Interview mit Firat Demirhan

Interview mit Firat Demirhan

­čĽô Lesezeit circa 14 Minuten

Der Artikel „INTERVIEW MIT FIRAT DEMIRHAN┬á– Wir fahren immer noch mit dem Opel Tigra durch den EN-Kreis!“ erschien in der EN-Aktuell April/Mai 2016. In der Zeitschrift┬áist nur ein gek├╝rzter┬áTeil des Interviews zu lesen. Das komplette, ungek├╝rzte┬áInterview finden Sie hier – zum anh├Âren oder lesen..

Das┬áInterview anh├Âren statt lesen

Sie┬ám├Âchten dem Interview lieber lauschen statt es zu lesen? Kein┬áProblem, hier k├Ânnen Sie sich das Interview anh├Âren:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerkl├Ąrung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

GEWINNSPIEL

Gewinnen Sie eine signierte Ausgabe des Buches ÔÇ×Firat, das Auto muss wegÔÇť von Firat Demirhan!

Welche Farbe hat Firats ber├╝hmter Opel Tigra?

A) Gr├╝n
B) Rot
C) Schwarz

Schicken Sie uns die richtige Antwort an┬áaktion@en-aktuell.com oder schreiben Sie die richtige Antwort als Kommentar unter diesen Beitrag – und nehmen Sie damit┬áan der Verlosung teil. Teilnahmeschluss┬áist der 22. Mai 2016. Viel Gl├╝ck!

INTERVIEW MIT FIRAT DEMIRHAN

„Wir fahren immer noch mit dem Opel Tigra durch den EN-Kreis!“

Firat Demirhan wurde 2015 mit der ┬╗l├Ąngsten und geilsten Autoanzeige der Welt┬ź bekannt, tingelte durch das deutsche Fernsehen und war zu Gast bei TV-Stars wie Stefan Raab oder Markus Lanz. Nun hat Firat Demirhan ein sehr unterhaltsame, humorvolles und emotionales Buch geschrieben. Anekdoten aus seinem Leben, die bewegen. Heute lebt er mit seiner Frau Joanna, seiner Tochter Olivia und dem gr├╝nen Opel Tigra in Wetter an der Ruhr. Wir freuen uns, dass wir den sympathischen Opel-Tigra-Besitzer und Autor f├╝r ein Interview gewinnen konnten.

Tigra-Selfie

Anfang letzten Jahres hast Du in Deutschland einige Ber├╝hmtheit erlangt. Wenn Dich heute – zum Beispiel morgens beim B├Ącker – jemand anspricht mit den Worten ÔÇ×Irgendwoher kenne ich Dich!ÔÇť – Was antwortest Du dann?

Ich muss meistens erstmal verschmitzt l├Ącheln und dann bin ich ganz ehrlich und sage: ÔÇ×Das ist gut m├Âglich, das kann sein!ÔÇť. Meistens erkennt man mich aber nicht nur durch das mich Ansehen, sondern wenn ich in meinem Auto sitze. Ich habe den Opel Tigra immer noch, um den es ging und wenn man mich in Verbindung mit dem Tigra sieht, dann geht den meisten ein Lichtlein auf.

Es sind also nicht Deine Hosentr├Ąger mit denen Du auff├Ąllst?

Es ist eher das Auto, das auff├Ąllt, nicht die Hosentr├Ąger und auch nicht meine Person. (lacht) Ich glaube, ich werde einfach mit dem gr├╝nen Opel Tigra assoziiert.

Der Stern titelte damals ÔÇ×Die l├Ąngste und geilste Auto-Anzeige der WeltÔÇť. Warum glaubst Du entstand so ein Hype um Deine Anzeige auf eBay?

