Interview mit Jan Schulte

Interview mit Jan Schulte

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Der Artikel „INTERVIEW MIT JAN SCHULTE – Ich glaube, dass so etwas auch jederzeit außerhalb so einer schwierigen Zeit möglich ist“ erschien in der EN-Aktuell 03/20. In der Zeitschrift ist nur ein gekürzter Teil des Interviews zu lesen. Das komplette, ungekürzte Interview finden Sie hier – zum Anschauen, Anhören oder Lesen.

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(Das schriftliche Interview stammt vom ursprünglichen Audiointerview. Das Videointerview wurde nachträglich geführt.)

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Es kommt auf den Akt der Solidarität an, und ich glaube, das war schon ein ziemlich starkes Ding

Dein Name ist für viele im Ennepe-Ruhr-Kreis ein Begriff. Im Zusammenhang mit „Coronahelden“ ist Dein Name in letzter Zeit sehr oft gefallen. Erzähl uns mal bitte etwas von dem Projekt Coronahelden. Wie ist es dazu gekommen und was war das Ziel dieses Projekts?
Ich habe das Ganze ja praktisch nur so ein bisschen hier vor Ort mit koordiniert. Der Initiator ist Lukas Klostermann, den kennen auch die meisten, Nationalspieler, Bundesliga-Profi vom RB Leipzig, der aus Gevelsberg kommt, mit ihm bin ich seit ein paar Jahren befreundet. Das war ziemlich genau an dem Wochenende, an dem bekannt wurde, dass Marco Reus innerhalb von Dortmund irgendetwas für die Dortmunder Wirtschaft machen will, er hat glaube ich eine halbe Million Euro gespendet. Das ist freitags oder samstags bekannt geworden und einen Tag später klingelte abends mein Handy, da war Lukas dran. Er fragte, hast Du das von Marco Reus gehört, ja klar, habe ich mitbekommen. Ich würde auch gerne etwas machen, ich würde gerne etwas für Gevelsberg machen. Hast Du da eine Idee, Du kennst doch Hinz und Kunz, und so kam das Ganze ins Rollen. Wir haben uns erst einmal hinter vorgehaltener Hand darüber unterhalten, was man wie machen kann, auch erstmal welche Summe er gedenkt zu geben, und man kann sicherlich als Fußball-Profi ein bisschen mehr lockermachen als ich das zum Beispiel jemals können würde. Und so kam es dazu.

Also ist die Initiative von ihm ausgegangen, und nicht von Dir beispielsweise oder von der Stadt Gevelsberg?
Nein, tatsächlich nicht. Das hängt natürlich ein Stück weit auch damit zusammen, wir haben es ja gerade schon gesagt, Lukas hat sich in den Kopf gesetzt, dass er 100.000 Euro geben möchte. Das kann ein Otto-Normalverbraucher in der Form einfach nicht. Ich bin mir sicher, dass im Laufe dieser Corona-Zeit, es war ja ziemlich genau zu der Zeit, dass es ins Rollen kam, als dieser Lockdown auf uns alle zukam, dass sich dann in Gevelsberg bestimmt noch irgendetwas ergeben hätte und man dann irgendwie noch etwas gemacht hätte. Aber so war er mit seiner Idee der Hauptinitiator des Ganzen, und dann sind wir oder vielmehr ich bei der Stadt vorstellig geworden, weil Lukas ja praktisch im Exil in Leipzig gesessen hat. Da sind wir natürlich offene Türen eingelaufen. Es war natürlich klar, dass die da auch Bock darauf haben würden.

Einen Großteil der Summe hat Lukas Klostermann gespendet, 100.000 Euro. Bei der Summe ist es aber letztendlich nicht geblieben.
Nein, Lukas wollte das speziell auch als solches verstanden wissen, dass er mit den 100.000 Euro vorlegt, aber eben auch immer an dieses Gemeinschaftsgefühl appelliert, das in Gevelsberg vorherrscht, und das auch ein Stück weit einmalig ist. Das hat man jetzt auch gesehen zu Zeiten der ausgefallenen Kirmes, die Solidarität untereinander ist einfach riesengroß in Gevelsberg. Er hat also gesagt ich lege vor, würde mich aber freuen, wenn jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten noch etwas drauflegt. Und dann sind im Laufe dieser zwei Wochen, die wir praktisch als Zeitraum festgelegt hatten, noch einmal rund 18.000 Euro dazugekommen. Da waren auch Spenden bei, zum Beispiel von den Taubenvätern, so 5.000 Euro, das ist eine Menge Holz, aber auch Leute, die gesagt haben, ich kann nicht so viel oder ich habe gar nicht so viel. Da sind auch Leute gekommen, die haben zehn Euro gegeben, aber das ist in keiner Form abzuwerten. Wie Lukas klar sagte, jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten, und da kann der eine mehr und der andere weniger, aber es kommt auf den Akt der Solidarität an, und ich glaube, das war schon ein ziemlich starkes Ding.

