Interview mit Firat Demirhan

Der Artikel „INTERVIEW MIT FIRAT DEMIRHAN – Wir fahren immer noch mit dem Opel Tigra durch den EN-Kreis!“ erschien in der EN-Aktuell April/Mai 2016. In der Zeitschrift ist nur ein gekürzter Teil des Interviews zu lesen. Das komplette, ungekürzte Interview finden Sie hier – zum anhören oder lesen..

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Welche Farbe hat Firats berühmter Opel Tigra?

A) Grün
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INTERVIEW MIT FIRAT DEMIRHAN

„Wir fahren immer noch mit dem Opel Tigra durch den EN-Kreis!“

Firat Demirhan wurde 2015 mit der »längsten und geilsten Autoanzeige der Welt« bekannt, tingelte durch das deutsche Fernsehen und war zu Gast bei TV-Stars wie Stefan Raab oder Markus Lanz. Nun hat Firat Demirhan ein sehr unterhaltsame, humorvolles und emotionales Buch geschrieben. Anekdoten aus seinem Leben, die bewegen. Heute lebt er mit seiner Frau Joanna, seiner Tochter Olivia und dem grünen Opel Tigra in Wetter an der Ruhr. Wir freuen uns, dass wir den sympathischen Opel-Tigra-Besitzer und Autor für ein Interview gewinnen konnten.

Tigra-Selfie

Anfang letzten Jahres hast Du in Deutschland einige Berühmtheit erlangt. Wenn Dich heute – zum Beispiel morgens beim Bäcker – jemand anspricht mit den Worten „Irgendwoher kenne ich Dich!“ – Was antwortest Du dann?

Ich muss meistens erstmal verschmitzt lächeln und dann bin ich ganz ehrlich und sage: „Das ist gut möglich, das kann sein!“. Meistens erkennt man mich aber nicht nur durch das mich Ansehen, sondern wenn ich in meinem Auto sitze. Ich habe den Opel Tigra immer noch, um den es ging und wenn man mich in Verbindung mit dem Tigra sieht, dann geht den meisten ein Lichtlein auf.

Es sind also nicht Deine Hosenträger mit denen Du auffällst?

Es ist eher das Auto, das auffällt, nicht die Hosenträger und auch nicht meine Person. (lacht) Ich glaube, ich werde einfach mit dem grünen Opel Tigra assoziiert.

Der Stern titelte damals „Die längste und geilste Auto-Anzeige der Welt“. Warum glaubst Du entstand so ein Hype um Deine Anzeige auf eBay?

Das ist eine sehr gute Frage. Die Frage wurde mir auch schon öfter gestellt. Und ich muss gestehen, dass ich darauf jetzt auch nicht unbedingt die passende Antwort habe. Was ich sehr interessant fand: Es gab einige Werbeagenturen, die haben versucht den Hype zu analysieren. Und haben versucht Gründe zu finden, warum es so durch die Decke ging. Und ein Unternehmen hatte das an drei Gründen festgemacht. Der erste Punkt ist wohl meine Ehrlichkeit. Dass ich eben genau das Gegenteil von dem gemacht habe, was man normalerweise machen sollte, wenn man ein Auto verkaufen will: Sein Auto im besten Licht erstrahlen lassen. Und ich habe es eben genau umgekehrt gemacht. Ich habe geschrieben, dass der Zahn der Zeit natürlich auch an meinem Auto nagt und dass es viele Macken hat. Das habe ich ganz ehrlich reingeschrieben. Das ist der erste Punkt. Der zweite Punkt war Humor. Humor kommt immer bei den Menschen an. Wobei ich eigentlich nur meinen Alltag und mein Leben beschrieben habe, ein bißchen süffisant und ein bißchen überspitzt an manchen Punkten. Und der dritte Punkt ist, dass ich in dieser Anzeige zwar auch sehr gerne über meine Frau herziehe – damals sind wir noch verlobt gewesen – aber ich mich gleichzeitig auch selbst aufs Korn nehme, mich da nicht auslasse, beschreibe, dass auch ich in jedes Fettnäpfen trete und das auch offen und ehrlich zugebe. Das waren so die drei Punkte, die begründen, warum das so durch die Decke gegangen ist. Das war auch für mich sehr interessant zu lesen.

