Interview mit Herbert Schüßler

Der Artikel „Interview mit Herbert Schüßler – Schwelmer Jungs sind wir!“ erschien in der EN-Aktuell 01/18. In der Zeitschrift ist nur ein gekürzter Teil des Interviews zu lesen. Das komplette, ungekürzte Interview finden Sie hier – zum Anhören oder Lesen.

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Interview mit Herbert Schüßler

„Schwelmer Jungs sind wir!“

Vor zwei Jahren haben das Ehepaar Katharina und Thomas Kokoska die EN-Aktuell übernommen. Ein regionales Magazin, das es inzwischen schon zehn Jahre lang im schönen Ennepe-Ruhr-Kreis gibt. Passend zu diesem besonderen Jubiläum haben die Herausgeber mit Herbert Schüßler gesprochen, dem Bruder des einstigen Gründers der EN-Aktuell.

Vor zwei Jahren haben mein Mann und ich die EN-Aktuell übernommen. Ein regionales Magazin, das inzwischen zehn Jahre alt ist.

Und wir freuen wir uns heute Herbert Schüßler begrüßen zu dürfen. Hallo Herbert, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast für ein kleines Interview!

Gerne doch, ist mir ein Vergnügen!

Und dann kommen wir auch gleich auf den Grund zu sprechen, warum wir Dich eingeladen haben. Du hast nämlich etwas mit dem 10-jährigen Jubiläum der EN-Aktuell zu tun.

Ja, sehr viel würde ich sagen. Es geht um das Geld, es geht um Organisation und es geht um den Anfang, überhaupt eine Zeitung zu machen, obwohl man keine Ahnung von hat. Aber die Idee war damals da und dann ist es auch peu à peu gekommen.

Dein Bruder Jürgen ist leider vor einigen Jahren verstorben. Wie kam er damals auf die Idee die EN-Aktuell ins Leben zu rufen?

Er war damals, als die Idee aufkam, beim Schwelmer Stadtanzeiger. Dort hat er sein Geld verdient, er war super in Akquisition, konnte gut reden, teilweise besser als ich, war sehr überzeugend, auch durch seine ehrliche Ausstrahlung und durch sein ganzes Tun. Und er sagte sich immer: warum soll ich nur für andere arbeiten? Das kannst du auch in die eigene Tasche verdienen. Die EN-Aktuell war dann natürlich preislich günstiger als die anderen Zeitschriften, die da waren, wie die Wap oder der Stadtanzeiger und wie sie alle heißen. Und dann ging es los! Abklabastern der Firmen, um Werbung zu machen. Und dann kamen die ersten Aufträge und „wupp“ hatte man schon seine fünf oder sechs Seiten. Und das war dann auch die erste Ausgabe. Ich weiß nicht mehr, wie viele Seiten es damals waren, zehn oder zwölf mit Werbung und mit allem Drum und Dran. Und dann kam natürlich Hilfestellung. So etwas kostet Geld. Ich habe ihm Geld gegeben, ist ja schließlich mein Bruder! Und dann haben wir uns auch immer organisiert mit Fahrten, und so nach und nach ist das Ganze dann am Laufen gewesen.

Kannst Du Dich noch an die erste Ausgabe erinnern?

Leider nicht mehr so ganz, es ist zehn Jahre her, ich bin ja auch schließlich schon 65. Und bei mir klopft auch Alzheimer an (lacht)! Nein, ich weiß es nicht mehr so genau. Aber er war stolz wie Nachbars Lumpi! Es war sein Baby! Sein Baby, das er gepflegt hat, mit allem Drum und Dran. Mit Hochs und Tiefa, mit Hinwerfen-wollen und allem. Aber es war sein Ding! Und darum bin ich froh, dass ihr zwei das so toll weiter macht! Sogar so weit, wie er es immer machen wollte. In der gleichen Art, aber immer noch eine Schippe drauf.

Da Du es gerade ansprichst: schaut man sich die alten und neuen Hefte an, sieht man einen deutlichen Unterschied.

Ja, das sieht man! Es ist nun strahlender.

Was glaubst Du, würde Deinem Bruder gefallen, was daraus geworden ist?

Der schreit jetzt von oben oder unten ein Halleluja! Zumal: es war auch mein Baby, weil es für ihn das war. Und er hat damals gut damit gelebt. Er ist zwar kein Millionär geworden, aber das wäre auch nicht das Richtige gewesen.

Kannst Du Dich noch an besondere Ereignisse oder Anekdoten erinnern, die mit Deinem Bruder und der EN-Aktuell in Verbindung stehen?

Ja, ich erinnere mich an die erste Ausgabe, die in der Druckerei in Schwelm gedruckt wurde. Die kamen nicht aus dem Quark! Geld hatten sie zum Druck schon gekriegt. Das Geld für den ersten Druck hatte ich Jürgen vorgestreckt, kostete ja was. Und dann fing es an zu regnen! Da war das in Schwelm am Regnen und die ganzen Paletten standen da mit den Zeitungen! Und dann: „Haste wat? Kannste nicht…“: mit zwei Autos hin, die Magazine weggebracht zu den ganzen Punkten, die wir vorher schon ausgekundschaftet haben. Und dann fiel ihm noch eine Palette um! Das bleibt im Kopf. Und trotzdem hat er gesagt: Wir müssen weitermachen! Oder ich erinnere mich, wie er sich später einen LKW geliehen hat, als die Auflage dann höher wurde. Aber erstmal alles in eigener Regie gemacht. Nachts die Magazine herumgetragen bis hinterher die eigenen Leute, die Angestellten da waren, die die dann ausgetragen haben. Man fängt klein an. So etwas bleibt im Kopf.

