Goldemars Kolumne | November 2016

Goldemars Kolumne | November 2016

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Jahrhunderte lang unsichtbar zeige ich, der Zwergenkönig, nun Gesicht, um mich zum Geschehen in diesem Landkreise zu äußern.

Das Jahr 2016 und somit das erste vollst√§ndige Amtsjahr der neuen B√ľrgermeisterin von Schwelm neigt sich erkennbar dem Ende zu. Da will ich as Zwergenk√∂nig nat√ľrlich wissen, was im St√§dtchen Schwelm so gesprochen wird! Also spazierte ich vor ein paar Tagen den Neumarkt hoch und warf einen eher traurigen Blick auf jene Schutt- und Abrissbrache, auf der einstmals dieses k√∂stliche, vollmundige Schwelmer Bier gebraut wurde und auf der schon l√§ngst ein neues, modernes Einzelhandelscenter mit Erlebnisgastronomie entstanden sein oder zumindest mit dessen Bau begonnen werden sollte. Mir scheint der Schweizer Investor ist wohl doch ein windiger Vogel. So soll beim Schwelmer Amtgericht schon alles f√ľr eine Zwangsversteigerung des Filetgrundst√ľcks inmitten der Stadt anberaumt worden sein. Mehr konnte ich trotz Zwergenlist und scharfen Verstand leider nicht in Erfahrung bringen. Jedenfalls sieht es dort zur Zeit immer noch so aus wie seit Jahren schon: Trostlos.

Nur ein paar Meter weiter, auf dem B√ľrgerplatz in der Fu√üg√§ngerzone, findet seit Monaten jeden Freitag der ‚ÄěFeierabendmarkt‚Äú statt. Ein inzwischen beliebter Treffpunkt, um bei einem Glas Wein und ein paar kulinarischen K√∂stlichkeiten d√∂rfliche Neuigkeiten auszutauschen und um zu sehen und gesehen zu werden. Da musste ich mich zwischen das Menschenvolk mischen! Bekanntlich wurde die gew√∂hnliche Bratwurst zeitweise aus diesem elit√§ren Kreis verbannt, gen√ľgte sie mit ihrem Senf-Make-Up wohl nicht dem geforderten Niveau der Veranstaltung. √úberhaupt, so wird hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, gef√§llt es Schwelms Verwaltungschefin gar nicht so sehr, wenn sich der einfache Biertrinker und Bratwurstesser unter die Besucher mischt.

Da zuckte ich allerdings nur mit den Schultern und ging weiter. Hin√ľber zum inzwischen altehrw√ľrdigen Schwelm-Center, von den √§lteren Einheimischen noch immer ‚ÄěKaufhof‚Äú genannt, obwohl dieser schon seit Jahrzehnten nicht mehr dort angesiedelt ist. Jedenfalls gibt es von dort Positives zu vermelden. Die Rolltreppen im Geb√§ude rollen wieder! Rauf und runter. Dem – in diesem Fall wohl zahlungsf√§higen ‚Äď Investor sei Dank. Nur einen Steinwurf von hier erheben sich die schiefen T√ľrme der Christuskirche inmitten der sch√∂nen Schwelmer Altstadt. Eine Gruppe flei√üiger Spendensammler bem√ľhte sich, den sechsstelligen Betrag, der f√ľr die Sanierung der T√ľrme ben√∂tigt wird, zusammenzukriegen. Inzwischen hat wohl auch die Landesregierung aus D√ľsseldorf finanzielle Unterst√ľtzung zugesagt. W√§re auch schade um dieses sch√∂ne Gotteshaus! Aus der Anfang des Jahres angemunkelten Wiederer√∂ffnung des ‚ÄěS√§ngerheims‚Äú im Sommer ist nichts geworden. Daf√ľr wird wohl sehr zur Freude vieler √§lterer Schwelmer an der Wiederbelebung der Schwelmer Kultkneipe ‚ÄěM√ľellendieck‚Äú gearbeitet. Jedenfalls sind die Sanierungsarbeiten in vollem Gange und der k√ľnftige Wirt hat sich auch schon √∂ffentlich vorgestellt. √úber Facebook gibt es schon die ersten Verabredungen dort. Und auch ich habe schon meine Bereitschaft im Freundeskreis ge√§u√üert, die erste Runde zu √ľbernehmen. Zun√§chst einmal werde ich aber gemeinsam mit meinem Patenkind eine Puppentheaterauff√ľhrung im Kolpinghaus besuchen. Eigentlich habe ich gar keine Zeit daf√ľr, doch ich habe mich von einer heftigen Umarmung und bittenden Kinderaugen bestechen lassen. Ich bin ein Zwerg mit viel zu gro√üem Herzen! Apropos ‚ÄěBestechen‚Äú.

Wie die Hagener Staatsanwalt mitteilte, sind die Ermittlungen gegen Schwelms B√ľrgermeisterin und ihrem ersten Beigeordneten eingestellt worden. Die durch einen anonymen Anzeigenerstatter erhobenen Vorw√ľrfe haben sich als haltlos erwiesen. Beide k√∂nnen jetzt ihre Aufmerksamkeit wieder auf das neue Schwelmer Rathaus richten, dessen Standortfrage Schwelms B√ľrger in zwei Lager spaltet: Die einen wollen die inzwischen leerstehende ehemalige Gustav-Heinemann-Schule umbauen, die anderen setzen sich f√ľr einen Neubau inmitten der Stadt ein. Ein diesbez√ľgliches B√ľrgerbegehren wird noch vor Gericht seine Fortsetzung finden. Indessen strebt die Stadtverwaltung wohl eine rasche Umsetzung des Ratsbeschlusses zu Gunsten der G-H-Schule an und macht N√§gel mit K√∂pfen. Die derzeit noch von der Verwaltung genutzten Geb√§ude und Grundst√ľcke werden zum Verkauf angeboten. Und so neigt sich das Jahr dem Ende zu. Ein Jahr, in dem – je nach Betrachtungsweise ‚Äď viel, einiges oder auch nicht wirklich was passiert ist, in dem sch√∂nen Schwelm. Und so wandere ich kopfsch√ľttelnd hinaus aus dem St√§dtchen. Und so beende ich meinen Rundgang durch Schwelm und w√ľnsche allen meinen treuen Lesern und dem restlichen Menschenvolk eine sch√∂ne und besinnliche Adventszeit!

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