Deine Anzeige brachte Dir sogar eine Einladung zu TV Total ein. Wie war das? Hat Dich Stefan Raab damals persönlich angerufen und gefragt, ob Du kommen willst?

Damals hat sich die Redaktion bei mir gemeldet und mich in die Sendung eingeladen. Mit dem Auto. Eigentlich sollte ich neben Stefan Raab auf der Couch sitzen und acht Minuten lang über die Anzeige sprechen. Letztendlich ist es darauf hinausgelaufen, dass ich mit dem Auto in die Sendung gekommen bin und der Herr Raab dann minutenlang das Auto schlecht machen konnte. Gut, dass der Wagen siebzehn Jahre alt ist und so viele Macken hat, ist ja nichts besonderes. Es ging ja um die Geschichte, die dahinter steht. Letztendlich war es trotzdem eine tolle und grandiose Erfahrung. Normalerweise sitzt man vor dem Fernseher und schaut sich die Sendung an und auf einmal ist man selbst Bestandteil der Sendung. Man steht hinter den Kulissen, wenn man angesagt wird. Man merkt innerlich wie die Schweißproduktion steigt und den ganzen Körper überschwemmt. Ich hatte mein hellblaues Hemd extra erst kurz vor dem Auftritt angezogen. Du weißt, wenn man schwitzt, welch schöne Flecken das gibt! Wegrennen konnte ich dann auch nicht, das wäre auch peinlich gewesen. Deswegen habe ich es einfach auf mich zukommen lassen. Ich habe keine Sätze im Kopf gehabt, sondern alles auf mich zukommen lassen. Ich bin ja nicht der Show-Master, ich muss ja nicht die Show machen, ich bin nur Gast der Sendung! Es war eine tolle Erfahrung!

Wie ist Stefan Raab? Ist er so, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt?

Der erste Eindruck von ihm war, dass er größer ist als ich dachte. Er ist einen Kopf größer als ich! Ich muss sagen: Er ist ein absoluter Profi. Dementsprechend war dann auch die Begrüßung und die Vorbereitung. Vor seiner Show begrüßt der Moderator seine Gäste natürlich. Und seine Devise war: Nicht groß rumreden, nicht viel Pulver verschießen, sonst bleibt nichts mehr für die Sendung. Dementsprechend kurz war auch die Begrüßung. Man merkt, dass das ein Profi durch und durch ist.

lanz

Und wie war es bei Markus Lanz zu sitzen? Warst Du aufgeregt?

Komischerweise war ich bei Markus Lanz noch aufgeregter. Unter anderem auch aufgrund der Tatsache, dass ich Herrn Lanz persönlich sehr mag. Ich weiß, dass nicht viele Menschen in Deutschland diese Meinung teilen, aber es ist nunmal so. Einerseits habe ich mich sehr auf Markus Lanz gefreut. Andererseits ist auch Robert Atzorn als Gast dort gewesen und Gregor Meyle. Und das sind Menschen, die ich bewundere. Man liest ständig über diese Menschen und sieht sie im Fernsehen und dann sitzt man in einer solchen Runde mit denen zusammen! Nachdem die Sendung vorbei war, bekommt man dann ein Kompliment von Robert Atzorn und er klopft einen auf die Schulter und sagt, dass er viel gelacht hätte. Und Gregor Meyle hat mich sogar gefragt, ob ich zufällig das Buch dabei hätte, was ich natürlich bejaht habe. Und er fragte mich, ob er ein signiertes Exemplar kriegen könnte. Das ist für so einen „Normalo“ wie mich aus Wetter an der Ruhr natürlich toll!

