Interview mit Sabine Mertens

„MIT BEGINN DER IMPFUNG BEGANN SEIN LEIDENSWEG. ICH WÜNSCHE MIR DIE AUFARBEITUNG!“

Sabine Mertens im ausführlichen Interview. In der aktuellen Ausgabe der EN-Aktuell (01/26) ist nur ein Ausschnitt des Gesprächs erschienen. Hier können Sie das vollständige Interview nachlesen, anhören oder im Videoformat verfolgen.

Das Interview anschauen statt lesen

Wer lieber zusieht oder zuhört statt liest, findet hier das komplette Gespräch als Video oder Audio:

„Mit Beginn der Impfung begann sein Leidensweg. Ich wünsche mir die Aufarbeitung!“

Manche Gespräche lassen einen nicht mehr los. Dieses ist eines davon. Sabine Mertens aus Hagen (auf Instagram als Postvac_Mutter bekannt) spricht über den schwersten Verlust ihres Lebens. Ihr Sohn Pascal erkrankte nach einer Corona-Impfung mutmaßlich am Guillain-Barré-Syndrom (GBS). Der zuvor gesunde junge Mann verlor nach und nach die Kontrolle über seinen Körper, war schließlich fast vollständig gelähmt. Nach einem langen Leidensweg starb er. Während große Teile der öffentlichen Debatte das Thema Coronaaufarbeitung und Impfschäden meiden, geben wir einer Mutter Raum, ihre Geschichte zu erzählen.

Liebe Sabine, dir ist das Schlimmste widerfahren, was eine Mutter widerfahren kann. Du hast ein Kind verloren. Erstmal vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns darüber zu sprechen. Nimm uns mit auf deine Reise. Wo beginnt die Geschichte?

Danke, Firat, erstmal für den netten Empfang und überhaupt die Möglichkeit, darüber zu sprechen. Das ist nämlich nicht selbstverständlich. Ja, Kinder sollten nie vor den Eltern gehen und es ist für alle Eltern schlimm, wenn die Kinder sterben. Das ist keine Frage. Der Beginn der Reise fängt an mit einem gesunden jungen Mann, der sich nach langem Zögern dazu entschlossen hat, sich gegen Corona impfen zu lassen. Aufgrund der Tatsache, dass er Großeltern hatte, die einfach schon ein älteres Semester waren.

Die zu den vulnerablen Personen gehören.

Genau, und um die zu schützen, so wurde es ja immer publiziert, lassen sie sich impfen, um die Älteren zu schützen. Nachdem die ältere Generation dann ja schon durchgeimpft war. Denn vorher kam man an die Impfung eigentlich nicht ran. Und mit dem Beginn der Impfung begann im Prinzip sein Leidensweg. Also nicht nur sein Leidensweg, unser aller Leidensweg. Das muss man einfach mal so sagen. Das geht ja an keinem spurlos vorbei. Weder an meinem Mann, noch mir, noch unserer Tochter, noch dem persönlichen Umfeld. Auch Freunde, die Freundin von Pascal. Das verschont ja überhaupt keine Sparte von den Leuten, die enger mit uns zu tun hatten.

Dein Sohn Pascal war 34?

Als er die Impfung bekommen hat.

Korrigiere mich, wenn ich etwas Falsches sage. Du hast sogar selbst im Impfzentrum gearbeitet?

Das ist korrekt. Ich habe im Impfzentrum gearbeitet, weil Karl-Josef Laumann, unser Bundesgesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, dazu aufgerufen hat. Wenn wir schnell von dieser Pandemie wegkommen sollen, wir brauchen jede helfende Hand. Und dann habe ich gedacht, ich melde mich einfach mal.

Du hast auch zu dem Zeitpunkt an die Wirkung des Impfstoffs geglaubt und dass es in der Pandemie das Richtige ist?

