Interview mit Roman Voss

Interview mit Roman Voss

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Der Artikel „INTERVIEW MIT Roman Voss – „Brauen wir doch einfach ein eigenes Bier!“ erschien in der EN-Aktuell 04/17. In der Zeitschrift ist nur ein gekürzter Teil des Interviews zu lesen. Das komplette, ungekürzte Interview finden Sie hier – zum Anhören oder Lesen.

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„Brauen wir doch einfach ein eigenes Bier!“

2011 war ein trauriges Jahr fĂĽr die Schwelmer. Erinnerst Du Dich?
Ja, ich erinnere mich noch recht gut dran. Da hieß es, dass die Brauerei zumachen sollte, das war auch nicht das erste Mal. So richtig aufmerksam geworden bin ich damals durch die Demos. Wir haben uns da angeschlossen, da lernt man die Leute ja automatisch kennen. Dann wird man von den Demo-Veranstaltern zu den Treffen eingeladen und dann kommt man in diese Sache rein. Es war für uns traurig, wir haben immer gedacht: „Gehst’e mal die Brauerei besuchen, machst’e eine schöne Brauereibesichtigung, die ist ja immer da!“. Und auf einmal war sie weg! Das war für uns persönlich nicht so toll.

Was war der Grund, warum sie geschlossen hat?
Da gibt es viele Spekulationen. Das meiste, was die Leute erzählen, es wäre Fehlmanagement gewesen, dass da wohl viele falsche Entscheidungen getroffen wurden. Man weiß es halt nicht genau, ich selber stecke da nicht mit drin. Es könnte auch sein, dass sie einfach weg sollte, dass keiner Lust hatte, da eine Brauerei zu haben. Oder dass, wie schon jetzt geplant, da irgendwas hingebaut werden sollte, und die Brauerei da einfach gestört hat. Wie gesagt, ich weiß nichts Genaues. Die Manager wissen das wahrscheinlich besser, aber zu ihnen habe ich ja keinen Kontakt.

Die Schwelmer hatten vieles versucht, die Brauerei zu retten, unter anderem mit sogenannten„Fläsch-Plöpps“. Was ist ein „Fläsch-Plöpp“?
In Anlehnung zu einem Flash-Mob wurde aufgerufen, sich am Getränkeladen zu treffen und Schwelmer Bier zu kaufen, um einfach noch ein bisschen Umsatz für die Schwelmer Brauerei zu machen.

Am 17. August 2011 wurde dann der „Verein für Erhalt und Förderung Schwelmer Brautradition“ gegründet. Wer waren die Gründer und was war die Idee dahinter?
Die Gründer? Da müsste ich jetzt in den Unterlagen nachschlagen. Auf jeden Fall war ich von Anfang an dabei,. Auch Klaus (Kaiser) war dabei, alle anderen Namen müsste ich nachschauen, die habe ich nicht im Kopf. Die Idee war, dass wir einen Verein gründen wollten. Wir wollten etwas tun für die Bewegung, für die Brauerei, und da war es naheliegend  einen Verein zu gründen. Da kann man relativ schnell viele Mitglieder organisieren. Das war der Hintergrund. Des Weiteren wollten wir Leute erreichen um die zu mobilisieren, um vielleicht noch mehr Demos zu machen oder irgendwie anderweitig unterstützen. Wie auch immer, wir wollten schauen, dass wir die Leute irgendwie unterstützen, und da war der Verein eben das Naheliegendste.

In Eurem Verein ist ein neues Schwelmer Bier entstanden. Wie heißt es und vor allem wie schmeckt es?
Unser Bier, da muss ich eine kleine Geschichte zu erzählen. Es wurde damals trotz unserer Bemühungen die Brauerei geschlossen und dann hatten wir im Grunde nichts mehr zu tun. Wir sind dann auf die Idee gekommen: Brauen wir doch einfach ein eigenes Bier! Dazu muss ich jetzt sagen, wir haben wirklich jeden Anfängerfehler mitgenommen, das war eine sehr lustige Zeit damals. Wir haben uns dann entschlossen, das Ganze ans Schwelmer Platt anzulehnen, und haben unser Bier dann „Use Beerken“ genannt, was übersetzt „Unser Bierchen“ heißt. Weil es ja einfach auch von uns ist, von uns Schwelmern. Das ist nach vielen Selbstversuchen dann ein dunkles Naturtrübes geworden, das nicht ganz so bitter ist.