Zurück zu Deiner eBay-Anzeige. Die wurde ja über eine Millionen Mal geklickt…

Sogar mehr als eine Million! Ich hatte die eBay-Anzeige drin und kurz bevor die Aktion beendet war, hat eBay die Anzeige herausgenommen, weil sich wirklich User beschwerten, dass ich zu viel geschrieben hätte. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es schon fast eine halbe Million Aufrufe. Genau an dem Tag hatte ich einen Medienmarathon bei mir zu Hause mit Boulevardzeitungen, der Lokalpresse und der überregionalen Presse, und man munkelt, aufgrund des medialen Drucks habe eBay die Anzeige wieder neu reingestellt. Doch man musste die Auktion komplett wieder von vorne beginnen lassen. Alle Gebote und Klickzahlen waren weg und die Anzeige lief wieder sieben Tage lang. Und das waren dann auch nochmal knapp eine Million Aufrufe, also waren es insgesamt fast 1,5 Millionen Aufrufe. Unfassbar hoch! Das war aber wahrscheinlich auch, weil viele Menschen sehen wollten, wie hoch der Preis stieg, das muss man natürlich auch sehen.

Das Höchstgebot lag bei über 55.000 Euro, trotzdem gelang es Dir nicht Deinen geliebten Tigra zu verkaufen. Warum nicht?

Jeder normale Mensch weiß, dass 55.750 Euro nicht den wahren Wert des Autos widerspiegeln. Der Wagen hat einen Wert von 600-700 Euro. Es war, wie viele es befürchtet haben, ein Spaßbieter. Er hatte sich neu bei eBay angemeldet mit komplett falschen Angaben, obwohl das Auktionshaus immer sagt, dass dies nicht möglich wäre.

Das heißt, Du fährst heute noch mit Deinem Opel Tigra?

Genau, wir fahren immer noch mit dem Opel Tigra hier durch den Ennepe-Ruhr-Kreis! Und ich muss leider Gottes gestehen, dass meine Frau Recht hatte. Es ist unfassbar schwierig mit einem solchen Sportcoupé, also mit einem 3-Türer, die Kleine jedes mal auf die Rückbank zu setzen. Ich mache den Kofferraum auf und bugsiere sie quasi durch den Kofferraum zu meiner Frau auf die Rückbank. Menschen, die uns dabei beobachten, lachen sich immer kaputt.

Du wurdest 1985 in Hagen geboren und lebst nun in Wetter.

Richtig.

In Deiner eBay-Anzeige kam Deine Heimatstadt nicht gerade gut weg – außer dass die weltberühmte Sängerin Nena von dort kommt – fielen Dir keine positiven Worte zu Deiner Heimatstadt ein.

Foto: Anne Kurras

Foto: Anne Kurras

Findest Du Hagen wirklich so furchtbar, dass Du Dein Kind dort nicht aufwachsen lassen willst und deshalb in den EN-Kreis gezogen bist?

Ein bißchen. Also jeder der in die Zeitung schaut weiß, dass die Stadt Hagen viele Probleme hat. Wie übrigens viele Städte in der Umgebung. Es ist kein Wunder, dass Hagen immer wieder im Schwarzbuch der Steuerzahler auftaucht, weil sie mal wieder ein paar Millionen in den Sand gesetzt haben. Wir hatten das Pech, das wir in Hagen im Stadtteil Wehringhausen gewohnt haben. Ich sage immer Naturschutzgebiet Wehringhausen, weil man schon um 14 Uhr das Licht zu Hause anmachen muss, weil man in einer Straße wohnt, wo Haus an Haus steht. Und die Kinder spielen zwischen parkenden Autos Fußball. Deswegen war es für uns klar, dass wir dort wieder wegziehen. Ich bin in Ennepetal aufgewachsen und habe auch auf dem Reichenbach-Gymnasium mein Abitur gemacht. Für mich war eigentlich immer klar, dass wir in den Ennepe-Ruhr-Kreis zurückgehen. Und wir haben dann irgendwann eine schöne Wohnung in Wetter gefunden, schön im Grünen. Also komplett das Gegenteil wie wir in Hagen gewohnt haben. Wenn man die Kleine jetzt aufwachsen sieht, ist das natürlich die perfekte Umgebung für sie.