Also ganz am Anfang, als die ersten Fälle kamen, das war ja in Italien, das war Bergamo. Da sind ja sehr, sehr viele Menschen verstorben.

Man hat doch die Bilder der LKWs vor Augen, die beladen wurden.

Ja, und da hat man gedacht: „Okay, das ist der richtige Weg, eine Impfung“. Im Nachhinein, das kommt ja dann immer so häppchenweise, muss man sagen. Die Zulassung dieser Medikamente, das ist ja nicht nur BioNTech, sondern das ist ja auch Moderna, AstraZeneca, Johnson & Johnson. Die haben ja gesagt: „Wir haben jetzt hier einen Impfstoff, wir haben keine Zeit, das auszuprobieren und zu testen. Und langwierige Studien über Jahre können wir nicht machen. Wer weiß, wie viele da noch sterben. Wir verabreichen das jetzt.“. Also das Zulassungsverfahren war einfach sehr, sehr schnell. Da wurden einfach diverse Wege ausgespart. Man hat also quasi anstatt Zickzack hat man gesagt, komm, wir machen einfach.

Zu dem Zeitpunkt hat man tatsächlich gedacht, es wäre das Heilmittel, um diese Pandemie wirklich in den Griff zu bekommen.

Natürlich. Und das wurde ja auch so publiziert. Es wurde ja auch im Fernsehen publiziert. „Lassen Sie sich impfen!“. Es gab ja, glaube ich, keine Litfaßsäule, kein Werbeplakat, was nicht gesagt hat: „Lasst euch impfen, schützt euch und eure Angehörigen.“. Und so wurde das auch im Impfzentrum publiziert und wir wurden auch gebrieft. Ich habe im Impfzentrum der Stadt Hagen gearbeitet. Vor jedem Arbeitstag wurden wir gebrieft, welche Gruppen dürfen. Das ist so. Die ersten Bedenken, ja, wann kamen die ersten Bedenken? Also die kamen eigentlich schon während der Zeit, als ich dort war, weil die Abstände auch plötzlich immer kürzer wurden zwischen der ersten und der zweiten Impfung. Ganz am Anfang waren es drei Monate, dann wurde es runtergesetzt auf neun Wochen. Dann waren es auf einmal sechs und dann waren es vier.

Zurück zu Pascal. Er hat die Impfung erhalten. Nimm uns mit auf die Reise. Was ist dann passiert, Sabine?

Das Erste, was er bemerkt hat, war ein Kraftverlust in den Armen.

War das direkt nach der ersten Impfung?

Also direkt nach der ersten Impfung ist er erst mal krank geworden. Wirklich richtig krank, also so grippig, eine richtige Grippe. Nicht so eine, ich sag es jetzt mal lasche Erkältung, ein bisschen Nase laufen und so, sondern richtig mit hohem Fieber. Er war bettlägerig, weil er völlig platt war. Also den hat es richtig erwischt. Da denkst du dir ja noch, okay, kann eine Nebenwirkung einer Impfung sein, das kennt man auch von der Grippeimpfung, dass man da erst mal ausgeknockt ist. Dann hat er sich quasi wieder aufgerappelt. Das hat fast 14 Tage gebraucht. Und dann ist er nach dreieinhalb Wochen wieder arbeiten gegangen. Und das Erste, was man gemacht hat, man hat ihn nach der zweiten Impfung gefragt. Und er wusste aber, wenn man Fieber hat: Nicht impfen! Und er hat gefragt, ist das ein Problem? „Nein, sie können sich impfen lassen, das ist überhaupt kein Thema!“. Und dann hat er die zweite Impfung bekommen. Und dann sind die Symptome verstärkt aufgetreten. Er fuhr dann zu einem Freund und ist dort gestolpert. Aber gut, stolpern tut jeder mal. Und dann ging das los, dass er Missempfindungen am Körper hatte. Er hat immer ein Gürtel getragen und im Beckenbereich war der Gürtel plötzlich unangenehm. Daraufhin hat er den Gürtel abgemacht. Dann ging es los, dass er einen Sechserträger Wasser, der ist nicht schwer, nicht mehr tragen konnte. Dann ist er gestolpert beim Gehen. Er konnte zum Beispiel die Treppen nur noch mit Mühe gehen. Er hat in der vierten Etage gewohnt. Er musste sich wirklich darauf konzentrieren, die Füße zu setzen. Er hat also eine Fußheberparese bekommen. Das heißt, du kannst den Fuß nicht mehr anheben. Und das ging sukzessive, schleichend voran. Immer mehr. Und man sah dann auch, dass die Muskulatur abnahm. Er war nie ein Bodybuilder-Typ. Er war immer sehr schlank, sehr groß, aber nichtsdestotrotz hast du ja Kraft.

