Wie die Ennepetalerin Daniela Frischkorn aus Angst, Scheitern und Selbstzweifeln ihre größte Stärke machte.
Es gibt Momente im Leben, die bleiben. Nicht, weil sie laut sind. Sondern weil sie leise Zweifel hinterlassen. Für Frischkorn war es ein Satz, den sie sich jahrelang selbst sagte: „Ich kann kein Englisch.“
Während viele Mitschüler am Reichenbach-Gymnasium scheinbar mühelos Vokabeltests schrieben, kämpfte sie über Jahre mit der Sprache. Trotz guter Noten in anderen Fächern stand Englisch ständig auf der Kippe. Immer wieder die Angst, nicht zu genügen.
„Ich hatte wirklich Angst, sitzen zu bleiben“, erinnert sie sich heute. Noch schlimmer als die schlechte Note war jedoch das Gefühl dahinter: dass andere scheinbar etwas konnten, das für sie unerreichbar wirkte. Dass sie später wissenschaftliche Texte auf Englisch schreiben, international forschen und Vorträge halten würde, hätte damals niemand gedacht , sie selbst am wenigsten.
Der Moment, an dem sie aufhörte wegzulaufen
Viele Menschen verstecken ihre Schwächen. Daniela Frischkorn entschied sich für das Gegenteil. Noch vor dem Studium akzeptierte sie, dass Englisch tatsächlich ihr größtes Defizit war – und beschloss, aktiv etwas dagegen zu tun. Nicht aus Talent. Sondern aus Willen. Sie besuchte ein Jahr lang eine Sprachschule und lernte Englisch von Grund auf neu. Dabei verstand sie etwas Entscheidendes:
„Scheitern bedeutet nicht, dass man unfähig ist.Oft bedeutet es nur, dass man etwas anders lernen muss.“ Dieser Gedanke prägt sie bis heute.
Exmatrikuliert. Und trotzdem geblieben.
Der nächste Rückschlag folgte im Studium an der International School of Management. Mehrfach scheiterte sie an Wirtschaftsmathematik, beim dritten Versuch kam die Exmatrikulation. „Natürlich schämt man sich“, sagt sie offen. „Vor allem, wenn alle wissen, dass man gescheitert ist.“
Doch statt wegzugehen, blieb sie. An derselben Hochschule. Bei denselben Professoren. Neben denselben Kommilitonen. Sie begann noch einmal von vorne, diesmal im Studiengang Business Communication. Heute sagt sie: „Nicht das Scheitern selbst war entscheidend. Sondern hinzuschauen, warum ich gescheitert war.“
Denn plötzlich erkannte sie, wo ihre eigentliche Stärke lag: nicht in theoretischen Formeln, sondern in Kommunikation, Dynamiken und Führung. Das Fach, in dem sie zunächst scheiterte, führte sie genau dorthin, wo sie hingehörte.
Heute lehrt sie dort selbst – auf Englisch
Dass Daniela Frischkorn heute selbst Lehrbeauftragte an jener Hochschule ist, an der sie einst exmatrikuliert wurde, wirkt fast surreal. Für sie steckt darin eine wichtige Botschaft:
„Wir sehen Scheitern oft als Ende. Dabei ist es häufig nur ein Hinweis, dass man umdenken und etwas über sich selbst lernen muss.“
Gerade Führungskräfte kennen diesen Druck, funktionieren zu müssen, keine Schwäche zeigen zu dürfen und Fehler zu vermeiden. Doch echte Entwicklung entsteht oft erst dort, wo Menschen ehrlich hinschauen.
Internationale Forschung – auf Englisch
Heute promoviert Daniela Frischkorn im internationalen Part-Time-PhD-Programm der Vrije Universiteit Amsterdam im Bereich Leadership und Organisation.
Die Frau, die früher Angst vor jeder Englischklausur hatte, schreibt heute wissenschaftliche Arbeiten auf Englisch und arbeitet mit internationalen Forschungsteams zusammen. Forschungsaufenthalte führten sie bereits an die LUISS Business School.
Im Mittelpunkt ihrer Forschung stehen Fragen, die viele Unternehmen betreffen:
Wie entstehen Entscheidungen wirklich? Warum scheitern Veränderungsprozesse? Und warum werden viele Entscheidungen zwar beschlossen, aber nie umgesetzt?
Zwischen Forschung und Familienalltag
Trotz internationaler Projekte lebt Daniela Frischkorn bewusst mit ihrer Familie in Ennepetal. Hinter ihrem Weg stehen nicht nur Ehrgeiz, sondern auch Familie und Zusammenhalt. „Alle helfen mit“, sagt sie lachend. „Meine Mutter übernimmt Ballett und Englischunterricht, meine Tante den Flötenunterricht, damit mein Mann und ich Vollzeit arbeiten können.“
Vielleicht berührt ihre Geschichte deshalb so viele Menschen: Sie wirkt nicht perfekt, sondern echt. Keine Bilderbuchkarriere. Sondern ein Weg voller Zweifel, Rückschläge und Neuanfänge.
Wenn Frischkorn heute Vorträge hält oder mit Unternehmern arbeitet, geht es ihr um mehr als Meetings oder Führung.
Es geht um den Mut, ehrlich hinzuschauen. Defizite anzunehmen und trotz Scham weiterzugehen. Denn die größte Veränderung begann nicht mit Erfolg. Sondern mit der Entscheidung, nicht mehr vor dem eigenen Scheitern wegzulaufen. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft ihrer Geschichte: Scheitern ist nicht das Gegenteil von Erfolg. Manchmal ist es der Anfang davon.
KONTAKT
GRÜNDERFÜCHE | Mittelstandsfüchse | Daniela Frischkorn
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Aufruf Forschungsteilnahme
Forschung im Mittelstand:
Unternehmen gesucht
Aktuell sucht Daniela Frischkorn mittelständische Unternehmen aus der Region, die bereit sind, an ihrer wissenschaftlichen Forschung zum Thema effiziente Meetings und Entscheidungsprozesse teilzunehmen. Die Studie erfolgt gemeinsam mit der Universität Hamburg und dient ausschließlich akademischen Forschungszwecken.
Als Dankeschön erhalten teilnehmende Unternehmen eine fundierte Analyse ihrer Meetingkultur inklusive konkreter Handlungsempfehlungen. Die Teilnahme erfolgt vertraulich und anonymisiert.
Kontakt für interessierte Unternehmen:
df@mittelstandsfuechse.de

