Goldemar Kolumne | September 2021

Goldemar Kolumne | September 2021

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Der Zwergenkönig von Burg Hardenstein ist zurück, um seine Meinung kundzutun

Ach, wie gerne denke ich an die Zeiten zurück, als ich an dieser Stelle eure menschlichen und politischen Unzulänglichkeiten aus meiner Zwergenperspektive aufs Korn genommen habe. Kritisch, ein wenig mahnend, aber immer mit einem Schuss Humor. Ich weiß nicht, ob es mir als König der Zwergen zusteht, mahnend den Finger zu heben. Aber als Zwerg bin ich ja irgendwie auch ein Außenseiter in der Menschenwelt, ein Wesen, dass nicht unbedingt in euer menschliches Weltbild passt.

Und wenn, dann nur als Steingutfigur in euren Schrebergärten. Aber gerade dieses menschliche Weltbild ist es, was mir derzeit zu Denken gibt. Da scheint mir etwas gewaltig durcheinander geraten sein und der eingeschlagene Weg bereitet mir Bauchschmerzen. Im Laufe der menschlichen Geschichte hat es viele Stationen gegeben. Viele Probleme, die es zu meistern galt. Viele Katastrophen, deren Auswirkungen und Folgen überwunden werden mussten. Und wir haben gelernt, dass es immer auf folgende Dinge ankam: Gemeinsamkeit, Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt. Und genau da sehe ich im Moment euer Problem. Gibt es nur noch einen Weg, ein Richtig, eine Meinung, was die Bekämpfung dieses Virus angeht? Ist die Impfung eines jeden so wichtig, dass alles andere daneben an Bedeutung verliert? Was ist mit jenen, die dem Weg nicht trauen, zögern, abwarten wollen? Und dafür auch gute Gründe nennen, die in anderen, „normalen“ Zeiten, von jedermann akzeptiert und respektiert worden wären. Einige Menschen, die eure Nachbarn sind, eure Vereinskameraden, eure Arbeitskollegen, eure Freunde, eure Verwandten, ja vielleicht sogar Familienmitglieder, werden nun von der Seite angesehen, weil sie Zweifel haben und sich (noch) nicht impfen lassen wollen? Nicht selten sogar beschimpft als „Schwurbler“ oder „Egoisten“, nur weil sie nicht von der Impfung überzeugt sind? Eure Regierenden machen ein Angebot, sich spritzen zu lassen. Für die eigene Gesundheit. Für das Allgemeinwohl. Das ist gut.

Aber ist es wirklich ein Angebot oder steckt doch deutlich mehr Druck dahinter? Es ist inzwischen auf jeden Fall ein Angebot mit allerlei Sanktionen, sollte es nicht angenommen werden. „Verweigerer“ wie ihr die Menschen nennt, die das Angebot nicht annehmen möchten oder können, müssen nun auf immer mehr verzichten und werden ab Oktober regelmäßig zur Kasse gebeten, wenn sie auch nur einkaufen oder einen Kaffee trinken möchten. Was ist mit jenen, die aus was für Gründen auch immer, sowieso schon am unteren wirtschaftlichen Ende der Skala stehen? Familien mit kleinem Einkommen, Rentner und Rentnerinnen mit kleiner Rente die ohnehin kaum zum Leben reicht zum Beispiel. Ist dieser finanzielle Druck gerechtfertigt? Erst gestern habe ich gehört, dass eine Hamburger Schmerzpraxis nur noch Patienten mit Zertifikat behandelt. Ist das wirklich euer Ernst, liebe Menschenfreunde? Ihr glaubt wirklich, euch auf dem richtigen Weg zu befinden? Ich sage es euch direkt: diese Impfpflicht durch die Hintertür ist Diskriminierung, so ehrenhaft die Gründe hierfür auch sein mögen. Es werden Grundrechte verletzt, wie die auf körperliche Unversehrtheit und auf körperliche Selbstbestimmung, wenn ihr Menschen zu einer Impfung zwingt oder drängt. In einer freien Gesellschaft sollten die Menschen respektieren, wenn Teile unterschiedlich mit der Situation umgehen und ihre eigenen Abwägungen treffen. Eine Impfpflicht ist kein rascher Ausweg aus der Krise, wie ihn sich viele wünschen. Es wird zu wenig berücksichtigt, dass wir heute noch sehr wenig über die Langzeitfolgen einer Covid-19-Impfung wissen. Die Phase-3-Studie zum Impfstoff von Pfizer/Biontech wird erst im Jahre 2022 abgeschlossen sein. Und Länder wie die Niederlande oder Großbritannien haben gezeigt, dass selbst hohe Neuinfektionsraten nicht zwingend eine Gefahr sein müssen. In einer solchen Situation eine Impfpflicht zu diskutieren bzw. den Impfdruck zu erhöhen, halte ich als alter und erfahrener Zwerg, der viel erlebt hat, als ethisch enorm heikel.

Und die Diskriminierung und Benachteiligung von Menschen, die sich (noch) nicht impfen lassen wollen, als sehr besorgniserregend.

Du etwa nicht, Mensch?

Hochachtungsvoll
Ihr Zwergenkönig Goldemar

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