GOLDEMARS Kolumne | April 2018

GOLDEMARS Kolumne | April 2018

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Jahrhunderte lang unsichtbar zeige ich, der Zwergenkönig, nun Gesicht, um mich zum Geschehen in diesem Landkreise zu äußern.

Diesmal besch√§ftigt sich Euer Zwergenk√∂nig und lokaler Kolumnist mit dem Thema Kirche. Wussten Sie zum Beispiel, dass bereits seit Anfang der 70er-Jahre die Zahl der Mitglieder sowohl in der r√∂misch-katholischen als auch in der evangelischen Kirche kontinuierlich zur√ľckgeht? Der Blick in die christlichen Gottesh√§user verr√§t es. W√§hrend sie an Heiligabend meist gut gef√ľllt sind, bleiben die Kirchen den Rest des Jahres h√§ufig leer. Da verwundert es nicht, dass inzwischen immer mehr Kirchen geschlossen werden m√ľssen. Das liegt verst√§ndlicherweise zum einen an der sinkenden Zahl der Kirchenmitglieder, aber auch an dem fehlenden Geld der Kirchengemeinden. Seit dem Jahr 2000 hat alleine die katholische Kirche in Deutschland mehr als 500 Gottesh√§user aufgeben m√ľssen. Der Unterhalt und die oft aufwendigen Instandhaltungen der Kirchen kostet eben jede Menge Geld! Und so kommt es, dass immer mehr Kirchen entweiht und danach verkauft oder sogar abgerissen werden.

Auch im EN-Kreis ist derzeit eine Kirche von der Schlie√üung bedroht. Die Herz-Jesu Kirche in Ennepetal¬†soll geschlossen werden, was die Gemeinde vor Ort schwer getroffen hat. Es handelt sich um eine von au√üen eher schlichte Kirche, die aber mit wunderbaren Glasfenstern und einem lichtdurchfluteten Innenraum √ľberrascht. Die Menschen vor Ort bestehen darauf, dass ihre Kirche nicht nur zur heiligen Messe an Weihnachten gut gef√ľllt ist. Und so wehrt sich die christliche Gemeinde von Herz Jesu. Rund 1.200 Christen haben eine Resolution gegen die Schlie√üung der Kirche unterschrieben und diese an die Bistumsverwaltung geschickt. Und auch mit einer Menschenkette rund um die Kirche haben die Menschen vor Ort gegen die Schlie√üung protestiert. Auch wenn ich als Zwergenk√∂nig weder Christ noch Kirchg√§nger bin, wei√ü ich sehr wohl um die Bedeutung des Christentums.

Die christliche Religion hat unser Wertesystem gepr√§gt, bestimmt unseren Kalender und selbst der Sonntag, an dem die meisten von uns nicht arbeiten m√ľssen, geht zur√ľck auf die Bibel. Und auch wenn viele Christen nicht mehr streng gl√§ubig sind und nur noch selten in die Kirche gehen, bedeutet ihnen ihr Gotteshaus viel. Denn viele besondere, einschneidende und emotionale Momente haben die Menschen in der eigenen Kirche erlebt. Die Taufe der Kinder. Die Erstkommunion. Die Hochzeit. Den ein oder anderen Trauergottesdienst.¬†Wird die Kirche, an der so viele Erinnerungen h√§ngen, dann entweiht, verkauft oder sogar abgerissen, dann l√∂st das bei vielen Menschen Fassungslosigkeit und Unverst√§ndnis aus.

Dennoch m√∂chte ich Euch Menschen eines mitgeben: Die Zeiten √§ndern sich! Ihr k√∂nnt Euch gar nicht vorstellen, was ich alter Greis schon alles miterlebt habe! Welch kolossalen √Ąnderungen ich beigewohnt habe! Und einer solchen Ver√§nderung muss sich auch die christliche Kirche stellen! Wenn immer weniger Menschen die Gottesdienste besuchen und immer h√§ufiger vor leeren B√§nken gepredigt wird, dann ist es eine logische Konsequenz, dass die Kirche Gottesh√§user, in die keiner mehr geht, schlie√üen muss. Und das ist auch gut so! Denn statt Geld in Instandhaltungen und Unterhalt von gro√üen, alten und beinahe ungenutzten Geb√§uden zu stecken, ist es viel sinnvoller das Geld f√ľr seelsorgerische Arbeit in den Gemeinden auszugeben.

Jeden Dienstag Abend um 19 Uhr findet inzwischen in der Herz-Jesu-Kirche das Rosenkranzgebet statt und die Anwesenden beten gemeinsam f√ľr den Erhalt des Gotteshauses. Sollte es tats√§chlich so sein, dass eine Kirche trotz regem Besuch geschlossen werden soll, weil eine Bistumsverwaltung auf ihrem Sparkurs anscheinend den √úberblick verliert, dann kann ich nur hoffen, dass die Kirchenmitgliedern aus Milspe in Ennepetal so zahlreich aufbegehren, dass sie ihre wunderbare Herz- Jesu-Kirche retten k√∂nnen und sich auch in Zukunft an dem wunderbaren Lichteinfall der farbigen Glasfenster erfreuen k√∂nnen.

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