Kann man „Use Beerken“ im Supermarkt kaufen oder auf dem Heimatfest trinken?
Nein, das geht nicht. Zum Verkauf müssten wir eine eigene Braustätte haben, da arbeiten wir zwar dran, aber die haben wir noch nicht, denn da gibt es jede Menge rechtliche Auflagen. Verkaufen dürfen wir es noch nicht, aber wir brauen ja auch für die Vereinsmitglieder und wir machen verschiedene Veranstaltungen. Wenn in der Stadt ein Fest ist, stehen wir auch schon einmal mit einem Probierstand da, dort kann man es mitunter auch probieren. Auf dem Heimatfest wären wir gerne, ist aber eine Nummer zu groß. Wir haben jetzt eine Brauanlage, die macht 70 Liter, und für das Heimatfest, da würden wir bestimmt mehrere tausend Liter brauchen, das ist erstmal nicht drin. Vielleicht in ein paar Jahren, aber das ist alles noch Zukunftsmusik. Wir machen einen Schritt nach dem anderen.

In Deutschland sind Craft-Beers stark im Kommen. Hätte ein leckeres Craft Beer wie das „Use Beerken“ die Brauerei damals nicht vielleicht retten können? Wie ist Deine Einschätzung?
Nein, das glaube ich nicht. Die Brauerei hatte ja gute Biere. Die hatten ja auch mitunter ein preisgekröntes Alt anzubieten, also ich glaube nicht, dass das an dem Bier lag, auch wenn zuletzt die Qualität nicht mehr ganz so gut war.  Aber das lag wohl eher daran, dass sie die Reste verkaufen wollten. Nein, ich denke nicht, dass ein weiteres gutes Bier die Brauerei gerettet hätte.

Kommen wir zum Thema Brauschau. Ihr besucht nicht nur die ein oder andere Brauschau, Ihr habt selber schon zwei veranstaltet. Was genau passiert auf einer Brauschau?
Die Idee zur Brauschau haben wir aus Münster übernommen. Da werden Hobby-Brauer eingeladen, die dann ihre selbstgebrauten Biere präsentieren. Die Zuschauer kommen dann zu dir, kriegen eine kleine Probe von 50 Milliliter und probieren dann die Biere durch, um einfach einmal zu sehen, was man so aus Bier alles machen kann. Das ist eine reine Hobby-Brauer-Veranstaltung. Wir hatten das damals in Münster entdeckt und fanden das Konzept so super, da haben wir uns gedacht, das könnte auch was für Schwelm sein! Und haben die Brauschau dann einfach einmal mit Erlaubnis komplett hier rüber genommen. Wir waren die ersten beiden Male schon recht erfolgreich und wollen jetzt die nächsten Jahre auch die Brauschau weiter betreiben, weil es einfach eine gute Sache ist. Wir finden sie selber sehr gut und sie kommt bei den Zuschauern auch super an.

Veranstaltet Ihr dieses Jahr Eure 3. Brauschau in Schwelm? Gibt es schon einen Termin?
Ja, den 21.Oktober. Den haben wir schon festgemacht. Wir wollen die Brauschau ab jetzt immer Ende Oktober machen, dann sind wir außerhalb der ganzen großen Bierveranstaltungen. Es wäre ja blöd, wenn wir mit einer großen Bierveranstaltung konkurrieren müssten, da haben wir ja nichts von. Da kommen dann die Brauer nicht, dann kommen die Besucher nicht. Da haben wir uns gedacht, wir machen das immer Ende Oktober, da hat man dann meistens auch mit dem Wetter noch Glück, das passt dann ganz gut.