Du beschreibst Nena als eine Sängerin, bei der man ständig denkt, sie sei bekifft, wenn sie den Mund aufmacht. Kennst Du Dich denn mit Kiffen aus?

Wir haben das mal in der Schule behandelt. Ich weiß nicht mehr in welchem Fach das war, es ging darum wie Cannabis auf den Körper wirkt, ich meine so etwas in Erinnerung zu haben, deswegen meine ich das so zu wissen.

Also keine praktischen Erfahrungen?

Nein, keine praktischen Erfahrungen, nur das, was ich in der Schule gelernt habe. (lacht)

Du wurdest sowohl von Stefan Raab als auch von vielen anderen Menschen immer wieder gefragt, ob Du nun ein Buch schreiben willst. Und genau das hast Du inzwischen getan!

Fiel es Dir denn leicht 264 Seiten mit Deinen Geschichten und Anekdoten zu füllen? Ging Dir das genauso leicht von der Feder wie die eBay-Anzeige?

Jein. Wie Du schon vorhin gesagt hast, viele baten mich ein Buch zu schreiben. Und weil ich zuvor viel über meine Familie geschrieben habe, über den Alltag mit meiner Frau und die Schwangerschaft, da habe ich einfach mal fünf oder sechs Kapitel geschrieben und habe das dann an die Verlage geschickt. Und tatsächlich gab es einen Verlag in Berlin, der dann gesagt hat: „Alles klar, das liest sich gut! Wir würden gerne das Buch machen. Aber es muss innerhalb der nächsten sechs Wochen geschrieben werden, damit das Buch pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erscheint.“.

Sechs Wochen?!!?

Ja… (lacht) Und dann stand ich da! Es ist eh nicht einfach zu Hause mit einer hochschwangeren Frau und dann soll man mal eben in sechs Wochen ein Buch schreiben! Das war eine Möglichkeit, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. Also habe ich mich hingesetzt. Die Problematik bestand dann darin, dass der Verlag natürlich wissen wollte, worum es in dem Buch geht. „Sei so lieb und schreib uns mal eine Inhaltsübersicht.“ hieß es. Und ich wußte nicht, was ich schreiben sollte! Manchmal setze ich mich einfach an den Laptop und dann ergeben sich die Geschichten. Genauso war es auch mit der eBay-Anzeige. Und nun hatte ich so Probleme ein Inhaltsverzeichnis anzugeben! Letztendlich haben wir uns dann geeinigt, dass ich nur die Themen angebe, die ich in dem Buch behandeln werde. Das war unser Kompromiss. Und ich habe das Buch dann quasi über Nacht geschrieben. Ich hatte ganz normal den Alltag mit einer hochschwangeren Frau und abends
hab ich mich dann an meinen Ecktisch gesetzt, an dem ich auch diese kultige eBay-Anzeige geschrieben hab, und habe dann die Nächte durchgeschrieben. Was krass ist: das komplette Manuskript sollte bis zum 6. August beim Verlag sein. Am 6. August habe ich dann noch meinen dreißigsten Geburtstag gefeiert, hab an meinem Geburtstag noch die Danksagungen geschrieben und in der Nacht vom sechsten auf den siebten August ist dann Olivia auf die Welt gekommen. So nach dem Motto: „Papa, jetzt bist Du fertig, jetzt kannst Du Dich um mich kümmern!“. (lacht) Letztendlich ist es so unglaublich schön, etwas hinterlassen zu haben. Als der Karton mit den Büchern gekommen ist, habe ich das erste Exemplar herausgenommen, habe für meine Kleine eine Widmung geschrieben, die sie später lesen kann, wenn sie mal größer ist, und das macht einen unglaublich demütig. Das Wort Demut beschreibt es, glaube ich, am treffendsten.

Toll, dass Du das unter diesen Bedingungen geschafft hast!