Wer sollte denn am Ende von dem Geld profitieren?
Wenn man am Telefon so eine Idee miteinander herumspinnt, dann denkt man sich, das läuft alles so. Dann bekommt der was und der bekommt was, das ist dann aber doch nicht so leicht. Man muss natürlich auch schauen bei so etwas, wie wirst Du möglichst allen gerecht? Du kannst nie allen gerecht werden, aber Du kannst versuchen, Dich dem Ganzen irgendwie anzunähern. Dann war die Idee, die wir dann auch mit der Stadt Gevelsberg, besonders mit der Wirtschaftsförderung und auch mit dem Bürgermeister und seinen Mitarbeitern aus dem Bürgermeisterbüro besprochen haben, die, dass wir die Spendensumme praktisch halb/halb nehmen. Das eine soll an die Leute gehen, die in dem Sinne betroffen sind, dass die Läden geschlossen bleiben mussten, also Einzelhändler, die definitiv kein Einkommen usw. hatten, die einfach den Laden geschlossen halten mussten oder nur bedingt öffnen konnten. Der andere Teil davon war die Idee, was ist mit den sogenannten Helden des Alltags, die ja gerade jetzt zu dieser Corona-Zeit einfach in aller Munde waren. Das sind einmal mehr natürlich die Leute im sozialen Bereich, in Pflegeheimen oder auch in Krankenhäusern, über die man immer wieder einmal wellenartig spricht, die eine Mordsarbeit leisten, die aber viel zu wenig Kohle dafür bekommen theoretisch gesehen. Wie kann man denjenigen allen gerecht werden? Und nicht nur denen alleine, sondern auch Leuten, die versucht haben, das öffentliche Leben am Laufen zu halten, Busfahrer zum Beispiel, die ja trotzdem fahren mussten unter widrigen Bedingungen, oder auch LKW-Fahrer, die geschaut haben, dass die ganzen Waren weiter transportiert werden konnten, Supermarktmitarbeiter, da ist ja jeder für sich irgendwie ein Held. Das war für die andere Hälfte die Idee zu sagen, denen tun wir mal etwas Gutes und kaufen Gutscheine für die, damit die damit etwas machen können. Und diese Gutscheine wiederum haben wir in den Läden, die sich bei uns beworben haben, bestellt. Wir haben gesagt, wenn Ihr mitmachen möchtet, müsst Ihr für die andere Hälfte Gutscheine zur Verfügung stellen, und die verteilen wir dann an die Leute, die sich als Coronaheld beworben haben oder bei uns beworben worden sind. Das ist ja eigentlich eine Win-win-Situation.

Einerseits profitieren die Betriebe natürlich von der Summe und ermöglichen natürlich auch den Coronahelden dann vielleicht genau diesen Zuschuss, den man brauchen kann, oder vielleicht wirklich mal die Stunden mit der Familie woanders verbringen zu können, in diesen Betrieben, die letztendlich auch davon profitieren können.
Genau, und dann ist ja noch das Schöne obendrein, das Geld der Gutscheine ist ja auch noch einmal an diese Läden und Betriebe gegangen. Insgesamt stellten sich 68 Läden, die sich beworben haben, als förderungswürdig heraus. Wir haben das natürlich wohlwollend gemacht und dann vielleicht auch einmal das eine oder andere Auge zugedrückt bei der Auswahl, und die haben insgesamt eine Summe von 1.600 Euro bekommen. 800 Euro, also die Hälfte davon, war in Gutscheinen auszustellen. Wichtig war uns, vor allem auch Lukas, der ja den größten Batzen als Geld da zugesteuert hat, dass der Umsatz in Gevelsberg bleibt, damit man da die Wirtschaft so ein bisschen am Leben hält.

Besondere Zeiten erfordern besondere Projekte wie dieses hier. Meinst Du, so ein Projekt wäre auch außerhalb dieser besonderen Umstände möglich gewesen?
Das ist eine gute Frage. Ich habe es ja schon eingangs erwähnt, wenn ich jetzt bei Gevelsberg bleibe, ich glaube, das ist eine Stadt, die sich in den vergangenen Jahren so positiv entwickelt hat, wo die Leute auch stolz sind, Teil des Ganzen zu sein. Ich glaube, dass so etwas auch jederzeit außerhalb so einer schwierigen Zeit möglich ist. Aber wenn man einmal ehrlich ist, Anfang des Jahres hätten wir alle nicht gedacht, dass so etwas überhaupt einmal auf uns zukommen würde, dass wir durch so etwas einmal durch müssten. Mir fällt es jetzt sehr schwer, sich ein anderes Szenario vorzustellen, das vielleicht ähnliche Solidarität erfordern würde, ich bin mir aber sehr sicher, dass, wenn noch einmal irgendetwas in der Form wäre, auch da wieder die Solidarität sehr groß wäre.