Hättest Du damals gedacht, dass es das Magazin so lange geben würde und zu einer festen Größe im EN-Kreis heranwachsen würde?

Er war immer dran und immer schon weitdenkend. Er hatte seine Leute und dachte, dann hat er die Zeitung ins Leben gerufen und dann brauch er da in Zukunft nichts mehr zu tun. Aber das war nur Theorie. Da hat er sich zu früh gefreut! Und das ist gut so. Ich hab immer gesagt: du hast die Zeitung „am Arsch“, da musst du sehen, dass du die am Laufen kriegst und hältst! Du darfst niemals den Überblick verlieren!“ Und das hat er nie, er hat immer den Überblick gehabt.

Die EN-Aktuell ist ja ein Magazin für den EN-Kreis, da ist die Frage natürlich wo kommt Ihr beide eigentlich her Ihr beiden Brüder?

Schwelmer Jungs sind wir! Wir haben eine Schule besucht im Westfalendamm. Man ist mit Schwelm verbunden. Hückeswagen auch, weil man da als Kind in den Bergen herumgelaufen ist. Ich war der etwas ältere. Jürgen war früher als Kind ein Sorgenkind, aber das hat sich hinterher als erledigt herausgestellt. Also Schwelmer sind wir immer noch. Ich war jetzt vergangenes Jahr in Schwelm auf meiner Schulfeier. 50jähriges Jubiläum! Das war spitze. Alle wiedergesehen, viele die schon tot geglaubt waren lebten noch. Jeder hat sich so gefreut, selbst meine Frau! Wir waren ja in einer Schulklasse und alle riefen: Da kommt das Paar schon wieder! Bis alle dann gemerkt haben, dass wir gar nicht mehr verheiratet sind. Wir haben es probiert, hat nicht geklappt, aber wir sind heute immer noch sehr gut befreundet. Wir bleiben gedanklich immer beieinander, das geht nicht anders.

Das ist sehr schön! So etwas ist nicht selbstverständlich!

Es ist seltsam, aber es ist schön. Kommt auch hier rüber zu mir, macht bei mir im Bungalow hier Urlaub mit ihrem Mann, und Friede, Freude, Eierkuchen.
Zum Stichwort „hier“: wir befinden uns hier ja derzeit gerade auf Gran Canaria. Schon Dein Bruder ist damals ausgewandert, von Schwelm nach Gran Canaria, Dir hinterher.

Wie kommt es, dass die Schüßler-Brüder so eine große Liebe für die Insel Gran Canaria haben?

Wir waren immer schon Reisende der See. Vater auch schon immer auf und davon. Auch vor meiner Mutter! (lacht). Mein Bruder und ich waren wie Zwillinge obwohl da einige Jahre zwischen uns lagen. Wir liebten immer schon das Meer und die Insel. Und heutzutage kann man dank des Internets auch da arbeiten. Die Kontakte waren ja damals schon gelegt. Jürgen ist dann mehrmals von Gran Canaria rübergeflogen nach Deutschland. Er hat dann Leute besucht, hat sich wieder schlau gemacht, was es im Raum Neues gibt. Aber Schwelm und Deutschland hat er nie vergessen. Immer die Verbundenheit gespürt und das ist herrlich! Und das ist auch das Schöne, dass wir heute hier sitzen! Aber das Schönste ist, dass Ihr die EN-Aktuell so weiterführt und noch besser macht, als er angefangen hat.

Und damals gab es noch nicht so gutes Internet wie heute! Worauf wir natürlich auch ein besonderes Augenmerk legen. Wir haben Spaß daran, und deswegen probieren wir natürlich, unser Herzblut mit reinzulegen und in Jürgens Fußstapfen zu treten.

Das macht Ihr voll und ganz

Du bist ja ein Weltenbummler, bist viel unterwegs. Würdest Du uns dennoch verraten, welcher Platz im EN-Kreis Dir besonders am Herzen liegt?

Schwelm natürlich! Die Geburtsstadt war immer präsent.

Gibt es da auch einen speziellen Ort in Schwelm, einen Lieblingsplatz?

Ja, das ist meine alte Schule. Und die Liebesleiter, an der ich meine Frau damals kennen und lieben gelernt habe – mit einem Kuss! Die besuche ich immer, da sind die Gedanken immer dabei. Aber hauptsächlich liegt mir die Schule Westfalendamm am Herzen, die heute noch steht. Sie verbindet, denn der gesamte Freundeskreis kommt daher.

Also obwohl Du inzwischen auf Gran Canaria lebst und da auch sehr glücklich bist: die Liebe zur Heimat bleibt im Herzen?

Die bleibt im Herzen. Einmal Schwelmer, immer Schwelmer.

Vielen Dank für das Interview!

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