Das ist eine sehr gute Frage. Die Frage wurde mir auch schon ├Âfter gestellt. Und ich muss gestehen, dass ich darauf jetzt auch nicht unbedingt die passende Antwort habe. Was ich sehr interessant fand: Es gab einige Werbeagenturen, die haben versucht den Hype zu analysieren. Und haben versucht Gr├╝nde zu finden, warum es so durch die Decke ging. Und ein Unternehmen hatte das an drei Gr├╝nden festgemacht. Der erste Punkt ist wohl meine Ehrlichkeit. Dass ich eben genau das Gegenteil von dem gemacht habe, was man normalerweise machen sollte, wenn man ein Auto verkaufen will: Sein Auto im besten Licht erstrahlen lassen. Und ich habe es eben genau umgekehrt gemacht. Ich habe geschrieben, dass der Zahn der Zeit nat├╝rlich auch an meinem Auto nagt und dass es viele Macken hat. Das habe ich ganz ehrlich reingeschrieben. Das ist der erste Punkt. Der zweite Punkt war Humor. Humor kommt immer bei den Menschen an. Wobei ich eigentlich nur meinen Alltag und mein Leben beschrieben habe, ein bi├čchen s├╝ffisant und ein bi├čchen ├╝berspitzt an manchen Punkten. Und der dritte Punkt ist, dass ich in dieser Anzeige zwar auch sehr gerne ├╝ber meine Frau herziehe – damals sind wir noch verlobt gewesen – aber ich mich gleichzeitig auch selbst aufs Korn nehme, mich da nicht auslasse, beschreibe, dass auch ich in jedes Fettn├Ąpfen trete und das auch offen und ehrlich zugebe. Das waren so die drei Punkte, die begr├╝nden, warum das so durch die Decke gegangen ist. Das war auch f├╝r mich sehr interessant zu lesen.

Deine Anzeige brachte Dir sogar eine Einladung zu TV Total ein. Wie war das? Hat Dich Stefan Raab damals pers├Ânlich angerufen und gefragt, ob Du kommen willst?

Damals hat sich die Redaktion bei mir gemeldet und mich in die Sendung eingeladen. Mit dem Auto. Eigentlich sollte ich neben Stefan Raab auf der Couch sitzen und acht Minuten lang ├╝ber die Anzeige sprechen. Letztendlich ist es darauf hinausgelaufen, dass ich mit dem Auto in die Sendung gekommen bin und der Herr Raab dann minutenlang das Auto schlecht machen konnte. Gut, dass der Wagen siebzehn Jahre alt ist und so viele Macken hat, ist ja nichts besonderes. Es ging ja um die Geschichte, die dahinter steht. Letztendlich war es trotzdem eine tolle und grandiose Erfahrung. Normalerweise sitzt man vor dem Fernseher und schaut sich die Sendung an und auf einmal ist man selbst Bestandteil der Sendung. Man steht hinter den Kulissen, wenn man angesagt wird. Man merkt innerlich wie die Schwei├čproduktion steigt und den ganzen K├Ârper ├╝berschwemmt. Ich hatte mein hellblaues Hemd extra erst kurz vor dem Auftritt angezogen. Du wei├čt, wenn man schwitzt, welch sch├Âne Flecken das gibt! Wegrennen konnte ich dann auch nicht, das w├Ąre auch peinlich gewesen. Deswegen habe ich es einfach auf mich zukommen lassen. Ich habe keine S├Ątze im Kopf gehabt, sondern alles auf mich zukommen lassen. Ich bin ja nicht der Show-Master, ich muss ja nicht die Show machen, ich bin nur Gast der Sendung! Es war eine tolle Erfahrung!

Wie ist Stefan Raab? Ist er so, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt?

Der erste Eindruck von ihm war, dass er gr├Â├čer ist als ich dachte. Er ist einen Kopf gr├Â├čer als ich! Ich muss sagen: Er ist ein absoluter Profi. Dementsprechend war dann auch die Begr├╝├čung und die Vorbereitung. Vor seiner Show begr├╝├čt der Moderator seine G├Ąste nat├╝rlich. Und seine Devise war: Nicht gro├č rumreden, nicht viel Pulver verschie├čen, sonst bleibt nichts mehr f├╝r die Sendung. Dementsprechend kurz war auch die Begr├╝├čung. Man merkt, dass das ein Profi durch und durch ist.

lanz

Und wie war es bei Markus Lanz zu sitzen? Warst Du aufgeregt?