Was wollt ihr in der dritten Brauschau anders machen?
Die erste haben wir ja in einem kleinen Vereinsheim gemacht, die zweite durften wir dann durch einen glĂĽcklichen Zufall im L.A. Diner bei uns machen. Die dritte werden wir jetzt auch wieder im L.A. Diner machen, nur werden wir aus den Kritiken und den Fehlern aus der Letzten ein bisschen lernen. Wir haben jetzt deutlich mehr Platz, die letzte war ein bisschen klein, und ich hoffe, dass auch diesmal mehr Zuschauer kommen als letztes Jahr.

Wie viele Zuschauer waren denn da?
Also letztes Mal hatten wir so zwischen 120 und 150, das konnten wir nicht ganz genau festhalten. Auch einer unserer Fehler: wir hatten vergessen, die Karten vorher zu zählen. Dieses Jahr wollen wir schauen, dass wir um die 200 oder 250 Besucher schaffen. Wir müssen mal schauen, wie sich das ergibt.

Und dort wird immer auch ein Bier prämiert?
Genau, die Zuschauer wählen ihr Lieblingsbier und der Gewinner oder die Gewinner-Brauerei, ich nenne sie jetzt einmal Brauerei, es sind ja eigentlich Hobby-Brauer, bekommt dann einen Preis. Also die ersten drei werden in diesem Jahr einen Preis bekommen.

Als Verein nehmt Ihr auch jedes Jahr am Schwelmer Songcontest teil und schickt Eure musikalische Geheimwaffe ins Rennen. Red Bull verleiht Flügel, verleiht Use Beerken etwa Starpotential?
Das glaube ich nicht. Aber es hilft bestimmt, ein bisschen lockerer zu werden. Wir haben uns jetzt die letzten Jahre mit unseren „Beer Brothers“ erfolgreich von einem Platz auf den nächsten hoch gekämpft. Es ist auf jeden Fall ein schöner Songcontest und es ist auf jeden Fall eine lustige Veranstaltung. Definitiv! Von so etwas lebt Schwelm!

Wer ist denn bei den „Beer Brothers“ so dabei?
Das sind der Klaus, der Thomas, der Jörg und die Svenja

Und dort wird wie beim europäischen Songcontest das beste Lied gewählt?
Ja, ganz genau.Jede teilnehmende Institution stellt auch einen Juror, der allerdings nicht seinen eigenen Beitrag wählen darf. Und diese wählen dann ihren Lieblingsbeitrag und das wird dann am Ende zusammengezählt.

Und der beste Platz der „Beer Brothers“ bisher?
Platz 10.

Wenn Dir der ganze Vereinstrubel zu viel wird und Du Ruhe suchst, hast Du einen Tipp wo sich im EN-Kreis ein besonderer Ort der Ruhe und Entspannung finden lässt?
Ich denke, das ist für jeden nach persönlichem Geschmack verschieden. Ich bin gerne bei der Familie. Wir haben hier in der Nähe die Kemnade, da kann man schön entspannen. Oder für Sportler ist jetzt seit einiger Zeit die Nordbahntrasse offen oben in Wuppertal. Von uns aus hier kann man viel machen, aber wie gesagt, das liegt halt an jedem selber, wo er seine Erholung findet.

Du bist also besonders gerne in der Natur?
Zum Entspannen auf jeden Fall, gerne auch im Garten.

1 Kommentar
  • Pingback:EN-Aktuell Juni 2017 - EN-Aktuell
    Geschrieben um 16:01h, 31 Mai Antworten

    […] ein spannendes Interview mit einer Persönlichkeit aus dem EN-Kreis. Wir haben dieses Mal mit Roman Voss aus Schwelm gesprochen, dem Botschafter des Schwelmer Bieres und Vorsitzenden des Vereins fĂĽr Erhalt und […]

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