Was hat Dir dieses Projekt persönlich gegeben?
Gevelsberg ist meine Heimatstadt, auch wenn ich momentan in Ennepetal wohne, das hat letztes Jahr aber rein private Gründe gehabt, warum ich umgezogen bin. Aber ich bin absoluter Gevelsberger und werde da auch schon irgendwann wieder hinziehen, das ist ganz klar. Es hat einmal mehr gezeigt, was für ein Zusammenhalt herrscht, was man auch ins Rollen bringen kann, wenn einer mal sagt, ich gehe jetzt mal voran, macht doch bitte alle mit. Wie gesagt, diese 18.000 Euro, die da innerhalb von zwei Wochen noch dazu gekommen sind, haben auch ganz klar gezeigt, dass die Leute sich auch mitreißen lassen und auch mitgehen wollen bei so etwas, und das alles auch irgendwie erhalten wollen. Ich glaube, das ist für jeden einfach ein schönes Gefühl, für mich besonders auch. Wir waren uns natürlich einfach nicht sicher, wie kommt es an? Dass das sicherlich Leute gut finden würden, das war klar, denn wenn ein junger Mann, Lukas ist 24 geworden Anfang Juni, hergeht und sagt, schaut mal Leute, ich bin einer von Euch, ich komme von hier und ich weiß das auch und werde das nie vergessen, egal, in welchen Champions League Stadien der Welt er spielt. Und da gibt er 100.000 Euro und dann kam so eine Welle der Euphorie dahinter her, so viel Zuspruch und Leute, die auch aus anderen Städten gesagt haben, Mensch, das ist mal wieder typisch, klasse, da kann man ein Stück weit auch neidisch drauf blicken, aber mit positivem Neid. Einfach ein Teil davon zu sein und zu sehen, was sich dann wirklich aus so einer Idee, die man irgendwie sonntagabends auf dem Sofa am Telefon beschnackt hat, entwickeln würde, das war schon echt cool, hat echt Bock gemacht. Auch, wenn es sehr viel Stress war.

Man hat dann hinterher, als Eure Aktion zu Ende war, natürlich auch besonders viel in Social Media die Profiteure der Gutscheine gesehen, die Coronahelden, die Betriebe, denen Ihr unter die Arme gegriffen habt, der Bürgermeister zusammen mit Dir. Wie war denn die Resonanz auf Lukas dann am Ende? Ihn hat man natürlich, nachvollziehbarerweise, nicht hier gesehen, aber was hält er von der ganzen Aktion und von dem Ausgang des Projekts?
Ich kann sagen, Lukas war zwischendurch mal da, aber dann ging es ja auch wieder, gerade während des Coronahelden Projekts, in die Phase, dass klar war, dass die Bundesliga wieder losgehen würde. Wann genau war dann noch nicht absehbar, aber Lukas hat dann wieder Training, muss natürlich in Leipzig sein, und das ist ja auch nicht mal eben um die Ecke. Aber natürlich war er auch mal hier, er hat ja zum Beispiel auch ein Video in Gevelsberg mit aufgenommen, wo wir dazu aufgerufen haben. Ich glaube einfach, dass er da auch noch einmal wirklich viele Pluspunkte gesammelt hat. Es gibt natürlich Leute, das ist ganz klar, die stehen vielleicht nicht so ganz hinter dem Verein, bei dem er spielt, bei RB Leipzig, viele finden das Konstrukt dahinter nicht gut. Auch da haben wir vorher drüber gesprochen, ob da nicht vielleicht der eine oder andere, gerade im Internet wird das Ganze ja auch sehr schnell zu einem Selbstläufer, mal ankommen würde und sagen würde, ja, aber woher hat er denn das Geld oder so in der Art. Ich habe es intensiv verfolgt, es hat da nicht eine Anfeindung, nicht ein böses Wort oder so etwas gegeben. Das Schöne ist ja, dass viele von den Profiteuren natürlich auch sicherlich fußballinteressiert sind, das heißt also auch Schalker, Dortmunder, Gladbacher, Kölner, Bayern-Fans, weiß der Kuckuck was, konnten alle etwas davon mitnehmen, und keiner hat irgendwie irgendein böses Wort darüber verloren. Ich will jetzt nicht sagen er bekommt ein Denkmal gesetzt, aber ich glaube, damit hat er sich einmal mehr in die Herzen der Gevelsberger gespielt.

