SCHWELMANNS Kolumne | Oktober 2018

SCHWELMANNS Kolumne | Oktober 2018

🕓 Lesezeit circa 4 Minuten

Schwelmann zum Thema Fremdenfeindlichkeit

UnlĂ€ngst war Schwelmann Gast an einem „Tag der offenen TĂŒr“, zu dem eine Schwelmer Grundschule eingeladen hatte. Und wie das in einer Grundschule so ĂŒblich ist, tobten die vielen Kinder lautstark durch die GĂ€nge und Flure. Was Schwelmann dann recht schnell aufgefallen ist, war die SelbstverstĂ€ndlich- und Ungezwungenheit, mit der die Kinder aus vielen unterschiedlichen Nationen und Hautfarben miteinander umgegangen sind. Der „Migrationshintergrund“ war völlig unwichtig und einzig das GefĂŒhl, der oder die ist nett, entschied, ob man zusammen tobte oder spielte. Auch das zur Labung der vielen Besucher aufgebaute Buffet des Fördervereins der Schule war wahrlich multikulturell. Viele Köstlichkeiten aus aller Herren LĂ€nder wurden angeboten und Schwelmann, bekennender Freund solcher Leckereien, hat reichlich Gebrauch vom Dargebotenen gemacht.

Dabei fragte ich mich: Was muss passieren, dass diese SelbstverstÀndlichkeit des Umgangs miteinander in Ablehnung bis hin zum Hass umschlÀgt? Schwelmann hat viele gute Freunde und Bekannte. In der Regel alles liebe und nette Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, gesellig, umgÀnglich und tolerant, aus allen sozialen Schichten. Seit einiger Zeit muss Schwelmann aber aus diesen Reihen verstÀrkt Worte und Meinungen vernehmen, die nicht nur meine Stirn runzeln lÀsst, sonder mir regelrecht Angst bereitet.

