommt. Wenn er sich gut integriert, vernünftige Leistung bringt und hervorragende Motivation an den Tag legt, dann ist es mir egal, ob dieser Mensch aus Berlin, aus Hamburg oder aus Schwelm oder aus Mali und Nigeria kommt.

Und welche Unterstützung würden Sie sich wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass man mehr zusammen spricht und einen gemeinsamen Konsens findet, der rechtlich in Ordnung ist,. Das ist nun einmal wichtig. Asylrecht ist sehr komplex. Und man muss auf der anderen Seite auch das Handwerk beziehungsweise unsere Wirtschaft verstehen. Und im Endeffekt braucht es eine Lösung für die Leute, die sich, wie zum Beispiel Herr Uwoghiren und Herr Keita, hier sozial extrem integrieren und eine enorme Anstrengung an den Tag legen, um hier auf dem deutschen Arbeitsmarkt anzukommen. Das sind Menschen, die das deutsche duale Ausbildungssystem, extrem zu schätzen wissen. Es wäre wichtig, dass solche Menschen doch bleiben dürfen, weil sie für unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft eine Bereicherung sind. Natürlich bin ich auch dafür, dass die Leute, die sich nicht integrieren, beziehungsweise keine gute Zukunft auf dem Arbeitsmarkt haben, in ein beschleunigtes Abschiebeverfahren kommen. Der SIHK und der Stadt Ennepetal war es zu dem Zeitpunkt 2015/2016 nicht bewusst, dass die Gefahr sehr hoch ist, dass die aktuellen Flüchtlinge abgeschoben werden können, gerade weil die Politik ein großes Signal an uns Unternehmer gesetzt hat, sie zu integrieren. Es gibt wenige Unternehmen, die so weit sind wie wir und die über eine Einstiegsqualifizierung oder ein Praktikum hinaus sind. Ich würde mir wünschen, dass man da besser informiert, dass man vielleicht schaut und die Leute, die tatsächlich schon eine Duldung haben, vorzieht. Und ich wünsche mir, dass man da tatsächlich vernünftiger unter den einzelnen Instanzen kommuniziert, um dann eine Duldung aufgrund einer Ausbildung vernünftig rechtlich in die Wege zu leiten. Ich meine damit, dass man sich tatsächlich zusammen mit Politik und Wirtschaft und vielleicht auch mit den Kammern an einen Tisch setzt und schaut, dass so etwas wie jetzt eben nicht passiert. Es ist natürlich ein sehr demotivierendes Signal, sowohl für uns als Unternehmen als auch für die SIHK, die damals dieses Flüchtlingsprogramm für teuer Geld in die Wege geleitet hat und sich dort sehr engagiert hat. Und natürlich auch für jeden einzelnen Menschen, der sich mit den Flüchtlingen und der Integration beschäftigt hat. Natürlich strengt man sich an, es ist einem ja auch bewusst, dass derjenige Deutschland wieder verlassen kann. Wenn die Integration allerdings funktioniert hat, das war ja das Ziel, so wie jetzt bei uns mit Herrn Keita und Herrn Uwoghiren, dann ist es natürlich sehr schade, wenn ausgerechnet die gehen müssen und andere, die vielleicht noch nicht integriert sind, bleiben dürfen. Wir haben zwei Flüchtlinge, die tatsächlich gewillt sind Deutsch zu lernen, die Zähne zusammenzubeißen, sich an die deutsche Kultur zu gewöhnen, die damit umgehen können, dass eine blonde Frau mit 30 oder 35 ihre Chefin ist, oder dass eine Deutschlehrerin mit 27 ihnen beibringt, wie die deutschen Verhältnisse sind. Das alles ist natürlich eine enorme Anstrengung, aber die sollte dann auch belohnt werden, indem sie dann bleiben dürfen.

Sie haben ja bestimmt einen Anwalt eingeschaltet. Wie sehen denn für Ihre beiden Azubis die Chancen aus hier bleiben zu dürfen?

Das kann ich hier an dieser Stelle absolut nicht beantworten, weil das jetzt nur vage Vermutungen sind. Ich würde sagen, dass es nicht zu schlecht und nicht zu gut aussieht. Aber eine Tendenz mitzuteilen, dafür sind wir viel zu früh am Anfang.

Dann bleibt uns nichts anderes, als fest die Daumen zu drücken, sowohl natürlich den beiden als auch Ihnen als Unternehmen. Wir hoffen natürlich, dass das ein gutes Ende nimmt und die beiden bei Ihnen bleiben dürfen.

Das finde ich sehr nett von Ihnen, danke. Ich muss noch ergänzen, dass Herr Uwoghiren hier mit Frau und Kind ist, er wird bald Vater in den nächsten paar Wochen, und für ihn wäre es natürlich auch sehr dramatisch, wenn er seine Frau und sein Kind hier in Deutschland lassen muss, und er nach Italien zurück muss, wo er niemanden kennt und ihm im Endeffekt erneut ein Asylverfahren droht. Man darf bei der ganzen Sache auch eines nicht vergessen: Es sind so viele Leute, die mit einem Asylverfahren beschäftigt sind. Das ganze dauert bei beiden Herren bereits zwei – zweieinhalb Jahre. Was das für enorme Kosten für den Staat und für die Wirtschaft sind! Und jetzt eine Abschiebung, die noch mehr Kosten verursachen würde; nach erfolgreicher Integration wieder Löcher hereinzureißen und ausgerechnet die, die integriert sind, wieder gehen zu lassen…

Das zeigt deutlich, dass alles noch nicht so reibungslos läuft, wie es laufen sollte. Wir wollen hoffen, dass sich das bessert, und darum finde ich es auch toll, dass Sie hier mit der Geschichte an die Öffentlichkeit gehen, dass wir miteinander sprechen können, diskutieren können, gemeinsam Lösungen finden können, und wollen wir hoffen, dass wir das schaffen. Ich danke Ihnen ganz herzlich für das Interview, und natürlich werden wir darüber berichten, was aus Amadou Keita und Kennedy Uwoghiren geworden ist.

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