Komischerweise war ich bei Markus Lanz noch aufgeregter. Unter anderem auch aufgrund der Tatsache, dass ich Herrn Lanz pers├Ânlich sehr mag. Ich wei├č, dass nicht viele Menschen in Deutschland diese Meinung teilen, aber es ist nunmal so. Einerseits habe ich mich sehr auf Markus Lanz gefreut. Andererseits ist auch Robert Atzorn als Gast dort gewesen und Gregor Meyle. Und das sind Menschen, die ich bewundere. Man liest st├Ąndig ├╝ber diese Menschen und sieht sie im Fernsehen und dann sitzt man in einer solchen Runde mit denen zusammen! Nachdem die Sendung vorbei war, bekommt man dann ein Kompliment von Robert Atzorn und er klopft einen auf die Schulter und sagt, dass er viel gelacht h├Ątte. Und Gregor Meyle hat mich sogar gefragt, ob ich zuf├Ąllig das Buch dabei h├Ątte, was ich nat├╝rlich bejaht habe. Und er fragte mich, ob er ein signiertes Exemplar kriegen k├Ânnte. Das ist f├╝r so einen ÔÇ×NormaloÔÇť wie mich aus Wetter an der Ruhr nat├╝rlich toll!

Zur├╝ck zu Deiner eBay-Anzeige. Die wurde ja ├╝ber eine Millionen Mal geklickt…

Sogar mehr als eine Million! Ich hatte die eBay-Anzeige drin und kurz bevor die Aktion beendet war, hat eBay die Anzeige herausgenommen, weil sich wirklich User beschwerten, dass ich zu viel geschrieben h├Ątte. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es schon fast eine halbe Million Aufrufe. Genau an dem Tag hatte ich einen Medienmarathon bei mir zu Hause mit Boulevardzeitungen, der Lokalpresse und der ├╝berregionalen Presse, und man munkelt, aufgrund des medialen Drucks habe eBay die Anzeige wieder neu reingestellt. Doch man musste die Auktion komplett wieder von vorne beginnen lassen. Alle Gebote und Klickzahlen waren weg und die Anzeige lief wieder sieben Tage lang. Und das waren dann auch nochmal knapp eine Million Aufrufe, also waren es insgesamt fast 1,5 Millionen Aufrufe. Unfassbar hoch! Das war aber wahrscheinlich auch, weil viele Menschen sehen wollten, wie hoch der Preis stieg, das muss man nat├╝rlich auch sehen.

Das H├Âchstgebot lag bei ├╝ber 55.000 Euro, trotzdem gelang es Dir nicht Deinen geliebten Tigra zu verkaufen. Warum nicht?

Jeder normale Mensch wei├č, dass 55.750 Euro nicht den wahren Wert des Autos widerspiegeln. Der Wagen hat einen Wert von 600-700 Euro. Es war, wie viele es bef├╝rchtet haben, ein Spa├čbieter. Er hatte sich neu bei eBay angemeldet mit komplett falschen Angaben, obwohl das Auktionshaus immer sagt, dass dies nicht m├Âglich w├Ąre.

Das hei├čt, Du f├Ąhrst heute noch mit Deinem Opel Tigra?

Genau, wir fahren immer noch mit dem Opel Tigra hier durch den Ennepe-Ruhr-Kreis! Und ich muss leider Gottes gestehen, dass meine Frau Recht hatte. Es ist unfassbar schwierig mit einem solchen Sportcoup├ę, also mit einem 3-T├╝rer, die Kleine jedes mal auf die R├╝ckbank zu setzen. Ich mache den Kofferraum auf und bugsiere sie quasi durch den Kofferraum zu meiner Frau auf die R├╝ckbank. Menschen, die uns dabei beobachten, lachen sich immer kaputt.