Sportlich schlank.

Genau, sportlich schlank. Du sahst, dass die Muskulatur, dass die Arme dünner wurden, dass die Beine dünner wurden. Und ja, so hat es im Prinzip angefangen und so ist es auch fortgeführt worden.

Habt ihr es damals mit der Impfung in Verbindung gebracht? Hattet ihr schon schnell so den ersten Impuls? Es ist zeitlich nah an der Impfung. Könnte es damit zusammenhängen?

Ja, weil ich habe auch teilweise noch im Impfzentrum gearbeitet und habe mit zwei, drei Ärzten gesprochen, die, ich sage mal, besuchsmäßig im Impfzentrum gearbeitet haben. Die kamen von weiter weg. Mit denen habe ich dann gesprochen und habe gesagt: „Ich habe mal eine Frage. Mein Sohn hat Missempfindung und Fußheberparese und Kraftverlust und Beckengürtel.“. Und die sagten: „Das hört sich wie das Guillain-Barré-Syndrom an. Ich wusste nicht, was das ist, auch wenn ich Arzthelferin gelernt habe. Ich habe mich dann da eingelesen und das war der erste Impuls. Und das Erste, was dann da steht, ist, dass das Guillain-Barré-Syndrom sehr häufig mit einer Impfung in Zusammenhang gebracht wird, also der Auslöser einer Impfung ist. Und dann haben wir zugesehen, schnell einen Neurologen-Termin zu bekommen, dann eine Reha zu bekommen, was während der Corona-Zeit fast unmöglich war. Wir sind zu ganz vielen Ärzten gefahren. Ich habe mit der Vorsitzenden einer GBS-Selbsthilfegruppe telefoniert. GBS, das ist die Abkürzung vom Guillain-Barré-Syndrom. Der hat mir dann einen Arzt genannt, zu dem wir hingefahren sind. Der hat das dann abgewiegelt. Es liegt nicht an der Impfung. Und auch im Impfzentrum, wenn ich mit den ortsansässigen Ärzten darüber gesprochen habe, hieß es immer: „Nein, die Impfung macht das nicht. Das ist das nicht.“. Ich bin da immer gegen Windmühlen gelaufen.

Einerseits hat man eine Diagnose, worüber man sogar erfreut ist. Es ist etwas Greifbares. Denkt, das könnte es sein…

Das könnte es sein, genau! Also die Symptome sprachen ganz klar dafür. Es wurde dann eine Lumbalpunktion gemacht. Die Probe kam erst nach drei Wochen. Und dann bekamen wir Bescheid: Die Probe ist nicht auswertbar. Es müsste nochmal gemacht werden. Und eine Lumbarpunktion ist nicht sehr angenehm, muss man einfach mal sagen. Es wird in Rückenmarknähe Nervenwasser entzogen.

Und wieder Zeit, die vergeht.

Immer! Also es hat einfach alles ultra lange gedauert. Mir und vielen anderen – auch im Impfzentrum, die dort mitgearbeitet haben, Arzthelferinnen und so – war klar: Die Impfung ist dafür ursächlich verantwortlich. Zumal dann auch im näheren Umfeld eine Mutter und selbstständige Hebamme betroffen war. Sie musste sich impfen lassen, damit sie ihre Praxis weiterführen kann. Und sie ist tatsächlich nach der Impfung verstorben.