Ja, ich weiß auch nicht, wie ich es geschafft habe. Das würde ich auch kein zweites Mal schaffen. Ich weiß gar nicht, wie viel Kaffee ich getrunken habe. Aber gut, ich hatte keine andere Wahl! Ich musste bis zum sechsten August fertig sein und ich frage mich immer noch, genauso meine Frau, meine Freunde und meine Familie, wie ich das in sechs Wochen geschafft habe. Um so schöner sind dann die Rückmeldungen, die man erhält oder die man im Internet liest.

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Foto: Anne Kurras

Dein Buch besteht aus lauter Anekdoten aus Deinem Leben. Haben die Menschen aus Deinem Umfeld denn gar kein Problem damit, dass Du so offen über sie schreibst?

Ich glaube, im ersten Moment haben mich alle gefragt: „Das kannst Du doch nicht schreiben?! Das ist doch komplett peinlich!“. Aber ich habe den Menschen, nachdem ich die ersten Kapitel geschrieben habe, die Kapitel auch zugesendet. Damit sie sich vorstellen konnten, wie ich schreibe und ich meine das ja niemals böswillig! Ich ziehe zwar alle durch den Kakao, nehme mich da aber auch nicht aus. Und am Ende war es sogar so, dass die Leute mich baten: „Schreib bitte auch über mich in Deinem Buch!“. Das war dann so, dass ich noch versucht habe zu überlegen, wie kann ich den Cousin oder den Freund noch in das Buch reinpacken, weil er unbedingt wollte. Deswegen hat sich das eigentlich ganz schnell gelegt.

Und keiner hat um Änderungen oder Korrekturen gebeten?

Nein, komischerweise nicht. Außerdem ist es ja eine Autobiografie. Ich schreibe ja, wie ich die Sachen für mich empfunden habe. Deswegen ist es meine exklusive Meinung und wenn da jemand nicht zufrieden ist, können wir das ausdiskutieren, aber ich hätte trotzdem das Manuskript nicht geändert.

Konsequent.

Ja, das muss man auch sein, glaube ich.

Bei der Recherche zu der Frage welchen Beruf Du ausübst, kam eine lange Liste an Tätigkeiten heraus. Also Firat, wie verdienst Du Deine Brötchen? Als Schriftsteller und Dein nächstes Buch ist bereits in Planung? Oder hast Du inzwischen vielleicht eine Hauptrolle in einem Film ergattert? Statt im Film „Manta Manta“ in „Tigra Tigra“? Bist Du tatsächlicher Schließer im Knast oder bist Du vielleicht inzwischen Profi-eBayer oder Autohändler?

Es ist so – und das überrascht auch die meisten Menschen, wenn sie das hören – : ich bin wirklich Justizvollzugsbeamter. Das ist der Beruf, den ich erlernt habe. Klar, man schreibt auch im Knast Stellungnahmen über die Gefangenen, aber letztendlich hat mein Beruf jetzt wenig mit dem eines Autors gemeinsam. Und überraschend war es auch für mein neues Umfeld zu hören, dass ich Vollzugsbeamter bin. Im Nachhinein… ich hatte fast immer gute Noten in Deutsch, hätte aber niemals gedacht, dass ich Menschen erreichen kann mit dem was ich schreibe. Klar, ich habe ein Buch geschrieben, ich bin ein Autor, aber ich tue mich schwer damit mich einen Autor zu nennen. Mein Buch, das war eine Art Tagebuch, ich habe da einmal komplett über mein Leben geschrieben. Trotzdem ist es schön so betitelt zu werden. Zumal ich beispielsweise letzte Woche einen Brief bekam von einer Autorschaft aus Wetter. Es gibt wohl ein Buch über Autoren aus Wetter, angefangen von Henriette Davidis, die bekannteste Kochbuchschreiberin – und ich soll mit aufgenommen werden in das Buch. Mit Verleihung, Presse, etc. Da denkt man sich auch: „Wow!“ Das ist eine große Ehre für mich! Und ich blogge ja auch über das Vaterwerden. Ich betrachte manchmal so die Welt durch meine Augen, lasse Menschen daran teilhaben und ich merke dann, es gibt Feedback darauf. Ich bekomme Resonanz, meine Texte werden oft geteilt und das ist ein schönes Gefühl.
Jetzt habe ich die Frage gar nicht beantwortet. (lacht) Also, ich bin Justizvollzugsbeamter und habe in meinem Leben glaube ich schon jeden Job einmal gemacht. Angefangen vom Wurstverkäufer über den Pizza-Lieferanten bis hin zum Kassierer bei der Drogeriemarkt-Kette und Kellner. Ich habe alles schon mal ausprobiert. Wenn man gerne mit Freunden unterwegs ist, das ein oder andere Mal gerne ins Stadion fährt, dann muss das eben auch finanziert werden.