Du wurdest 1985 in Hagen geboren und lebst nun in Wetter.

Richtig.

In Deiner eBay-Anzeige kam Deine Heimatstadt nicht gerade gut weg – au├čer dass die weltber├╝hmte S├Ąngerin Nena von dort kommt – fielen Dir keine positiven Worte zu Deiner Heimatstadt ein.

Foto: Anne Kurras

Foto: Anne Kurras

Findest Du Hagen wirklich so furchtbar, dass Du Dein Kind dort nicht aufwachsen lassen willst und deshalb in den EN-Kreis gezogen bist?

Ein bi├čchen. Also jeder der in die Zeitung schaut wei├č, dass die Stadt Hagen viele Probleme hat. Wie ├╝brigens viele St├Ądte in der Umgebung. Es ist kein Wunder, dass Hagen immer wieder im Schwarzbuch der Steuerzahler auftaucht, weil sie mal wieder ein paar Millionen in den Sand gesetzt haben. Wir hatten das Pech, das wir in Hagen im Stadtteil Wehringhausen gewohnt haben. Ich sage immer Naturschutzgebiet Wehringhausen, weil man schon um 14 Uhr das Licht zu Hause anmachen muss, weil man in einer Stra├če wohnt, wo Haus an Haus steht. Und die Kinder spielen zwischen parkenden Autos Fu├čball. Deswegen war es f├╝r uns klar, dass wir dort wieder wegziehen. Ich bin in Ennepetal aufgewachsen und habe auch auf dem Reichenbach-Gymnasium mein Abitur gemacht. F├╝r mich war eigentlich immer klar, dass wir in den Ennepe-Ruhr-Kreis zur├╝ckgehen. Und wir haben dann irgendwann eine sch├Âne Wohnung in Wetter gefunden, sch├Ân im Gr├╝nen. Also komplett das Gegenteil wie wir in Hagen gewohnt haben. Wenn man die Kleine jetzt aufwachsen sieht, ist das nat├╝rlich die perfekte Umgebung f├╝r sie.

Du beschreibst Nena als eine S├Ąngerin, bei der man st├Ąndig denkt, sie sei bekifft, wenn sie den Mund aufmacht. Kennst Du Dich denn mit Kiffen aus?

Wir haben das mal in der Schule behandelt. Ich wei├č nicht mehr in welchem Fach das war, es ging darum wie Cannabis auf den K├Ârper wirkt, ich meine so etwas in Erinnerung zu haben, deswegen meine ich das so zu wissen.

Also keine praktischen Erfahrungen?

Nein, keine praktischen Erfahrungen, nur das, was ich in der Schule gelernt habe. (lacht)

Du wurdest sowohl von Stefan Raab als auch von vielen anderen Menschen immer wieder gefragt, ob Du nun ein Buch schreiben willst. Und genau das hast Du inzwischen getan!

Fiel es Dir denn leicht 264 Seiten mit Deinen Geschichten und Anekdoten zu f├╝llen? Ging Dir das genauso leicht von der Feder wie die eBay-Anzeige?

Jein. Wie Du schon vorhin gesagt hast, viele baten mich ein Buch zu schreiben. Und weil ich zuvor viel ├╝ber meine Familie geschrieben habe, ├╝ber den Alltag mit meiner Frau und die Schwangerschaft, da habe ich einfach mal f├╝nf oder sechs Kapitel geschrieben und habe das dann an die Verlage geschickt. Und tats├Ąchlich gab es einen Verlag in Berlin, der dann gesagt hat: ÔÇ×Alles klar, das liest sich gut! Wir w├╝rden gerne das Buch machen. Aber es muss innerhalb der n├Ąchsten sechs Wochen geschrieben werden, damit das Buch p├╝nktlich zur Frankfurter Buchmesse erscheint.ÔÇť.

Sechs Wochen?!!?

