SCHWELMANNS Kolumne | März 2017

Der Schwelmann muss ins Dorf…

…und lässt das Familienauto besser dort, wo es ist, nämlich in der Garage und steigt zu Fuß vom Berg herab.

Der Grund sind die vielen Baustellen in Schwelm und die damit verbundenen umgeleiteten Verkehrsführungen und Sperrungen, die das Erreichen der Innenstadt mit dem Auto recht kompliziert machen. Selbst die öffentlichen Verkehrsmittel sind keine Alternative, wird doch der beliebte und stadtnahe Haltepunkt „Kreishaus“ seit vielen Wochen nicht mehr angefahren. Überall wird seit Wochen gebuddelt und gegraben was das Zeug hält. Kanalsanierungen, Kabelverlegungen und was sonst noch dazu geeignet ist, Straßen zu sperren und Gräben zu graben. Am Schwelmer Bahnhof kann man zumindest schon äußerlich deutliche Fortschritte erkennen, strahlt doch die Fassade inzwischen in frischen Farben.

Ein paar hundert Meter weiter allerdings, dort wo seit Jahren eine große Baustelle angekündigt und vom Bürger erhofft wird, herrscht immer noch die große Stille hinter den Mauern. Auf dem sogenannten Filetgrundstück inmitten der Stadt, wo einstmals die guten Schwelmer Biere gebraut wurden, tut sich nichts. Da streiten sich Gegner und Befürworter des neuen Rathauses inmitten der Stadt monatelang, plötzlich wird die Lösung „Rathaus auf dem Brauereigelände“ gar nicht mehr als so abwegig empfunden und die anstehende Gerichtsentscheidung über das Bürgerbegehren kurzfristig bis auf weiteres ausgesetzt. Eine Entscheidung pro Filetrathaus wirft allerdings weitere Fragen auf. Was geschieht mit der ehemaligen Gustav-Heinemann-Schule, deren angeblich immer weniger werdenden Schüler ja bekanntlich erst vor kurzem in die umliegenden Städte ausgelagert wurden? Und wird tatsächlich wegen der steigenden Schülerzahlen der Neubau einer Schule in Schwelm notwendig?

Bliebe noch ein lebloses Gebäude am Stadtrand, nahe der Grenze zu Wuppertal, welches inzwischen aus Schwelmanns Fokus und den der meisten Schwelmer Bürger geraten war und erst durch einen auch in Facebook veröffentlichen Zeitungsartikel wieder dorthin gerückt ist: Das ehemalige Trendsport- und Bowlingzentrum Shangrila. Dessen Eigentümer und ehemaligen Betreiber beklagt in einem Interview die mangelnde Bereitschaft der Schwelmer Verantwortlichen gemeinsam nach einer weiteren sinnvollen Nutzung zu suchen. Und dies trotz einiger seiner Vorschläge – unter anderem als Flüchtlingsunterkunft – , welche nach eigenen Aussagen der Stadt mehrere Millionen Steuergelder gespart hätte. Bleibt für Schwelmann nur die Erkenntnis, dass man dieser Tage kein Ratsherr mit der Aufgabe, vorausschauende Beschlüsse zum Wohle des Dorfes und seiner Einwohner treffen zu müssen, sein möchte.

Mal sehen, was der bevorstehende Frühling so bringt. Auf jeden Fall wird er deutlich weniger blühender Bäume in Schwelm bringen, werden diese doch derzeit in großen Stückzahlen überall im Stadtgebiet abgeholzt. Quasi über Nacht verschwinden viele dieser prächtigen Bäume, welche zum Teil schon über Jahrzehnte das Stadtbild an ihren Standorten mitgeprägt haben. Alle krank? Muss dann wohl eine Epidemie sein. Oder sorgt da nur ein verantwortlicher Stadtmensch mit Pollenallergie vor? Gedankenverloren setzt Schwelmann seinen Weg ins Dorf fort und summt leise Bob Dylans „The Times they are a changin“ vor sich hin.

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