Ausbildungsmessen 2026 in Witten und Schwelm
Achim Gilfert von der EN-Agentur, einer der Mitveranstalter der Ausbildungsmessen an den Standorten Witten und Schwelm, hat uns auch diesem Jahr wieder aktuelle Fragen beantwortet.
Derzeit gibt es anscheinend mehr Bewerber als Ausbildungsstellen. Das war doch in den letzten Jahren eher umgekehrt, die Unternehmen haben händeringend gesucht. Was ist passiert?
Wir können mehrere Perspektiven erkennen. Fraglos gibt es einen Rückgang bei den Ausbildungszahlen, den es allerdings seit 30 Jahren gibt. Zudem kommt einer dazu, der sich auf die schwierige wirtschaftliche Lage zurückführen lässt. Allerdings ist es so, dass wir bei den Berufsbildungsmessen ein relativ gleiches Interesse bei den Ausstellern haben. Einer der Gründe kann es sein, dass freie Ausbildungsplätze deutlich weniger an die offiziellen zuständigen Stellen gemeldet werden. Diese tauchen dann öffentlich nicht auf. Wir sehen aber auch, dass Schulen und Betriebe vermehrt individuelle Aktivitäten unternehmen und nicht unbedingt weniger ausgebildet wird. Es wird nur anderes akquiriert und rekrutiert. Social Media Anteile wachsen und man spricht die Jugendlichen, die „um die Ecke“ wohnen und zur Schule gehen, direkter an.
Viele Fachkräfte zieht es aktuell ins Ausland. Ist das eine Chance für Azubis?
Offen gestanden kann ich diese Frage nicht beantworten und ich kann mir nicht vorstellen, dass es mehr sind als in den Jahren vorher. Und selbst wenn es so wäre, würde in meinen Augen die Chance für Azubis nicht steigen, da diese mittlerweile auch mit KI konkurrieren. Hier darf man eine Kompensation erwarten. Mit Blick auf die Demographie würde ich also sagen, die Chancen bleiben gleich. Und bewusst gesagt, sie bleiben gleich gut.
Wie geht das Thema „KI (Künstliche Intelligenz)“ zusammen mit den Azubi-Stellen? Ist hier schon eine Auswirkung zu spüren? Gibt es schon Stellen die ausschliesslich das Thema „KI“ beinhalten?
KI verdrängt bei uns keine Ausbildungsplätze, sondern verändert sie von innen. In fast allen Berufen – ob im Büro, in der Werkstatt oder im Gestaltungsbereich – gehört der Umgang mit digitalen Werkzeugen heute selbstverständlich dazu, und KI ist da inzwischen ein Teil davon. Offiziell ist das seit 2021 unter dem Stichwort „digitalisierte Arbeitswelt“ in praktisch jeder Ausbildungsordnung verankert.
Eine echte Auswirkung spüren wir vor allem darin, dass Betriebe wie Azubis das Thema ernster nehmen und Fragen dazu zunehmen. Reine „KI-Ausbildungsstellen“ gibt es bei uns aber nicht – KI ist kein eigener Beruf, sondern ein Werkzeug, das in die bestehenden Berufsbilder hineinwächst. Wer heute Mediengestalter, Kaufmann oder Fachinformatikerin lernt, kommt damit ganz automatisch in Berührung.
Die eigentliche Frage ist, ob die Struktur der dualen Berufsausbildung in der Lage und Willens ist, diese Veränderungen vor dem Hintergrund eines Kontrollverlustes zuzulassen.
Was können wir dieses Jahr Spezielles auf den Messen in Schwelm und Witten erwarten?
Am 1.10. in Witten wurde das pädagogische Konzept noch einmal erweitert. Wir versuchen, mit den Ausstellenden gemeinsam, die Gespräche außerhalb der Stände zu führen, wo es sich ergibt. An der Kreativstation, an der Energiestation oder auch an Gesprächsorten, die über verschiedene Stellen auf dem Gelände verteilt sind. Die Gespräche sollen bewusst informeller beginnen, sie sollen Rollen aufbrechen und zu mehr Beziehung führen. Viele Jugendliche haben Angst, die Ausstellenden direkt anzusprechen. Ganz besonders, wenn da ganz viele Leute hinter dem Stand stehen. Dem wollen wir begegnen. Im Übrigen betrifft das nicht nur die Jugendlichen, sondern auch Ausstellungspersonal fühlt sich manchmal unwohl bei der direkten Begegnung von potentiellen Bewerberinnen und Bewerbern.
Am 14.10. in Witten haben wir den Unternehmenscharackter der Messe weiter geschärft. Durch eine intensive Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, werden wir im Nachmittagsbereich Kundeninnen der Jobcenter sowie Berufstätigen und Wechselinteressierten die Möglichkeit zu geben, an der Messe teilzunehmen. Durch die gemeinsame Bewerbung können wir die Vielfalt der Besuchenden erhöhen. Das Motto lautet: Wenn alle schon mal da sind, warum sollten dann nicht auch alle vorbeischauen“.
Der Messebesuch ist selbstverständlich kostenlos.
Ein Dank an Achim Gilfert von der EN-Agentur in Hattingen.
Die Wirtschaftsförderungsagentur Ennepe-Ruhr GmbH organisiert die Berufsbildungsmessen Zukunft EN im Auftrag des Ennepe-Ruhr-Kreises. Dabei wird sie tatkräftig von der AVU, der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen, dem Märkischen Arbeitgeberverband, der Stadt Schwelm, der IHK Mittleres Ruhrgebiet, der Regionalagentur Mittleres Ruhrgebiet, der Agentur für Arbeit Hagen und dem Jobcenter des Ennepe-Ruhr-Kreises unterstützt.
Mehr Infos zu den Standorten finden Sie auf www.zukunft-en.de
Ausbildungsmesse in Witten
01. Oktober 2026, 08-15 Uhr
Lebenshilfe Witten e. V., Dortmunder Straße 77, 58453 Witten
Ausbildungsmesse in Schwelm
14. Oktober 2026, 08-17 Uhr
Schwelm Arena, 58453 Ennepetal