Ja… (lacht) Und dann stand ich da! Es ist eh nicht einfach zu Hause mit einer hochschwangeren Frau und dann soll man mal eben in sechs Wochen ein Buch schreiben! Das war eine M├Âglichkeit, die ich mir nat├╝rlich nicht entgehen lassen konnte. Also habe ich mich hingesetzt. Die Problematik bestand dann darin, dass der Verlag nat├╝rlich wissen wollte, worum es in dem Buch geht. ÔÇ×Sei so lieb und schreib uns mal eine Inhalts├╝bersicht.ÔÇť hie├č es. Und ich wu├čte nicht, was ich schreiben sollte! Manchmal setze ich mich einfach an den Laptop und dann ergeben sich die Geschichten. Genauso war es auch mit der eBay-Anzeige. Und nun hatte ich so Probleme ein Inhaltsverzeichnis anzugeben! Letztendlich haben wir uns dann geeinigt, dass ich nur die Themen angebe, die ich in dem Buch behandeln werde. Das war unser Kompromiss. Und ich habe das Buch dann quasi ├╝ber Nacht geschrieben. Ich hatte ganz normal den Alltag mit einer hochschwangeren Frau und abends
hab ich mich dann an meinen Ecktisch gesetzt, an dem ich auch diese kultige eBay-Anzeige geschrieben hab, und habe dann die N├Ąchte durchgeschrieben. Was krass ist: das komplette Manuskript sollte bis zum 6. August beim Verlag sein. Am 6. August habe ich dann noch meinen drei├čigsten Geburtstag gefeiert, hab an meinem Geburtstag noch die Danksagungen geschrieben und in der Nacht vom sechsten auf den siebten August ist dann Olivia auf die Welt gekommen. So nach dem Motto: ÔÇ×Papa, jetzt bist Du fertig, jetzt kannst Du Dich um mich k├╝mmern!ÔÇť. (lacht) Letztendlich ist es so unglaublich sch├Ân, etwas hinterlassen zu haben. Als der Karton mit den B├╝chern gekommen ist, habe ich das erste Exemplar herausgenommen, habe f├╝r meine Kleine eine Widmung geschrieben, die sie sp├Ąter lesen kann, wenn sie mal gr├Â├čer ist, und das macht einen unglaublich dem├╝tig. Das Wort Demut beschreibt es, glaube ich, am treffendsten.

Toll, dass Du das unter diesen Bedingungen geschafft hast!

Ja, ich wei├č auch nicht, wie ich es geschafft habe. Das w├╝rde ich auch kein zweites Mal schaffen. Ich wei├č gar nicht, wie viel Kaffee ich getrunken habe. Aber gut, ich hatte keine andere Wahl! Ich musste bis zum sechsten August fertig sein und ich frage mich immer noch, genauso meine Frau, meine Freunde und meine Familie, wie ich das in sechs Wochen geschafft habe. Um so sch├Âner sind dann die R├╝ckmeldungen, die man erh├Ąlt oder die man im Internet liest.

FIRAT DEMIRHAN - Anne Kurras - 687A9869 - Highres

Foto: Anne Kurras

Dein Buch besteht aus lauter Anekdoten aus Deinem Leben. Haben die Menschen aus Deinem Umfeld denn gar kein Problem damit, dass Du so offen ├╝ber sie schreibst?

Ich glaube, im ersten Moment haben mich alle gefragt: ÔÇ×Das kannst Du doch nicht schreiben?! Das ist doch komplett peinlich!ÔÇť. Aber ich habe den Menschen, nachdem ich die ersten Kapitel geschrieben habe, die Kapitel auch zugesendet. Damit sie sich vorstellen konnten, wie ich schreibe und ich meine das ja niemals b├Âswillig! Ich ziehe zwar alle durch den Kakao, nehme mich da aber auch nicht aus. Und am Ende war es sogar so, dass die Leute mich baten: ÔÇ×Schreib bitte auch ├╝ber mich in Deinem Buch!ÔÇť. Das war dann so, dass ich noch versucht habe zu ├╝berlegen, wie kann ich den Cousin oder den Freund noch in das Buch reinpacken, weil er unbedingt wollte. Deswegen hat sich das eigentlich ganz schnell gelegt.

