Kolumne Schwelmann September 2026

Schwelmanns Hiärte schlött Heemefeß

 

Wobei er sich nicht einmal sicher ist, das hier richtig zu Papier gebracht zu haben. Obwohl Schwelmann Schwelmer von Geburt ist, tut er sich schwer mit dem heimischen „Schwelmer Platt“. Deshalb für alle Leser, denen es ähnlich geht, die Übersetzung ins Hochdeutsche: „Unser Herz schlägt Heimatfest“. Es ist Mitte August. Und wie in jedem Jahr rückt unser bevorstehendes Heimatfest in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Auf den Bauplätzen unserer 13 Nachbarschaften wird gewerkelt, was das Zeug hält, um rechtzeitig zum Heimatfestsonntag den großen traditionellen Festzug und Höhepunkt des festlichen Treibens durch des Dorfes Straßen vorzubereiten. Große, bunte und meist humorvolle Wagen entstehen. Auch künstlerisch hochwertige heimatkundliche Beiträge. Die Fußgruppen üben ihre Beiträge und die immer wieder beliebten Einzelgänger arbeiten an ihren lustigen Beiträgen. Die fleißigen Nachbarinnen und Nachbarn verbringen in diesen Wochen viele Stunden auf den Bauplätzen. Manche verbringen sogar ihren Urlaub dort. Bei der anhaltenden Sommerhitze derzeit nicht immer ein Vergnügen. Doch ein kühles Blondes und ’ne Bratwurst vom Grill machen es dann doch etwas angenehmer. Schwelmann war selbst einige Jahrzehnte aktiv dabei, hat aber inzwischen auf die Zuschauerseite gewechselt und feiert mit Freunden am Straßenrand, während der Festzug an ihnen vorbeizieht. Wunderbar.

Doch Heemefeß ist nicht nur Festzug und die Innenstadtkirmes. Heimatfest ist auch Heimatfestnachmittag für unsere Senioren und Heimatfestabend im Leo-Theater. Die Aktiven arbeiten an einem unterhaltsamen Bühnenprogramm, das wie in jedem Jahr die zahlreichen Besucher begeistert. Heimatfest ist auch der historische Stadtrundgang, der jedes Jahr von einer anderen Nachbarschaft ausgerichtet wird und ihren Stadtteil mit vielen historischen Besonderheiten vorstellt. Auch werden im Laufe der Rundgänge der Schwelmer Nachtwächter und die Symbolfiguren Kaal und Krischan „vereidigt“. Besonders schön findet es Schwelmann, dass seit einigen Jahren ein Stadtrundgang speziell für Kinder stattfindet, auf dem die Kids viel über die Geschichte unseres schönen Dorfes erfahren. Nicht vergessen will Schwelmann auch den ökumenischen Heimatfestgottesdienst am Festsamstag. Feierlich mit Einzug der Obernachbarn und den Standarten der Nachbarschaften und musikalischer Untermalung durch den Chor der Nachbarschaften, den „Nohbern“, bei denen auch Schwelmann noch gern und mit großer Freude aktiv ist.

Dem geneigten Leser mag auffallen, dass sich Schwelmann an diesen Traditionen begeistert. Halten sie doch noch ein wenig das alte Schwelm fest. In einer Welt, in der eben diese Traditionen mehr und mehr in den Hintergrund rücken und moderne Technik, KI und Social Media immer mehr Raum einnehmen. Ein immer sichtbares Zeichen, dass sich die Zeiten geändert haben, sind die inzwischen leider notwendig gewordenen Maßnahmen, um Feste wie unser Heimatfest halbwegs sicher abhalten zu können. Und genau wie viele seiner Mitbürger denkt auch Schwelmann sehnsüchtig an jene Zeit zurück, als Fest und Festzug unbeschwert und ohne diese massiven Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden haben und die einzigen Probleme von jenen verursacht wurden, die zu viel vom leckeren Schwelmer Bier genossen hatten. Leider sind diese unbeschwerten Zeiten wohl endgültig vorbei. Viele Veranstalter können sich die immensen Kosten für diese Maßnahmen nicht mehr leisten und immer wieder muss man von abgesagten Veranstaltungen lesen. Sehr, sehr schade. Dennoch sind Feiern und Unterhaltung eine feine Sache, findet Schwelmann. Und kann sich gut daran erinnern, wie viele seiner Mitdörfler genörgelt haben, in Schwelm sei ja nichts los. Inzwischen wird, über das Jahr verteilt, recht viel im Dorf angeboten. Da sind die Sommerfeste und Veranstaltungen der Schwelmer Nachbarschaften und anderer Vereine, das Kirchstraßenfest, das Folklorefest, der Schwelmer Songcontest, das „Eisenfest“, die freitäglichen Feierabendmärkte, Maibaumaufstellung, Weihnachtsmarkt, Streetfoodfest und so weiter.

Erst kürzlich kam mit dem 1. Schwelmer Bürgerfest ein weiteres Straßenfest hinzu. Alle Veranstalter, ob ehrenamtlich oder kommerziell, lassen sich eine Menge einfallen, um ihren Besuchern Unterhaltsames und Kulinarisches zu bieten. Immer auch mit dem Risiko, dass eine Veranstaltung buchstäblich ins Wasser fallen kann. Schwelmanns Motto: Runter vom Sofa und einfach mal hingehen und Spaß haben. Natürlich darf und muss man über die gestiegenen Preise für Getränke und Speisen und sonstige Angebote reden. Findet auch Schwelmann. Längst sitzt das Geld für Vergnügungen bei vielen nicht mehr so locker und manch einer überlegt sich, wie hoch sein Budget dafür ist. Auch Schwelmann staunte nicht schlecht, als für ein Glas Bier 3,50 oder gar vier Euro aufgerufen wurden. Vergessen sollte man dabei nicht die allseits gestiegenen Kosten quasi für alles, die in die Kalkulationen einfließen müssen. Umso erstaunter dürfte nicht nur Schwelmann gewesen sein, als ein Schwelmer Gastronom für die Zeit des freitäglichen Feierabendmarktes seine „Happy Hour“ ausgerufen hat und die Flasche Bier to go für sage und schreibe nur einen Euro angeboten hat. Dass dieses unschlagbare Angebot gerne und zahlreich von den Besuchern angenommen wurde, dürfte verständlich sein. Inwieweit dieses Kampfangebot bei seinen Mitbewerbern auf Begeisterung gestoßen ist, steht dagegen auf einem anderen Blatt.

Freuen wir uns nun also auf ein unbeschwertes und hoffentlich störungsfreies Heimatfest mit allem drum und dran. Lasst uns die Beiträge des Festzuges, die mit viel Mühe und Liebe erdacht und gestaltet wurden, am Straßenrand mit viel Applaus belohnen. Lasst uns auf die Kirmes gehen und zusammen feiern, wo immer wir uns sehen. Und dankbar sein, dass wir das alles noch machen können. In diesem Sinne allen eine gute Zeit. Wünscht bis zum nächsten Mal

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