Hätte Lukas auch gedacht, dass es wirklich diese fast ausnahmslose positive Resonanz mit sich zieht?
Kann ich gar nicht so sagen. Lukas ist schon vieles gewohnt. Das auch sicherlich aus dem Blickwinkel, dass er bei dem Verein spielt, wo er spielt, bei Leipzig. Dass er sich da immer einmal wieder etwas anhören muss, oder generell auch seine Mannschaftskollegen, egal, wo sie auswärts spielen, da kommt ja immer irgendeine Anfeindung. Lukas ist sehr vorsichtig mit so etwas, er neigt aber überhaupt nicht dazu, dann irgendwie dagegen zu schießen, sondern man muss einfach auch sagen, je mehr Du in der Öffentlichkeit stehst und vielleicht auch Dinge machst, die andere Leute direkt betreffen, je mehr polarisiert Du. Mit so einer Geschichte hat er insofern polarisiert, dass die Leute alle positiv darauf reagiert haben. Mögliche Befürchtungen, die er mir gegenüber jetzt zum Beispiel auch nicht öffentlich geäußert hat oder so, sind damit glaube ich direkt begraben worden, und die waren auch gar nicht nötig. Das Ding hat einfach so für sich gesprochen, das hat so gerollt, und das haben so viele Leute so toll gefunden. Ich glaube, der eine oder andere schaut jetzt intensiver, wenn der RB Leipzig spielt.

Tolle Aktion, ein tolles Projekt, hat wirklich fast nur Gewinner hervorgebracht. Ich habe es eingangs gesagt, vielen bist Du, Dein Name und insbesondere Deine Stimme im Ennepe-Ruhr-Kreis sehr bekannt. Du warst sehr lange Zeit die Stimme von Radio EN, heute Radio Ennepe Ruhr. Was hat Dich bewogen zu dem Schritt weg von Radio Ennepe Ruhr hin zum WDR?
Das ist jetzt so ziemlich genau ein Jahr her. Der Freitag nach der Gevelsberger Kirmes 2019 war meine letzte Sendung, das war glaube ich der 5. Juli. Da denke ich momentan tatsächlich noch sehr viel drüber nach, weil es eben ein Jahr her ist. Ich habe viele Jahre bei Ennepe Ruhr gearbeitet, ich habe als freier Mitarbeiter während meines Studiums da angefangen und durfte da meine ersten Schritte gehen und mich das erste Mal ausprobieren im Radio. Dass ich dann irgendwann derjenige sein würde, der nach dem Volontariat und nach dem Studium dann da sogar einmal die Morgenshow bekommen würde, hätte keiner gedacht. Das war immer mein Traum, ich war mit 14 das erste Mal da in dem Studio und habe damals gedacht, da möchtest Du auch einmal hin, das möchtest Du auch einmal machen. Dass das dann alles so kam, war glaube ich sicherlich Ehrgeiz und Fleiß, aber ich glaube noch viel mehr Glück, dass sich das alles irgendwann so mal gefügt hat und man zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Ich habe dann aber auch irgendwann das Bedürfnis gehabt, ich möchte gerne noch mehr machen, ich möchte vielleicht noch ein bisschen überregionaler werden. Überhaupt nicht aus dem Grund, dass man bekannter werden möchte. Ich bin Journalist, ich bin kein Gaukler oder Entertainer. Dann ergab sich das im vergangenen Jahr, dann kam tatsächlich ein privater Kontakt mit dem WDR in Köln zustande. Wir haben uns gegenseitig kennengelernt und dann war von deren Seite aus die Möglichkeit gegeben zu sagen, wenn Du möchtest, dann kannst Du hier bei uns anfangen, wir würden uns freuen. Es ist für mich einfach ein Karrieresprung gewesen. Ich bin natürlich jetzt weitaus weniger auf Antenne oder weitaus weniger in der Wahrnehmung der Leute als das vorher der Fall war mit der täglichen Morgenshow, ganz klar. Aber auch jetzt, nach diesem einen Jahr, in dem ich nicht mehr bei Radio Ennepe Ruhr sondern beim WDR als fester freier Journalist arbeite, passiert es trotzdem noch regelmäßig, dass Leute mich auf Ennepe Ruhr ansprechen oder Dich erkennen, das ist auch immer schön. Zur Corona-Zeit ist es da ganz angenehm gewesen durch die Maske, dass da nicht jeder durch die Maske sofort etwas erkannt hat. Ich wollte einfach noch einmal etwas Neues machen. Ich war 31, bin jetzt 32, und dachte, wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es gar nicht mehr. Ich muss auch sagen, ich habe da ein tolles Team verlassen, in dem mir aber auch die meisten gesagt haben, wenn Du diese Chance hast, dann nutze sie, dann mach es.