Also aktuell bist Du ein Justizvollzugsbeamter, der bloggt und Bücher schreibt.

Ja, genau so ist es.

Stimmt es, dass Du auch für Deinen Lieblingsverein, den VfL Bochum schreibst?

Richtig. Ich darf sogar nicht nur über sondern für den VfL Bochum schreiben. Das ist eine große
Ehre für mich für meinem Verein zu schreiben, der mir so viel gegeben hat. Man muss dazu sagen, ich bin wirklich ein kleiner VfL-Bochum-Fanatiker. Und da ist es natürlich schön dem Verein auch etwas zurückgeben zu können. Das begann als ich bei TV Total in der Show war. Auf meinem Auto ist dem Pressesprecher des VfL Bochum der VfL-Bochum-Aufkleber am Heck aufgefallen. Und er hat sich dann ein wenig schlau gemacht und recherchiert und schließlich festgestellt: „Ach, der Junge ist ein Bochum-Fan!“. Wir haben uns getroffen und er hat mich dann sofort gefragt, ob ich Lust hätte für den VfL Bochum zu schreiben als Kolumnist für die Stadien- und für die Mitglieder- Zeitschrift. Ich habe ihm dann ein paar Sachen zugeschickt, damit er einen Eindruck bekommt und direkt mit dem ersten Entwurf gab es schon ein: „Ok, alles klar, das machen wir so!“. Wieder eine große Ehre, die mir zuteil wurde. Das ist natürlich schön, wenn man das kombinieren kann: das Schreiben, was mir viel Spaß macht mit meiner Leidenschaft, dem VfL Bochum.

Und wo kann man Deine Kolumnen lesen?

Die Kolumnen erscheinen zu jedem Heimspiel im Stadion, darüber hinaus kann man die Kolumnen auch online abrufen. Entweder beim VfL Bochum oder auf meiner eigenen Internetseite.

Und Deine Internetseite heißt…

(lacht) www.firat-demirhan.de

Wenn Babygeschrei, Ehefrau und Medienfuzzis wie ich Dir zu viel werden und Du Ruhe suchst: hast Du einen Tipp wo sich im EN-Kreis ein besonderer Ort der Ruhe und Entspannung finden lässt?

Wenn ich wirklich mal abschalten muss, dann setze ich mich meistens in meinen Tigra. Ich bin in Ennepetal Hasperbach aufgewachsen und meistens – das habe ich auch in meinem Buch beschrieben – fahre ich von Hasperbach Richtung Voerde. Und dort gehe ich gerne an der Haspertalsperre spazieren. Das ist meine Art abzuschalten. Leider ist das in letzter Zeit etwas schwieriger, weil meine Tochter Olivia jetzt acht Monate alt wird. Und so finde ich derzeit meine Entspannung, wenn ich mit ihr spazieren gehe. Dann aber hier in Wetter, hier gibt es auch richtig viele schöne Ecken. Ich muss nur darauf achten, dass diese fußläufig erreichbar sind, denn Olivia mit dem Tigra befördern geht wirklich nur sehr schlecht.

Vielen Dank für das Interview!

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