Also es ist schon erstaunlich. Wir haben uns in der Redaktion sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Weil der Sohn einer Redakteurin ist auch an GBS erkrankt. Und die Ärzte sagten ihr, dass sie sich auf das Schlimmste vorbereiten sollte. Eine Nervenärztin hat diese Diagnose bei ihm dann aber schnell stellen können. Und man konnte schnell mit der Therapie beginnen, die auch komplett von der Krankenkasse übernommen wurde zu dem Zeitpunkt. Der kleine Löwe hat es geschafft.

Gott sei Dank.

Was ist das für ein Gefühl für dich, wenn du zurückblickst, diese Leere, die du wahrscheinlich in dieser Situation hattest, deinem Sohn nicht helfen zu können? Das ja schon mal ein Kampf ist, stark zu sein für den Sohn. Dann aber wirklich in den Mühlen der Bürokratie, des Gesundheitswesens. Du hast eine Diagnose, die wird aber dann doch wieder abgetan. Nee, das ist es eher nicht. Man hinterfragt dann vielleicht sogar auch die Diagnose. Was war das für ein Gefühl, diese Leere zu haben und eigentlich nichts Greifbares zu haben, um für deinen Sohn zu kämpfen?

Das Gefühl, was sich eingestellt hat, recht schnell, war Wut. Unbändige Wut. Wut, dass man mit allem alleine gelassen wird. Die Diagnose GBS ist nie richtig gestellt worden. Die ist aber einfach ausgeschlossen worden. Genauso wie ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) ausgeschlossen wurde. Es hieß immer, es ist irgendeine Nervenschädigung. Ja, wo kommt sie denn her? Die kommt ja nicht plötzlich mal eben angeflogen. Also: Impfung. Und immer dieses: Nein, Nein, Nein. Man musste sich, und das hat mich auch so sehr wütend gemacht, man musste sich selbst um Hilfe kümmern. Es gab ja keinen Ansprechpartner. Ärzte sind verpflichtet, etwas zu melden. Aber den Arzt muss man erstmal finden. Und wenn du diesen Namen hattest, wir haben einen Arzt gefunden, der war in Düsseldorf. Der hat sehr viele Meldungen an das Robert-Koch-Institut, an das Paul-Ehrlich-Institut gemacht. Der hat das online gemacht, der hat Nächte gesessen, damit das aufgeklärt wird, damit gezeigt wird: Hallo, hier, das ist eine unerwünschte Nebenwirkung dieser Impfung! Ihr müsst helfen! Blutuntersuchungen, das ist nicht ein Standard, kleines Blutbild. Also wenn man heute beim Arzt ja schon ein großes Blutbild haben will, muss man ja schon kämpfen. Sondern, da wurden Auto-Antikörper getestet. Da musste so viel gemacht werden. Einfach dieser Kampf. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Das ist David gegen Goliath.

Irgendwann habt ihr Pascal dann zu euch nach Hause geholt.

Wir haben Pascal nicht zu uns nach Hause geholt. Das war bei uns auch schlecht möglich, weil wir auch eine Treppe im Haus haben. Nachdem er in einer zweiten Reha war, wo er mit dem Rollator rein und mit dem Rollstuhl wieder rauskam, war klar, er kann nicht mehr in seine Wohnung zurück. In die vierte Etage! Wir haben dann eine barrierefreie Wohnung gefunden, die Gott sei Dank bei meinen Eltern im Mietshaus war. Leider ist es so, auch da hakt es am Sozialsystem, das muss man einfach sagen. Barrierefreie Wohnungen für junge Leute sind weit weg. Also nach dem Motto, die sehen wir nicht. Die sind nicht innenstadtnah, sondern irgendwo auswärts. Da musst du dann mit dem Bus fahren, wenn du kannst, damit du zur Therapie kommst. Wenn du in der Innenstadt wärst, zentrumsnah, könnten die mit Einschränkung lebenden jungen Menschen selbstständig auch zu ihren Therapien kommen, wenn Kapazität da ist. Auch das muss man ja sagen. Es ist ja mit allem ein Kampf.

