Interview mit Klaus Fiukowski

Interview mit Klaus Fiukowski

ūüēď Lesezeit circa 8 Minuten

Der Artikel ‚ÄěInterview mit Klaus Fiukowski‚Äú erschien in der EN-Aktuell 07/18. In der Zeitschrift ist nur ein gek√ľrzter Teil des Interviews zu lesen. Das komplette, ungek√ľrzte Interview finden Sie hier ‚Äď zum Anschauen oder Lesen.

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Interview mit Klaus Fiukowski:
„Um sowas zu machen, muss man
auch ein bisschen verr√ľckt sein!“

Hallo Herr Fiukowski, es freut mich, dass Sie sich die Zeit genommen haben, ein paar Fragen zu beantworten. Sie hatten gesagt, wir d√ľrfen Sie Fiu nennen?
Ja, Fiu reicht. Fiukowski ist schwer auszusprechen, darum d√ľrfen Sie mich Fiu nennen.

Wir sind jetzt hier in Ihrem Filmriss Kino. Wenn man das Wort ‚ÄěKino‚Äú h√∂rt, denkt man automatisch an Filmtheater. Ihr Kino ist aber ein bisschen mehr als das, oder?
Ja, aber im wahrsten Sinne des Wortes ein Film-Theater, denn wir haben eigentlich beides. Wir haben eine Leinwand, auf der wir Filme zeigen. Diese Leinwand l√§sst sich aber elektrisch anheben, und dahinter verbirgt sich eine B√ľhne. Auf der B√ľhne gibt es nat√ľrlich ein entsprechend anderes Programm, von Theater √ľber Kabarett bis hin zu musikalischen Veranstaltungen.

Wer entscheidet, welches dieser Programme auf die B√ľhne kommt?
Das mache ich selber, in Zusammenarbeit mit meinen Kollegen.

Sie engagieren sich auch f√ľr Projekte. Gibt es Projekte, die Ihnen ganz besonders am Herzen liegen? Ich denke beispielsweise an Leselust oder an die Aktionswoche ‚ÄěGevelsberg f√ľr Zivilcourage und gegen rechte Gewalt‚Äú. Wie ist es dazu gekommen?
Manche Dinge ergeben sich von ganz alleine. Zum Thema Leselust: seit fast 15 Jahren beteiligen wir uns an diesem Projekt; ein Projekt, das vom Ministerium gef√∂rdert wird und an dem verschiedene St√§dte aus dem Kulturgebiet S√ľdwestfalen teilnehmen. Schwerpunktm√§√üig ist es die Stadt Hagen, aber auch St√§dte wie L√ľdenscheid, Meinerzhagen etc. nehmen daran teil. Wir sind relativ von Anfang an dabei und bieten Lesungen mit Buchautoren, Kabarett-Veranstaltungen und Filme an, die eine literarische Vorlage haben. Wir wenden uns damit an Kinderg√§rten, an Grundschulen und an die weiterf√ľhrenden Schulen.

Sie sind urspr√ľnglich Hagener?
Ich bin geb√ľrtiger Hagener, lebe auch in Hagen, bin aber seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn 1983 hier in Gevelsberg bei der Stadt Gevelsberg besch√§ftigt und dort im Kinder- und Jugendbereich t√§tig.