Was war das denn für ein Gefühl, jetzt endlich mal morgens ausschlafen zu können und nicht um halb vier morgens der Wecker klingelt?
Das dachte ich auch, nie wieder 3.30 Uhr der Wecker, und dann lachte sich mein Studioleiter in Dortmund schon kaputt und sagte, ich habe im Dienstplan schon die ersten Frühdienste für Dich vorgesehen. Also, es hat sich insofern nichts geändert. Ich präsentiere da jetzt regelmäßig auf WDR2 die Lokalzeit aus Dortmund im Radio und bin als Reporter für alle WDR Wellen zuständig oder unterwegs. Wenn ich Frühdienst habe, muss ich um 5 Uhr in Dortmund sein. Das heißt, das ist gehopst wie gesprungen, jetzt muss ich sogar noch weiter fahren. Es ist aber nur nicht mehr jeden Tag, von daher ist es aushaltbar, das geht schon.

Du bereust den Schritt nicht, das höre ich heraus.
Bereuen auf keinen Fall, ich kann jetzt nach einem Jahr deutlich sagen, dass ich da gut angekommen bin, aber meine alte Arbeit oder auch der Ennepe-Ruhr-Kreis, dieses Senden für die Heimat, das fehlt mit absolut. Auch das Moderieren fehlt mir. Da bin ich jetzt in einer anderen Schiene, vor allem nachrichtlich, also journalistischer unterwegs. Es hat alles sein Für und Wider, aber es ist alles ok so, wie es ist.

Was Du Dir vielleicht auch nicht hättest denken können ist, dass Du dieses Jahr nicht die Kirmes moderieren wirst. Ein Sommer komplett ohne Kirmes ist gewöhnungsbedürftig, oder?
Ja, also mein Herz hat, wie das von so vielen Gevelsbergern oder auch vielen Leuten auch aus anderen Städten, die die Kirmes immer mochten oder da gerne hingegangen sind, geblutet, absolut. Ich habe dann auch am Freitagabend verfolgt, als das Kirmes Anblasen ja trotzdem stattgefunden hat, da gab es ja dann eine Liveübertragung im Internet davon, dann hat auch noch meine Redaktion, die WDR Lokalzeit Redaktion, eine Liveschaltung dahin gemacht. Ich habe das auf dem Fernseher verfolgt, mit dem Handy dann den Livestream geguckt, auf dem Fernseher die Lokalzeit geguckt, und sowohl meine Freundin als auch ich saßen da mit Tränen in den Augen. Das kann man vielleicht als jemand, der da nicht mit groß geworden ist und der vielleicht auch nicht aus der Stadt kommt, nicht so ganz nachempfinden und denkt sich, ihr habt schon gewaltig einen an der Pfanne, aber es war insgesamt schon echt hart für alle. Ich hätte es mir nicht vorstellen können, dass wir in diesem Jahr nicht da oben auf der Markthalle stehen, der Horst ? und ich und den Zug kommentieren für alle oder da so ein bisschen die Leute zum Jodeln bringen. Uns bleibt nur zu hoffen, dass es nächstes Jahr wieder funktionieren wird.

Wenn Du einen Ort hier im Ennepe-Ruhr-Kreis wählen müsstest, wo Du ziemlich gut abschalten kannst, welcher wäre das?
Es gibt viele Orte, an denen ich gerne bin. Ich wohne ja jetzt in Voerde, das heißt, gerade von hier aus ist man sehr schnell an der Hasper Talsperre. Das ist ja dann natürlich nicht mehr Ennepe-Ruhr-Kreis, das ist ja genau die Stadtgrenze, aber das finde ich schon sehr idyllisch. Und ansonsten, abschalten muss ja nicht immer heißen, dass es ruhig zugehen muss, sondern dass man einfach mal alles um sich herum vergisst, und dann sind wir wieder da, wo wir gerade schon drüber gesprochen haben, dann ist das einmal im Jahr für mich fünf Tage lang Remmidemmi und Radau, das ist dann die Gevelsberger Kirmes. Das ist meins, und das liebe ich schon sehr.

Ich danke Dir vielmals, alles Gute und bleib gesund.

Interview auch als Podcast verfügbar.

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