Pascal hat dann mit der Zeit immer mehr abgebaut. Gab es einen Zeitpunkt, Sabine, wo du das Gefühl hattest, es wird nicht mehr positiv? Oder: er bekommt nicht mehr die Therapie, oder die Therapie hilft ihm nicht mehr gesund zu werden? Aufgrund des körperlichen Verfalls…

Ja, du siehst das natürlich, aber du möchtest das nicht. Also du siehst es, aber du willst es nicht sehen. Ich habe immer gedacht, es wird wieder. Ich habe das auch immer so gesagt. Ich habe da auch sehr lange dran geglaubt. Und auch die letzte Therapie, die ich angestoßen habe, was auch wieder ein Kampf war, das sind diese Immunglobuline, auch das war ein Kampf. Da habe ich gedacht, okay, das wird wieder. Es wird ultra lange brauchen, aber wir kriegen das hin. Aber man muss dazu sagen, der Betroffene muss es selber auch wollen. Und ich glaube, wenn du betroffen bist, musst du für dich kämpfen und nicht für irgendjemand anderen. Und Pascal hat nicht für sich gekämpft. Irgendwann war der Punkt da, dass ich gedacht habe, das Feuer war weg. Und ich muss auch sagen, Pascal und ich waren uns sehr nah, auch sehr ähnlich, dass ich gedacht habe, der will nicht mehr. Und er hat es ja dann auch schlussendlich irgendwann über seine Lippen gebracht und hat es mir gesagt. Das ist ihm nicht leicht gefallen. Seiner Mutter… Also man muss sich vorstellen, mein Sohn liegt im Bett, guckt mich an und sagt: „Mama, ich möchte sterben.“.

Das waren seine Worte…

Und mein erster Impuls war: ich kann dich verstehen. Ich konnte es verstehen. Und ich, ja, das hört sich blöd an, ich bin irgendwie erleichtert. Also es ist mir eine Last von den Schultern gefallen, als er endlich eingeschlafen ist und erlöst worden ist. Ich kann das nicht beschreiben, was das für ein Gefühl ist. Natürlich bricht es dir das Herz als Mutter oder Eltern, Großeltern, Schwester, wenn dein Kind stirbt. Aber nach dem Leidensweg, nach dem Kampf, ja, hat er seinen Frieden verdient. Er hat es verdient. Und deswegen sage ich immer, sein Tod hat nicht umsonst sein müssen. Und das ist das, was mich weiter antreibt. Ich möchte, dass dafür jemand zur Rechenschaft gezogen wird.

Und selbst bei dieser Entscheidung hast du gegen Windmühle gekämpft, weil Pascal hat sich für die Sterbehilfe oder für die Sterbebegleitung entschieden.

Was nicht so einfach ist. Es ist ein assistierter Suizid.

2020 wurde quasi das Grundgerüst oder die Frage beantwortet, dass es möglich ist, aber rechtlich nicht die Rahmenbedingungen geschafft. Weshalb es so gut wie gar nicht von den Ärzten umgesetzt werden möchte, weil die sich natürlich auch nicht angreifbar machen wollen. Ihr hattet Glück, einen Arzt gefunden zu haben, der diesen Weg mit euch gegangen ist.

Ja, also einen zweiten Arzt. Wir hatten vorher einen Arzt, der mich, nachdem ich Pascal ein Medikament gegeben habe, damit er besser schlafen kann, mich tatsächlich angezeigt hat. Bei der Kripo. Dieser Arzt hat die Polizei kommen lassen.