Wie entstand die Idee mit dem Filmriss Kino?
Also den Filmriss selber, den gab es fr√ľher vor fast 30 Jahren mal als Verein. Den haben wir gegr√ľndet, weil wir als Hagener mit dem dortigen Kinoprogramm nicht so zufrieden waren. Wir haben dann in Hagen den Filmriss e.V. gegr√ľndet und haben mit anderen Menschen zusammen in Hagen das heutige Kulturzentrum Pelmke Schule aufgebaut. Dort haben wir das Filmriss Kino installiert, was heute allerdings als Kino Babylon weitergef√ľhrt wird. Irgendwann ist aus diesem Verein, Leute gehen eben auseinander, die Idee entstanden, eine kleine Firma zu gr√ľnden, die ich mit meinem leider verstorbenen Freund seinerzeit gegr√ľndet habe. Ich habe immer hier in Gevelsberg gearbeitet und in Gevelsberg auch das eine oder andere Filmprojekt gemacht. Mein Ex-B√ľrgermeister sagte immer,. ‚ÄěWillst du nicht auch hier bei uns mal ein Kino aufmachen?‚Äú. Da dachte ich, das funktioniert nicht, weil das wirtschaftlich eigentlich eine Katastrophe ist, das kann man nicht machen. Aber irgendwann bin ich dann doch dazu gekommen, als Untermieter eines Boulevard-Theaters, das hier in diesen R√§umlichkeiten gestartet hat, mit einem Kino anzufangen. Mittlerweile mache ich es ganz alleine.

Die Kommunen m√∂chten ihren B√ľrgern f√ľr gew√∂hnlich so viele Kulturangebote wie m√∂glich anbieten, leider scheitert das oft an den klammen Kassen. Wie haben Sie es in den letzten Jahren geschafft, solch ein gro√ües Kulturangebot nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern auch noch zu vergr√∂√üern?
Zum einen braucht man recht viel Liebe zu diesem Genre. Und um so etwas zu machen, muss man auch ein bisschen verr√ľckt sein! Meine Firma ‚ÄěFilmriss Projektkino und Veranstaltungsservice‚Äú besteht eben nicht nur aus diesem Haus, sondern wir machen auch andere Dinge. Wir vermieten B√ľhnen, Licht- und Tontechnik, wir haben von der H√ľpfburg bis zum Geschirr alles in einer Vermietung, was ein Fest braucht. Damit verdienen wir in erster Linie unser Geld. Dieses Haus hier ist in der Tat eher eine Liebhaberei. Ich bin immer froh, wenn wir hier eine schwarze Null schreiben. Der zweite Punkt, wie man so etwas finanzieren und machen kann, ist √ľber Projekte wie Leselust. Da besteht immer wieder die M√∂glichkeit, an F√∂rdermittel heranzukommen. So gibt es dann eine Mischfinanzierung und man versucht, sich √ľber Wasser zu halten.

Wenn Sie r√ľckwirkend die letzten Jahre Revue passieren lassen, gibt es Auftritte von K√ľnstlern, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Da gibt es so unheimlich viele Sachen, die man vielleicht nennen k√∂nnte, aber ich m√∂chte da jetzt nichts Besonderes hervorheben. Was ich besonders sch√§tze, das sind zum Beispiel die Figurentheater-Veranstaltungen, die wir seit jetzt fast dreieinhalb Jahren machen. Einmal im Monat treten Figurentheater-Ensembles hier auf, bei denen gerade die ganz kleinen G√§ste, die Vorschulkinder, ein Angebot bekommen. Eine andere Sache, die vielleicht noch erw√§hnenswert w√§re: wir haben vor einigen Jahren einen Film gezeigt, der sich inhaltlich mit einem Chor besch√§ftigt hat, der aus alten Menschen bestand, die in der Regel nicht singen konnten, die aber Pop und Punk und Heavy Metal gesungen haben. Damals haben einige Menschen gesagt, wenn es hier so einen Chor geben w√ľrde, da w√ľrden wir auch mitmachen. Und diesen Chor gibt es mittlerweile auch hier, das ist der Filmriss-Chor, der trifft sich einmal in der Woche und probt hier. Da sind Menschen dabei, die keine Noten lesen k√∂nnen, die auch nicht in den M√§nner- oder Kirchenchor wollen, sondern einfach Lust am Singen haben. Die sich zusammengefunden haben und die nach wie vor hierhin kommen. Und dass dieses Haus so etwas m√∂glich macht, das finde ich irgendwie sehr sch√∂n.