Und keiner hat um Änderungen oder Korrekturen gebeten?

Nein, komischerweise nicht. Au├čerdem ist es ja eine Autobiografie. Ich schreibe ja, wie ich die Sachen f├╝r mich empfunden habe. Deswegen ist es meine exklusive Meinung und wenn da jemand nicht zufrieden ist, k├Ânnen wir das ausdiskutieren, aber ich h├Ątte trotzdem das Manuskript nicht ge├Ąndert.

Konsequent.

Ja, das muss man auch sein, glaube ich.

Bei der Recherche zu der Frage welchen Beruf Du aus├╝bst, kam eine lange Liste an T├Ątigkeiten heraus. Also Firat, wie verdienst Du Deine Br├Âtchen? Als Schriftsteller und Dein n├Ąchstes Buch ist bereits in Planung? Oder hast Du inzwischen vielleicht eine Hauptrolle in einem Film ergattert? Statt im Film ÔÇ×Manta MantaÔÇť in ÔÇ×Tigra TigraÔÇť? Bist Du tats├Ąchlicher Schlie├čer im Knast oder bist Du vielleicht inzwischen Profi-eBayer oder Autoh├Ąndler?

Es ist so – und das ├╝berrascht auch die meisten Menschen, wenn sie das h├Âren – : ich bin wirklich Justizvollzugsbeamter. Das ist der Beruf, den ich erlernt habe. Klar, man schreibt auch im Knast Stellungnahmen ├╝ber die Gefangenen, aber letztendlich hat mein Beruf jetzt wenig mit dem eines Autors gemeinsam. Und ├╝berraschend war es auch f├╝r mein neues Umfeld zu h├Âren, dass ich Vollzugsbeamter bin. Im Nachhinein… ich hatte fast immer gute Noten in Deutsch, h├Ątte aber niemals gedacht, dass ich Menschen erreichen kann mit dem was ich schreibe. Klar, ich habe ein Buch geschrieben, ich bin ein Autor, aber ich tue mich schwer damit mich einen Autor zu nennen. Mein Buch, das war eine Art Tagebuch, ich habe da einmal komplett ├╝ber mein Leben geschrieben. Trotzdem ist es sch├Ân so betitelt zu werden. Zumal ich beispielsweise letzte Woche einen Brief bekam von einer Autorschaft aus Wetter. Es gibt wohl ein Buch ├╝ber Autoren aus Wetter, angefangen von Henriette Davidis, die bekannteste Kochbuchschreiberin – und ich soll mit aufgenommen werden in das Buch. Mit Verleihung, Presse, etc. Da denkt man sich auch: ÔÇ×Wow!ÔÇť Das ist eine gro├če Ehre f├╝r mich! Und ich blogge ja auch ├╝ber das Vaterwerden. Ich betrachte manchmal so die Welt durch meine Augen, lasse Menschen daran teilhaben und ich merke dann, es gibt Feedback darauf. Ich bekomme Resonanz, meine Texte werden oft geteilt und das ist ein sch├Ânes Gef├╝hl.
Jetzt habe ich die Frage gar nicht beantwortet. (lacht) Also, ich bin Justizvollzugsbeamter und habe in meinem Leben glaube ich schon jeden Job einmal gemacht. Angefangen vom Wurstverk├Ąufer ├╝ber den Pizza-Lieferanten bis hin zum Kassierer bei der Drogeriemarkt-Kette und Kellner. Ich habe alles schon mal ausprobiert. Wenn man gerne mit Freunden unterwegs ist, das ein oder andere Mal gerne ins Stadion f├Ąhrt, dann muss das eben auch finanziert werden.

Also aktuell bist Du ein Justizvollzugsbeamter, der bloggt und B├╝cher schreibt.