Der Vorwurf war?

Der Vorwurf: Tötung auf Verlangen. Hat mitten in der Nacht die Versorgung abgebrochen. Das hieß, ich durfte dann erstmal fünf Tage lang alle zweieinhalb Stunden Pascal Medikamente geben. Nach einem Medikamentenplan von einer Hausärztin. Das war keine schöne Zeit. Dementsprechend sah ich auch so aus. Also mehr so eine wandelnde Leiche. Und dann haben wir über diese Ärztin den Namen eines Arztes erfahren. Das ist der Dr. Töns.

Aus Witten.

Aus Witten. Der auch bekannt ist, gemeinhin, ich sag mal so in Anführungsstrichen, als „Schlafdoktor“. Dem ich eine E-Mail geschrieben habe. Eine halbe Stunde später hat er mich zurückgerufen. Ich habe selten einen so empathischen Arzt getroffen. Wirklich. Der gesagt hat, ist kein Problem, ich komme vorbei. Und der hat dann erstmal mit Pascal gesprochen. Und der hat seine Not gesehen. Und hat gesagt, es war auch sein erster Impuls, ich helfe dir. Ja, nur so einfach ist es dann doch nicht, wenn du bei klarem Verstand bist und sterben möchtest. Aber nicht in der Lage bist, deine Hände zu benutzen. Dass ich dir eine Tablette dahin lege und sage, nimm die. Und gut ist, wenn ich nicht mehr da bin. So einfach ist es nicht. Und Pascal war zu dem Zeitpunkt auch noch beatmet. Er hat ein Tracheostoma gehabt. Und das wäre immer einhergegangen mit, wird die Maschine ausgestellt, ist es Sterbehilfe. Aktive. Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre. Und da kann ich auch den Dr. Töns verstehen, das möchte er nicht. Er muss sich rechtlich absichern. Er möchte nicht ins Gefängnis gehen, natürlich. Klare Sache. Also mussten wir, ich musste Zeugen benennen mit Adresse, Telefonnummer. Ich musste einen Negativattest vom Betreuungsgericht ausstellen lassen. Das musste unterschrieben werden von einem Richter. Als ich mit sämtlichen Unterlagen, die ich herbeibringen musste, dort hingegangen bin, wussten die gar nicht, was ich von denen wollte. Das Erste, was sie mich gefragt haben, sie haben hier eine Betreuungsverfügung liegen. Nein, habe ich nicht. Ich habe hier eine Vollmacht von meinem Sohn. Hier ist ein Schreiben von einem Arzt. Hier ist noch ein Schreiben von einem Arzt.

Und er ist nicht psychisch erkrankt.