Sie haben in Ihrem Kino ein ganz besonderes Interieur. Ist das eine Leidenschaft von Ihnen, oder haben Sie das so √ľbernommen?
Nein, das habe ich in der Tat selber hergestellt insofern, dass ich zum einen begeisterter Sammler von Keramikdosen, sprich Bonbonnieren, bin, und meine Frau dann irgendwann gesagt hat, jetzt kaufst du keine mehr, sonst schmei√üe ich dich raus. Da habe ich zum Gl√ľck das Kino gehabt mit gen√ľgend Platz und habe die dann entsprechend in den Vitrinen ausstellen k√∂nnen. Und hinzu kam dann, dass hier das Ganze nat√ľrlich mit Leben gef√ľllt werden musste. Und dann kamen die Blechdosen dazu. Dann war es in der Tat so, dass ich ein paar Blechdosen hingestellt habe und dann ist sowas wie eine selektive Warnung, Sie sehen dann auf einmal nur noch Blechdosen! Dann wurden das immer mehr und je mehr das wurden, umso mehr Spa√ü hatten auch die Leute, die hier zu Besuch kommen. Und mittlerweile bringen auch diese Leute teilweise ihre Dosen mit und sagen, wenn die hier stehen, dann haben sie ein sch√∂neres Zuhause, als wenn sie bei mir irgendwo im Keller in der Ecke liegen. So werden es immer mehr.

 

 

Gibt es f√ľr Sie pers√∂nlich noch Ziele, oder irgendwelche ambitionierten Tr√§ume, die Sie noch gerne erleben m√∂chten?
Was hei√üt Tr√§ume?! Im Grunde geht es mir darum: wir sind seinerzeit als Verein angetreten und haben gesagt, wir wollen ein Kinoprogramm machen, in dem es in erster Linie um Inhalte geht und weniger um Kommerzialit√§t. Nur ist das nat√ľrlich eine sehr hehre Geschichte! Ohne Geld l√§uft halt nichts, wir m√ľssen nat√ľrlich auch schauen, dass die Wirtschaftlichkeit l√§uft. Aber nichtsdestotrotz denke ich, dass ich Kino machen m√∂chte, was nach wie vor die M√∂glichkeit gibt, zum Beispiel Gruppen, die irgendwelche Inhalte transportieren, medial zu unterst√ľtzen. Da gibt es zum Beispiel eine Reihe, die nennt sich ‚ÄěKirchen und Kino‚Äú. Wir zeigen Filme, die unter anderem mit Lebens- und Glaubensfragen zu tun haben. Wir haben jetzt gerade aktuell den Film ‚ÄěDrau√üen‚Äú gezeigt, der sich um die Situation von Obdachlosen k√ľmmert in Kooperation mit dem Verein Unsichtbar e.V.. N√§chsten Monat gibt es den Welthospiztag und wir zeigen Filme zum Thema Sterben und Hospiz. Diese Art von Kino oder Filmarbeit, die m√∂chte ich gerne weiterf√ľhren. Damit es nicht nur auf der Leinwand etwas gibt, sondern dass es auch die M√∂glichkeit gibt, dass Menschen, die sich mit den Inhalten, die dort in den Filmen gezeigt werden, auseinandersetzen. Daf√ľr sollte dieses Haus stehen.

Ist Wirtschaftlichkeit auch ein Grund, dass man eher schauen muss, in welche Nische man geht, weil man mit Blockbustern mit den großen Filmtheatern nicht mithalten kann?
Nein, das ist zumindest nicht meine Geschichte. Meine Geschichte ist in der Tat die, dass ich aus genau dieser Art Kino- und Filmarbeit komme. Es war so, dass mir der Inhalt immer schon sehr wichtig war, und als ich in diesem Haus angefangen habe war klar, dass ich selbstverst√§ndlich nicht drei S√§le haben kann. Hier hast du nur einen Saal, und du hast hier die M√∂glichkeit, nur einen Film pro Woche zu zeigen. Und es war von vornherein klar, dass wir sowas wie ein Programmkino und Arthaus-Kino machen wollen, und das ist nat√ľrlich dann eine andere Programmauswahl als eben Mainstream-Kino, wo die Programmvielfalt nicht mehr da ist. Nichtsdestotrotz, nicht dass das jetzt so klingt, als wenn hier nur ernste Sachen laufen w√ľrden; hier wird gelacht, hier gibt es Kom√∂dien, hier gibt es die ganze Bandbreite an Filmen, die man sich vorstellen kann.