Ja, genau so ist es.

Stimmt es, dass Du auch f├╝r Deinen Lieblingsverein, den VfL Bochum schreibst?

Richtig. Ich darf sogar nicht nur ├╝ber sondern f├╝r den VfL Bochum schreiben. Das ist eine gro├če
Ehre f├╝r mich f├╝r meinem Verein zu schreiben, der mir so viel gegeben hat. Man muss dazu sagen, ich bin wirklich ein kleiner VfL-Bochum-Fanatiker. Und da ist es nat├╝rlich sch├Ân dem Verein auch etwas zur├╝ckgeben zu k├Ânnen. Das begann als ich bei TV Total in der Show war. Auf meinem Auto ist dem Pressesprecher des VfL Bochum der VfL-Bochum-Aufkleber am Heck aufgefallen. Und er hat sich dann ein wenig schlau gemacht und recherchiert und schlie├člich festgestellt: ÔÇ×Ach, der Junge ist ein Bochum-Fan!ÔÇť. Wir haben uns getroffen und er hat mich dann sofort gefragt, ob ich Lust h├Ątte f├╝r den VfL Bochum zu schreiben als Kolumnist f├╝r die Stadien- und f├╝r die Mitglieder- Zeitschrift. Ich habe ihm dann ein paar Sachen zugeschickt, damit er einen Eindruck bekommt und direkt mit dem ersten Entwurf gab es schon ein: ÔÇ×Ok, alles klar, das machen wir so!ÔÇť. Wieder eine gro├če Ehre, die mir zuteil wurde. Das ist nat├╝rlich sch├Ân, wenn man das kombinieren kann: das Schreiben, was mir viel Spa├č macht mit meiner Leidenschaft, dem VfL Bochum.

Und wo kann man Deine Kolumnen lesen?

Die Kolumnen erscheinen zu jedem Heimspiel im Stadion, dar├╝ber hinaus kann man die Kolumnen auch online abrufen. Entweder beim VfL Bochum oder auf meiner eigenen Internetseite.

Und Deine Internetseite hei├čt…

(lacht) www.firat-demirhan.de

Wenn Babygeschrei, Ehefrau und Medienfuzzis wie ich Dir zu viel werden und Du Ruhe suchst: hast Du einen Tipp wo sich im EN-Kreis ein besonderer Ort der Ruhe und Entspannung finden l├Ąsst?

Wenn ich wirklich mal abschalten muss, dann setze ich mich meistens in meinen Tigra. Ich bin in Ennepetal Hasperbach aufgewachsen und meistens – das habe ich auch in meinem Buch beschrieben – fahre ich von Hasperbach Richtung Voerde. Und dort gehe ich gerne an der Haspertalsperre spazieren. Das ist meine Art abzuschalten. Leider ist das in letzter Zeit etwas schwieriger, weil meine Tochter Olivia jetzt acht Monate alt wird. Und so finde ich derzeit meine Entspannung, wenn ich mit ihr spazieren gehe. Dann aber hier in Wetter, hier gibt es auch richtig viele sch├Âne Ecken. Ich muss nur darauf achten, dass diese fu├čl├Ąufig erreichbar sind, denn Olivia mit dem Tigra bef├Ârdern geht wirklich nur sehr schlecht.

Vielen Dank f├╝r das Interview!

[c5ab_box c5_helper_title=““ c5_title=“Sie m├Âchten mehr von Firat lesen?“ type=“alert-danger“ ]

Dann sollten Sie unbedingt sein Buch „FIRAT, DAS AUTO MUSS WEG!“ kaufen. Es lohnt sich auch auf seiner Facebookseite vorbeizuschauen bzw. seine Fussball-Kolumnen zu lesen..

[/c5ab_box]

1 Kommentar
  • Pingback:EN-Aktuell
    Geschrieben um 19:54h, 29 August Antworten

    […] ┬╗ Zum Interview mit Firat Demirhan […]

Schreiben Sie einen Kommentar