Genau. Du darfst nicht psychisch erkrankt sein, also schwer erkrankt sein. War er ja alles nicht. Er war bei klarem Verstand. Kein Richter im Haus, alle im Homeoffice. Und da musste ich wirklich schon einmal lachen. Und wir melden uns. Ich sage, ich komme dann heute Nachmittag wieder. Ich bin dann nachmittags wieder dorthin. Die beiden Damen, die dort saßen, haben mich wieder angeguckt. Was möchten Sie hier? Ich sage, ich war heute Vormittag schon mal hier. „Der Richter fällt morgen früh eine Entscheidung!“. Ich sage: „Ist in Ordnung, bin ich morgen früh wieder da.“. Dann war ich einen Tag später wieder da. Da kriegte ich dann einen Zettel ausgedruckt mit Fragen bezüglich: „Ja, möchte er das? Wie ist das, wenn ein Patient drei Wochen lang nichts isst?“. Und das habe ich nur oberflächlich gelesen. Das war nichts von einem Richter. Das war so ein Fragenkatalog. Da habe ich gesagt, ich möchte mich beschweren. „Wie?“. Ich sagte, ich möchte mich beschweren. Und da musste ich zu einer anderen Kollegin. Und ich sage: „ Sie können das jetzt so?“. Sie: „Ich nehme das auf, was Sie jetzt sagen.“. Ich sage: „Gerne.“. Ich sage: „Fragen Sie den Richter mal, wie jemand wohl aussieht, der drei Wochen lang nichts mehr isst. Da liegt im Prinzip ein Skelett vor mir. Ich sagte: „Ich verstehe es nicht! Dieser Richter möchte bitte den Arsch in der Hose haben und mich anrufen.“. Und ich weiß nicht, was sie gemacht hat. Auf jeden Fall bekam ich, ich glaube, dreieinhalb Stunden später den Anruf von Dr. Töns. Und da hat er zu mir gesagt: „Ich weiß nicht, was du da gemacht hast. Aber wir haben grünes Licht. Hast du noch Fragen?“. Ich frage: „Wir haben wirklich grünes Licht? Ich kann zu Pascal gehen? Ich kann ihm sagen, das geht?“. „Er darf wirklich. Ja.“. Ich frage: „Wann kommst du?“. Donnerstag. Und dann bin ich tatsächlich zu Pascal gefahren. Und er guckte mich dann schon an: „Mama?“. Und ich sagte: „Kalli, Dr. Töns kommt Donnerstag.“. Da hat er geweint. Er hat geweint, weil er sich gefreut hat, dass sein Leiden ein Ende hat. Nachdem er gesagt hatte, dass er sterben möchte, waren es ja, glaube ich, noch dreieinhalb Wochen. Da war er wie ausgewechselt. Er war vorher sehr in sich gekehrt, in seinen Gedanken. Und dann war er so frei. Also, er hat noch einen Radler getrunken, zwar mit einem Strohhalm, aber egal. Er hat Scherze gemacht. Er war wieder mein Sohn. Das ist einfach unfassbar. Das kann sich keiner vorstellen.

Das ist, kann ich mir vorstellen, auch paradox, weil du weißt ja, dass du mit schlechten Nachrichten nach Hause musst. Und du bist so hilflos, weil du möchtest ihm helfen. Es ist der Wunsch deines Sohnes. Und jedes Mal dann aus dem Gerichtsgebäude rausgehen zu müssen mit dem Wissen, ich bringe keine positiven Nachrichten.

Ich habe es ihm gar nicht gesagt. Dadurch, dass er im Schlafzimmer gelegen hat und er hatte das Rollo immer runter. Es war also eigentlich fast immer stockduster in seinem Zimmer. Er konnte, glaube ich, die Uhrzeiten nur noch anhand des Wechsels des Pflegepersonals klarmachen. Und er hatte mich gefragt beim ersten Mal, als ich quasi noch keine Zusage hatte. „Mama, warst du schon bei Gericht?“. „Nee, muss ich gleich noch hin.“. Da habe ich gelogen, bewusst gelogen. Aber als ich es dann hatte, bin ich auch sofort hin und habe ihm gesagt: „Es geht alles gut.“.

Sabine, du bist nach dem Tod von Pascal sehr offen mit diesem Thema umgegangen. Du hast auf viele Gefahren hingewiesen, auch im Bezug auf Impfungen. Du kämpfst aktuell gerade dabei, die Impfschäden wirklich anerkennen zu lassen. Wie ist da der Stand, wenn ich fragen darf?

Das LWL kümmert sich nicht. Das ist das Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Ich glaube, seit 2021 kämpfe ich vor dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, um die Anerkennung des Impfschadens. Das ist ja eine mRNA-Impfung. Und die bleibt eben nicht im Oberarm, sondern verbreitet sich durch den ganzen Körper. Es bilden sich Spike-Proteine und die sind sehr gefährlich. Die bekommst du entweder mit der Corona-Infektion oder durch die Impfung. Und diese Spike-Proteine greifen dein Immunsystem an, deinen Körper.