Da ist zum Beispiel der gute Kollege, den man schon so viele Jahre kennt und mit dem man schon so manche vergnĂŒgte Stunde bei allerlei Gelegenheiten verbracht hat. Streit gab es nie und Meinungsverschiedenheiten bestenfalls beim Fußball. Jener Kollege, ĂŒber den hier stellvertretend fĂŒr noch viele andere berichtet wird, fĂ€hrt z.B. gerne in den Urlaub. TĂŒrkei, Griechenland, Ägypten, Kanaren… ĂŒberall war es schon. Er geht auch gerne Essen: zum Griechen, zum Chinesen, zum Italiener und zwischendurch darf es auch schon mal ein Döner sein. Seine Kleidung kommt ĂŒberwiegend aus Asien, die dort von NĂ€herinnen fĂŒr Hungerlöhne produziert werden. FĂŒr das Leder seiner Schuhe stehen irgendwo in der Welt Kinder bis zu den HĂŒften in giftiger GerbbrĂŒhe. Die seltenen Metalle und Rohstoffe, die fĂŒr die Herstellung seines Smartphones benötigt werden, graben Menschen unter schlimmsten Arbeitsbedingungen aus afrikanischen Boden. Und die Waffen und Raketen, die nur wenige Kilometer von Kolleges Urlaubsparadiesen die dortige Welt in Schutt und Asche legen, die sichern hier in unserem Lande wichtige ArbeitsplĂ€tze. „Sind ja alles nur islamische Terroristen!“, bemerkt Kollege bissig im GesprĂ€ch. Momente, in denen Schwelmann gerne mal mit geschwollener Halsschlagader das Wort ergreift und widerspricht. In den Gedanken bei all den unschuldigen MĂ€nnern, Frauen und Kindern, die doch nichts weiter wollen, als in Ruhe und Frieden ihr Leben zu leben. Genau wie Schwelmann und sein Kollege auch. Und wenn sich dann Menschen aus jenen Regionen auf den gefĂ€hrlichen Weg ins gelobte Europa machen und es allen Widrigkeiten zum Trotz sogar bis zu uns, in unser beschauliches Heimatdorf Schwelm schaffen, um hier vielleicht eine Chance auf ein besseres Leben zu erhalten, stoßen sie auf Leute wie den Kollegen, stoßen auf Angst und Ablehnung bis hin zum unverhohlenen Hass. NatĂŒrlich kommt mit den Kriegs- und WirtschaftsflĂŒchtlingen auch ein Prozentsatz Menschen zu uns, die nichts Gutes im Sinn haben. Die AnschlĂ€ge verĂŒben, stehlen, rauben und morden. Aber, so versucht Schwelmann immer zu argumentieren, diese Menschen gibt es in ausnahmslos jeder Gesellschaft, unabhĂ€ngig von der Staatszugehörigkeit und Religion. Kollege und seine Sinnesgenossen scheren aber alle ĂŒber einen Kamm. „Alles Verbrecher, und wie die rumlaufen mit ihren BĂ€rten und KopftĂŒchern. Sollen sie doch dahin, wo sie hergekommen sind, wenn ihnen hier was nicht passt. Wir sind schließlich eine christlich geprĂ€gte Gesellschaft!“. (Dies ist eines jener Argumente, bei denen Schwelmann schon mal schmunzeln muss, weiß er doch, dass Kollege seit seiner Taufe keine christliche Kirche mehr von innen gesehen hat.). Auch unsere Sozialsysteme wĂŒrden von „denen“ geplĂŒndert. Kommen hier hin und machen sich einen Lenz auf Kosten unserer Rentner, die zum Überleben Pfandflaschen sammeln mĂŒssen. Und als ob das alles nicht schon schlimm genug wĂ€re, entstand von wenigen Jahren eine Sammelbewegung, die sich AfD nennt, und die all jenen besorgten BĂŒrgern wie dem Kollegen von Schwelmann eine politische Heimat bietet und immer lauter und immer deutlicher ihre rechten Hetzparolen in die Gesellschaft posaunt. Rechte „Politiker“, die sich zusammen mit grölenden, mit Nazisymbolen ausgestatteten, durch die Straßen laufenden Horden erdreisten, das christliche Abendland retten zu wollen. Ein beliebtes Argument der besorgten BĂŒrger ist die demokratische Legitimation der AfD, die ja in die Landesparlamente und den Bundestag vom SouverĂ€n gewĂ€hlt wurden. Schwelmann erinnert dann gerne daran, dass auch die NSDAP mit ihren Hitlers, Himmlers, Görings und Göbbels seinerzeit demokratisch gewĂ€hlt wurden. Und wir alle wissen, welche weltweite Katastrophe mit vielen Millionen Toten daraus entstanden ist. Schwelmann hat Angst, dass sich Geschichte wiederholt.

Dank jener Kollegen und einer schweigenden Mehrheit, die den Mund nicht aufmacht und die braunen Hetzer gewĂ€hren lĂ€sst statt sie in ihre Schranken zu verweisen. Aufwachen Kollege! Vielleicht ist es noch nicht zu spĂ€t. Einfach mal Nachdenken. Und die Bereitschaft haben, mal auf das Unbekannte zuzugehen, so wie es – Gott sei Dank – auch viele Menschen tun. Seid froh und dankbar, hier leben zu dĂŒrfen. In vergleichsweise großer Sicherheit und großem Wohlstand. In einem Rechtsstaat, der keine WillkĂŒr zulĂ€sst. Seht die Menschen, die zu uns kommen, auch als Bereicherung. Viele werden irgendwann wieder mit einer Ausbildung in ihre Heimat zurĂŒckkehren. Einige werden auch hier bei uns bleiben und wertvolle Mitglieder in unserer Gemeinschaft und Arbeitswelt werden. Genau wie es schon frĂŒher war, als Millionen von OsteuropĂ€ern zu uns ins Kohlerevier kamen oder als „Gastarbeiter“ aus Italien, Spanien, Jugoslawien oder der TĂŒrkei. Diese Menschen haben unser Land mit aufgebaut und es zu dem wunderbaren Deutschland gemacht haben, was wir heute haben. Respekt und MitgefĂŒhl sind gefragt.

Es grĂŒĂŸt der Schwelmann.

Keine Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar