Gang durchs frühlingsfrische Dorf
Nun sind die ersten Monate des Jahres auch schon wieder vorbei. Längst hat der Frühling Einzug gehalten, die Natur erstrahlt in bunten Farben und sattem, frischem Grün. Die Schwäne im nahegelegenen Stausee in Beyenburg brüten schon die nächste Generation aus. Herrlich. Schwelmann liebt diese Zeit des Erwachens aus dem Winterschlaf. In allen Teilen des Dorfes feiern die Vereine ihre Sommerfeste oder stehen kurz davor. Auch die Kirchen sind aufgrund der Kommunionen und Konfirmationen an den entsprechenden Tagen gut gefüllt. Schwelmann hadert bekanntlich oft mit dem göttlichen Bodenpersonal. Zu viel Politik statt christlicher Seelsorge. Gottesdienstbesuche sind daher auf das Notwendige beschränkt. So auch am gestrigen Sonntag, an dem Schwelmanns jüngstes Patenkind bei herrlichem Sonnenschein konfirmiert wurde.
Natürlich in Schwelms Wahrzeichen, der schönen Christuskirche. Unserem „Dom“, wie wir Schwelmer auch gerne sagen. Nach langer Bauphase, einer der Türme hatte eine leichte Schieflage, steht der Dom seit einiger Zeit wieder fest und in voller Pracht ohne Gerüst und Verhüllung. Die Uhren zeigen wieder weithin sichtbar die Zeit an und im Innern erfüllt auch die prachtvolle Orgel den Kirchensaal wieder mit gewaltigen Klängen. Schon eine Weile her, dass Schwelmann das so vernommen hat. Beim Betrachten der jungen Menschen vor dem Altar fragt sich Schwelmann, welche Zukunft diese wohl haben werden. Jetzt, wo überall wieder schreckliche Kriege toben. In der Welt als auch im Innern unseres schönen Landes. Jetzt, wo alles irgendwie aus den Fugen zu geraten scheint. Schwelmann jedenfalls wünscht dieser Generation am Anfang ihres „Erwachsenwerdens“ alles nur erdenklich Gute. Unweit des Doms dominiert das neue Rathaus das bauliche Stadtbild. An den Anblick hat man sich längst gewöhnt. Gegenüber bemühen sich die Mitglieder eines Vereins um den Erhalt unserer ehemaligen Brauerei. Die Ehrenamtlichen haben sich das Ziel gesetzt, die historischen Räume als kulturelles Zentrum für Begegnungen und Veranstaltungen aller Art zu erhalten. Eine Menge Arbeit, wenn man sich wie Schwelmann das Innere des Gebäudes einmal anschaut. Aber es geht voran. Erste Räume sind saniert und hergerichtet und auch erste Veranstaltungen haben bereits stattgefunden.
Ringsum am Neumarkt und in der Fußgängerzone fallen eher die vielen leerstehenden Ladenlokale ins Auge. Selbst viele der aus dem Boden geschossenen „Barber-Shops“ schließen nach und nach wieder. Hier und da eröffnen mutige Gründer ein Geschäft, müssen aber oftmals schon nach einem Jahr wieder schließen, weil es sich einfach nicht rechnet. Es ist halt keine gute Zeit für Wagnisse in die Selbständigkeit angesichts hoher Mietpreise sowie hoher Energie und Personalkosten. Zudem sitzt bei vielen potenziellen Kunden der Euro aus den gleichen Gründen nicht mehr so locker. Leider hat Schwelmann heute noch eine traurige Pflicht zu erfüllen und wird sich gleich auf den Weg zur Schwelmer Oehde machen. Jenem Ort, an dem wir früher oder später alle landen, an dem Dinge wie arm oder reich, rechts oder links, religiös oder nicht keine Rolle mehr spielen. Dem gerechtesten Ort überhaupt, wie Schwelmann gerne sagt. Freude und Leid liegen halt ganz eng zusammen. C’est la vie. Schwelmann jedenfalls freut sich erst einmal auf den bevorstehenden Sommer. Auf viele schöne Stunden mit seiner Familie und seinen Freunden. Genießen wir jeden Tag und jeden Augenblick und hoffen, dass alles nicht so schlimm kommt, wie es den Anschein hat. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
In diesem Sinne: allen eine schöne Zeit .
Der Schwelmann