Natürlich gibt es auch Impfschäden von anderen Impfungen. Natürlich gibt es die, aber die sind anerkannt. Kinderlähmung, Maser, Mumps, Röteln, Tetanus, Diphtherie, alles.

Was mich ärgert ist, dass mit einer Ignoranz und einem Aussitzen gearbeitet wird. So nach dem Motto, wir lassen die am langen Arm verhungern.

Das Thema erledigt sich von selbst?

Das Thema erledigt sich von selber. Und sobald jemand verstirbt, und das ist ja nicht nur Pascal, es sind viele, viele andere, ich kenne unfassbar viele. Das ist das. Und es werden Hilfen angeboten, wo die Betroffenen oder die Angehörigen der Betroffenen viel mehr wissen wie die Leute, die dort am Telefon sitzen. Also das ist schon paradox.

Die letzte Frage an dich ist eigentlich sehr überflüssig. Was wünschst du dir insbesondere von der Politik? Ich hatte es gerade gesagt, seit 2020, Thema assistierter Suizid. Es ist erstmal gesetzlich erlaubt, aber es gibt nicht die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Wir haben jetzt das Problemfeld der Impfungen.Könntest du trotzdem noch einmal versuchen, mir zu erklären, was du genau ändern wollen würdest, wenn du die Möglichkeit dazu hättest?

Ich wünsche mir die Aufarbeitung. Ich wünsche mir die Anerkennung, ich wünsche mir weniger Bürokratie. Das wünsche ich mir wirklich. Und dass unsere Politiker zu dem stehen, was sie sagen. Es wird immer viel gesagt, wir helfen, aber dann…

Solange es gut läuft…

Solange es gut läuft, helfen wir. Es wird immer so rumgeeiert. Es sagt keiner offen: „Ja, diese Impfung war scheiße!“. Und auch dieser assistierte Suizid oder die Sterbehilfe an sich. Was erwarten denn die Menschen von Betroffenen, die einfach nicht mehr können und nicht mehr wollen? Das geht ja jetzt nicht nur um Impfopfer bei der Sterbehilfe, da gibt es ja auch viele andere. Muss man dahinsiechen, würden diese Politiker, würden die das bei sich auch so machen? Und ich glaube, diese Frage stellen die sich nicht. Die sehen das nicht. Die sind einfach zu weit vom, ich sage es jetzt mal, von uns weg. Von der normalen Bevölkerung sind Politiker zu weit weg. Die machen sich kein Bild davon, wie belastend das ist, dass man finanziell „am Arsch ist“ auf gut Deutsch.

Kann ich verstehen.

Und da kommt nichts, da kommt nichts. Und dann soll man auch noch alle Blutuntersuchungen und sowas selber bezahlen. Und bei der Sterbehilfe ist es ja genauso. Ich glaube, Politiker haben natürlich andere Möglichkeiten. Ist einfach so. Und da wünsche ich mir einfach diese Aufarbeitung, diese Anerkennung. Und so lange werde ich weitermachen.

Eine letzte Frage habe ich. Wenn du auf Pascals Leben zurückblickst: was sollen die Menschen von ihm in Erinnerung behalten?

Er hat ein buntes Leben geführt. Ja, er hat alles genossen, was sich ihm geboten hat. Sagen wir es mal so. Also er war ein sehr lebenslustiger, froher, junger Mann, der alles mitgenommen hat. Und vielleicht war jetzt seine Zeit abgelaufen. Ich weiß nicht… Aber ja, Pascal war lebenslustig und froh und ein sehr liebevoller und fürsorglicher junger Mann.

Sabine, ich danke dir vielmals für deine offenen Worte. Dir und deiner Familie wünsche ich viel Kraft für alles, was euch noch bevorsteht in Zukunft. Vielen lieben Dank, dass du deine Geschichte und die von Pascal mit uns geteilt hast.

Sehr gerne, Firat.

Alles Gute.

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