Wollen Sie uns einen kurzen √úberblick dar√ľber geben, was in diesem Jahr im Filmriss Kino noch alles ansteht?
Es gibt einen Auftritt mit Lioba Albus, das ist eine Kabarettistin aus dem Dortmunder Bereich, die schon mehrfach bei uns hier gewesen ist. Dann gibt es einen Auftritt von Kent & Mense-Moritz, auch zwei Kabarettistinnen, die das erste Mal hier sein werden. Wir werden noch eine Schallplatten-Börse hier haben und diverse Figurentheater-Veranstaltungen, die noch bis Ende des Jahres laufen. Vielleicht noch ganz interessant: Marc Weide, unser Zauberweltmeister, der zweimal im Jahr mit seiner Mixed-Show hier bei uns gastiert, wird jetzt im Oktober noch einmal hier sein, und wird vor Weihnachten auch noch eine Weihnachtsshow präsentieren.

Zum Schluss noch eine Frage, die wir allen Interviewpartnern stellen. Gibt es einen Ort im EN Kreis, den Sie besonders mögen, wo Sie besonders gut abschalten können?
Abschalten w√ľrde ich nicht sagen, aber ich bin wirklich total gerne am Ennepebogen bei uns in Gevelsberg. Einfach, weil ich diesen Ort seit vielen Jahrzehnten kenne. Auch schon zu einer Zeit, als ich noch gar nicht in Gevelsberg gearbeitet habe und das alte AVU-Kraftwerk noch dort stand. Es hat damals einen gro√üen Schotterplatz davor gehabt, auf dem eine Pommesbude stand. Und wenn ich √ľber Jahrzehnte sehe, wie sich dieser Ort ver√§ndert hat, und was da heute an Aufenthaltsqualit√§t und auch an anderen Aktivit√§ten l√§uft, dann freue ich mich jedes Mal, wenn ich da vor Ort bin. Nicht zuletzt deshalb, weil ich es eben sehr sch√∂n finde, wenn es eine Stadt erm√∂glicht, Orte zu schaffen, an denen auch der Zugang zu Wasser gew√§hrleistet ist. Deshalb ist das f√ľr mich einer der sch√∂nsten Orte bei uns in der Stadt.

Ein wunderbarer Abschluss, ich danke Ihnen vielmals f√ľr das Interview.

Im Interview mit Firat Demirhan

 

2 Kommentare
  • Pingback:EN-Aktuell Oktober 2018 - EN-Aktuell
    Geschrieben um 12:55h, 18 Oktober Antworten

    […] Wie gewohnt erwartet Sie auch in dieser Ausgabe ein spannendes Interview. Wir haben mit Klaus Fiukowski gesprochen, dem Inhaber des ‚Äěfilmriss kino‚Äú in Gevelsberg. Weshalb er sich schon seit f√ľnfzehn Jahren f√ľr Filme und Events mit guten Inhalten einsetzt und den Kommerz und den Mainstream in seinem Filmriss auf die hinteren Pl√§tze verweist, erz√§hlt uns der sympathische Hagener, der seit 1983 eng mit der Stadt Gevelsberg verbunden ist, in einem spannenden Gespr√§ch, das Ihnen online auch als Video zur Verf√ľgung steht. […]

  • Pingback:Podcast: Interview mit Klaus Fiukowski - EN-Aktuell
    Geschrieben um 13:28h, 18 Oktober Antworten

    […] Gevelsberg! Klaus Fiukowski, Gr√ľnder des Filmriss-Kinos erz√§hlt uns in einem sehr interessanten Videointerview viel spannendes zur Entstehung und zur Philosophie. Hier als Audioversion zu […]

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